Automobilpaket der EU-Kommission: Abschwächung der CO₂-Ziele und neue Vorgaben für Firmenflotten 

Die Europäische Kommission hat am 16. Dezember ihr Automobilpaket vorgestellt – mit einem deutlichen Kurswechsel in der europäischen Klimapolitik. Sie rückt vom sogenannten „Verbrenner-Aus“ 2035 für Pkw und Vans ab und will weiterhin die Zulassung von Fahrzeugen ermöglichen, die nicht vollständig emissionsfrei sind. Eine neue Verordnung über saubere Unternehmensfahrzeuge ist ebenfalls Teil des Pakets und setzt nationale Mindestziele für Pkw und Vans.

Mehrspurige Stadtautobahn in einer europäischen Großstadt mit fließendem Autoverkehr, aufgenommen von einer Brücke; die Fahrzeuge sind durch Bewegungsunschärfe dargestellt, im Hintergrund mehrstöckige Gebäude und urbane Infrastruktur.
Traffic-Brussels
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Geplante Änderungen bei den CO₂-Standards für Pkw und Vans

Das Ziel für 2035 von 100 % wird auf 90 % abgesenkt.
Konkret heißt das: Alle Neuwagen eines Herstellers müssen im Jahresdurchschnitt mindestens 90 % weniger CO
2 ausstoßen als im Referenzjahr 2021. Hersteller müssen ihre Fahrzeugflotten also nicht mehr vollständig dekarbonisieren. So können beispielsweise Hybride, Range-Extender oder Fahrzeuge mit  Verbrennungsmotor auch nach 2035 weiterhin zugelassen werden. 


Zusätzlich schlägt die Kommission folgende Anpassungen vor:
 

  • Kompensationsmechanismus: Die verbleibenden 10 % sollen durch die Verwendung von europäischem grünen Stahl und alternativen Kraftstoffen ausgeglichen werden. 
  • Abschwächung des 2030-Ziels für Vans: Statt der bislang vorgesehenen 50 % wird das Ziel auf 40 % reduziert. 
  • Bonus für kleine, leistbare E-Autos aus der EU: Fahrzeuge in dieser Kategorie sollen mit einem Koeffizienten von 1,3 positiv auf die Zielerreichung angerechnet werden, um den Markt zu stärken. 

Kontext

Die Entscheidungen folgen langen Gesprächen mit der Automobilindustrie und stehen im Zeichen einer strategischen Prioritätsverschiebung auf EU-Ebene. Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Resilienz rücken deutlich in den Vordergrund, während Klimaschutzauflagen abgeschwächt werden. 

Das derzeit noch geltende 100 %-Ziel wurde erst 2023 im Rahmen des Europäischen Green Deals beschlossen und galt als wegweisende Entscheidung der EU. Die auch als „Verbrenner-Aus“ bekannte Regelung betrifft ausschließlich neue Fahrzeuge. Bestandsflotten von Unternehmen sind davon nicht betroffen. 

Neue Vorgaben für Flotten großer Unternehmen

Die Verordnung betrifft ausschließlich Pkw und Vans und soll den Anteil emissionsfreier und -armer Fahrzeuge in den Flotten großer Unternehmen erhöhen.
Sie enthält beispielsweise keine neuen Zielvorgaben für Busflotten oder Sonderfahrzeuge, was auch den Forderungen der Wiener Stadtwerke entspricht. Damit fällt der Vorschlag weniger weitreichend aus als zunächst erwartet.

Die Inhalte im Überblick: 

Mindestanteile für Österreich: 

  • Pkw: 
    • ab 2030: 90 % emissionsfrei und -arm (davon mind. 58 % emissionsfrei) 
    • ab 2035: 95 % emissionsfrei 
  • Vans: 
    • ab 2030: 52 % emissionsfrei und -arm (davon mind. 47 % emissionsfrei) 
    • ab 2035: 95 % emissionsfrei

  • Mitgliedstaaten haben weitestgehend freie Hand bei nationalen Maßnahmen, müssen aber EU-Beihilferegeln einhalten. 
  • Ab 2028 dürfen Staaten nur noch den Kauf emissionsfreier und -armer Fahrzeuge fördern – und auch  nur dann, wenn diese in der EU produziert wurden („Made in the EU“). Die genaue Definition kann die Kommission über delegierte Rechtsakte festlegen. 
  • Mitgliedstaaten müssen nationale Umsetzungspläne erstellen und Flottenzahlen an die Kommission melden. 

Weitere Bausteine des Pakets

  • Eine Battery-Booster-Strategie soll die europäische Batterie-Wertschöpfungskette stärken und 1,8 Mrd. Euro mobilisieren, davon 1,5 Mrd. aus dem Innovationsfonds. Ziel ist es, die Abhängigkeiten zu reduzieren und industrielle Kapazitäten in Europa aufzubauen. 
  • Darüber hinaus sieht ein Omnibus-Vereinfachungspaket für den Automobilsektor unter anderem die Einführung einer neuen Kategorie für kleine, erschwingliche Fahrzeuge aus der EU vor. 

Wie geht es weiter?

Im nächsten Schritt starten nun die Verhandlungen im Rat und im Europäischen Parlament.
Die Kommission kann dabei mit Unterstützung von Deutschland und der Europäischen Volkspartei rechnen, die sich im Vorfeld stark für eine Abschwächung der CO₂-Standards eingesetzt hatten.
 

 

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