Lucie Petersen
18.12.2025
Die Europäische Kommission hat am 16. Dezember ihr Automobilpaket vorgestellt – mit einem deutlichen Kurswechsel in der europäischen Klimapolitik. Sie rückt vom sogenannten „Verbrenner-Aus“ 2035 für Pkw und Vans ab und will weiterhin die Zulassung von Fahrzeugen ermöglichen, die nicht vollständig emissionsfrei sind. Eine neue Verordnung über saubere Unternehmensfahrzeuge ist ebenfalls Teil des Pakets und setzt nationale Mindestziele für Pkw und Vans.
Das Ziel für 2035 von 100 % wird auf 90 % abgesenkt.
Konkret heißt das: Alle Neuwagen eines Herstellers müssen im Jahresdurchschnitt mindestens 90 % weniger CO2 ausstoßen als im Referenzjahr 2021. Hersteller müssen ihre Fahrzeugflotten also nicht mehr vollständig dekarbonisieren. So können beispielsweise Hybride, Range-Extender oder Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auch nach 2035 weiterhin zugelassen werden.
Zusätzlich schlägt die Kommission folgende Anpassungen vor:
Die Entscheidungen folgen langen Gesprächen mit der Automobilindustrie und stehen im Zeichen einer strategischen Prioritätsverschiebung auf EU-Ebene. Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Resilienz rücken deutlich in den Vordergrund, während Klimaschutzauflagen abgeschwächt werden.
Das derzeit noch geltende 100 %-Ziel wurde erst 2023 im Rahmen des Europäischen Green Deals beschlossen und galt als wegweisende Entscheidung der EU. Die auch als „Verbrenner-Aus“ bekannte Regelung betrifft ausschließlich neue Fahrzeuge. Bestandsflotten von Unternehmen sind davon nicht betroffen.
Die Verordnung betrifft ausschließlich Pkw und Vans und soll den Anteil emissionsfreier und -armer Fahrzeuge in den Flotten großer Unternehmen erhöhen.
Sie enthält beispielsweise keine neuen Zielvorgaben für Busflotten oder Sonderfahrzeuge, was auch den Forderungen der Wiener Stadtwerke entspricht. Damit fällt der Vorschlag weniger weitreichend aus als zunächst erwartet.
Mindestanteile für Österreich:
Im nächsten Schritt starten nun die Verhandlungen im Rat und im Europäischen Parlament.
Die Kommission kann dabei mit Unterstützung von Deutschland und der Europäischen Volkspartei rechnen, die sich im Vorfeld stark für eine Abschwächung der CO₂-Standards eingesetzt hatten.

Brüssel-Büro der Wiener Stadtwerke