Daniel Lesny und Aimee Zieser
11.02.2026
Für die meisten Fahrgäste bleiben sie unsichtbar, doch für den sicheren Betrieb der Wiener U-Bahn sind sie unverzichtbar: die Tunnelabdichtungen im Untergrund der Stadt erreichen vielerorts das Ende ihrer technischen Lebensdauer. Nach 40 bis 60 Jahren verlieren die eingesetzten Materialien an Funktionalität, Feuchtigkeit kann eindringen und langfristig Schäden an der Bausubstanz verursachen. Die Wiener Linien stehen daher vor einer umfassenden Sanierungsaufgabe – technisch anspruchsvoll, betrieblich sensibel und gleichzeitig zentral für die nachhaltige Entwicklung der städtischen Infrastruktur Wiens.
© Wiener LinienEin Großteil der Wiener U-Bahn- und Tunnelinfrastruktur stammt aus den Ausbauphasen der 1960er bis 1990er Jahre. Die damals verbauten Abdichtungssysteme – überwiegend bituminöse oder kunststoffbasierte Materialien – wurden für eine Lebensdauer von rund 40 bis 60 Jahren konzipiert. Diese Zeitspanne ist bei vielen Bauwerken mittlerweile erreicht oder überschritten. Die Folgen sind zunehmend sichtbar: Materialermüdung, Rissbildung, Undichtigkeiten und eindringende Feuchtigkeit. Für den Tunnelbetrieb bedeutet das ein steigendes Risiko für Korrosionsschäden an Tragwerksstrukturen, Beeinträchtigungen der Betriebssicherheit sowie wachsende Instandhaltungskosten.
Die Sanierung der Tunnelabdichtungen ist daher keine optionale Maßnahme, sondern eine zwingende Voraussetzung für den langfristigen Erhalt der Infrastruktur. Ziel ist es, die bestehenden Bauwerke zu sichern, ihre Lebensdauer deutlich zu verlängern und kostenintensive Neubauten zu vermeiden.
Im Rahmen des mehrjährigen Projekts sollen langfristig über 320.000 m² Abdichtungsflächen in oberflächennaher Lage saniert und erneuert werden. Diese Dimension bringt erhebliche technische, logistische und organisatorische Herausforderungen mit sich. Beengte Platzverhältnisse, temporäre Einschränkungen von Stationszugängen und Aufzügen sowie komplexe Baustellenlogistik müssen so organisiert und abgestimmt werden, dass der öffentliche Verkehr sowie der Betrieb der Wiener Linien jederzeit gewährleistet werden kann.
Die Bauprojekte der Wiener Linien werden dabei nicht isoliert umgesetzt, sondern in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Akteur*innen durchgeführt: den zuständigen Dienststellen der Stadt Wien, Netzbetreibern für Strom, Gas und Internet, Anrainer*innen, Gewerbebetrieben, zugehörigen Lieferketten, der Abfallwirtschaft sowie den Blaulichtorganisationen. Diese werden sowohl in die Planungsprozesse als auch in die Bauabwicklung eingebunden.
Die Sanierungsarbeiten folgen einem klar strukturierten technischen Ablauf, der sich meist über mehrere Bauphasen erstreckt und oft Monate bis Jahre in Anspruch nimmt.
Freilegen der Oberfläche
Umlegung angrenzender Einbauten
Abtragen des Schutzbetons und der Altabdichtung
Erneuerung der Fugen und Aufbringen der neuen Abdichtung
Wiederaufbau der Schutz- und Oberflächenstrukturen
Alle Arbeitsschritte werden unter strengen, mit der Stadt Wien abgestimmten Rahmenbedingungen durchgeführt.
Ziel ist dabei, den laufenden Betrieb sowie den Oberflächenverkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.
Ein zentraler, technisch limitierender Faktor ist die Witterungsabhängigkeit moderner Abdichtungssysteme. Diese erfordern bestimmte Mindestoberflächentemperaturen während der Verarbeitung und können daher nicht in der kalten Jahreszeit aufgebracht werden.
Da Projekte häufig verbindliche Leistungsfristen und enge Zeitpläne aufweisen, beginnt der Baustellenbetrieb bereits sehr früh im Jahr, um vorbereitende Arbeiten rechtzeitig abzuschließen und die eigentlichen Abdichtungsarbeiten in den milderen Jahreszeiten durchführen zu können.
Die Sanierung bestehender Tunnelabdichtungen trägt maßgeblich zu den Klimazielen der Stadt Wien bei. Anstatt bestehende Bauwerke aufzugeben und durch ressourcenintensive Neubauten zu ersetzen, wird die vorhandene Infrastruktur erhalten, modernisiert und für die kommenden Jahrzehnte gesichert. Das spart wertvolle Rohstoffe, reduziert den Energieaufwand und vermeidet erhebliche CO₂-Emissionen, die ein Neubau unweigerlich verursachen würde.
Darüber hinaus ist die Sanierung der Tunnelabdichtungen der Wiener Linien weit mehr als eine rein technische Instandhaltungsmaßnahme. Sie ist ein strategisches Infrastrukturprojekt, das Sicherheit, Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung miteinander verbindet.

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