Mit dem parallel zum Clean Industrial Deal vorgelegten Aktionsplan für erschwingliche Energie sollen die Energiekosten für Endverbraucher*innen und die Industrie durch gezielte Maßnahmen gesenkt werden. Die Europäische Kommission erwartet durch den Aktionsplan (und allgemein die Energiewende) Gesamteinsparungen von 45 Mrd. € im Jahr 2025. Bis 2030 wird mit einem schrittweisen Anstieg der Gesamteinsparungen auf 130 Mrd. € jährlich, bis 2040 auf 260 Mrd. € jährlich gerechnet.
Ein wesentlicher Unterschied zur Debatte um Energiepreise in den Jahren 2022/23 besteht darin, dass das Strommarktdesign nicht erneut geöffnet, sondern vielmehr die in der letzten Legislaturperiode beschlossenen Maßnahmen rasch implementiert werden sollen. Insbesondere die darin vorgesehene stärkere Nutzung langfristiger Stromlieferverträge wird von der Kommission hervorgehoben. PPAs und CfDs sollen vorangetrieben werden, um mehr Preisstabilität und niedrigere Stromversorgungskosten insgesamt zu erreichen.
Zudem soll das „Citizens Energy Package“, das für das dritte Quartal 2025 vorgesehen ist, die Bürger*innen noch aktiver in den Energiemarkt einbinden. Ferner wird eine Überarbeitung der Energiehandelsregeln angestrebt, wobei Anpassungen bei den Regulierungen in MiFID und REMIT im Fokus stehen.
Energienetzen soll auch in dieser Legislaturperiode eine besondere Aufmerksamkeit zukommen. Die Kommission möchte u.a. die Rolle von Netzentgelten bei Anreizen für Flexibilität und Netzinvestitionen prüfen. Gegebenenfalls soll dies auch durch einen legislativen Vorschlag auf EU-Ebene unterstützt werden. Des Weiteren wird von der Kommission gefordert, Steuern und Abgaben auf Stromrechnungen zu reduzieren, sodass Elektrizität im Vergleich zu anderen Energieformen niedriger besteuert wird.
Zudem sollen Genehmigungszeiten für saubere Energieformen und Infrastruktur reduziert und der Ausbau der Netzkapazitäten durch Digitalisierung im Rahmen eines neuen „European Grid Package“ um 20 bis 40 Prozent gesteigert werden. Eine höhere Flexibilität im Stromsystem soll auch durch den verstärkten Einsatz von Speichern und Demand-Response-Mechanismen erreicht werden.
Die Bedeutung der Wärme- und Kälteversorgung soll mit einer neuen „Heating & Cooling“-Strategie berücksichtigt werden. Außerdem soll ein Elektrifizierungs-Aktionsplan vorgelegt werden, um das von der Kommission vorgegebene KPI von 32% Elektrifizierungsrate in 2030 (von heute EU-weit 21,3%) zu erreichen. Auch diese Maßnahmen sollen zum übergeordneten Ziel des Aktionsplans beitragen, die Energieversorgung noch verlässlicher und kosteneffizienter zu gestalten.