Digital Omnibus: EU-Kommission will Digitalgesetzgebung vereinfachen 

Lucie Petersen
16.12.2025

Die Europäische Kommission hat am 19. November ein umfassendes Digitalpaket vorgestellt, das die Weichen für eine modernisierte Digitalgesetzgebung stellen soll. Kern des Pakets ist der sogenannte Digital Omnibus, der bestehende europäische Digitalgesetze zusammenführt und vereinfacht. Er passt unter anderem die Datenschutzgrundverordnung, Cybersicherheits-Berichtspflichten und den Artificial Intelligence Act (AI Act) an, inklusive einer Verschiebung der Fristen für Hochrisiko-KI-Anwendungen.

Warum die Kommission jetzt handelt

Die Kommission hat sich für die Legislaturperiode 2024-2029 das Thema Vereinfachung als Ziel gesetzt. Mit einer Reihe von Omnibus-Paketen soll die bestehende Gesetzgebung in einzelnen Politikbereichen gebündelt vereinfacht werden, um die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. 

Die EU hatte sich in den vergangenen Jahren als Vorreiterin bei der Digitalgesetzgebung und insbesondere der Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) positioniert. Mit dem neuen Vorschlag reagiert die Kommission auch auf den wachsenden internationalen Druck, insbesondere aus den USA und von großen Technologieunternehmen. Ziel ist, die Umsetzung praktikabler zu gestalten, ohne dabei die Grundprinzipien der europäischen Digitalstrategie aufzugeben. 

Die wichtigsten geplanten Änderungen im Überblick

  • AI Act
    Das Inkrafttreten von Regelungen für Hochrisiko-KI-Systeme wird verschoben, bis derzeit fehlende Standards und Unterstützungsmaßnahmen vorliegen. Der Zeitplan wird auf maximal 16 Monate bis Dezember 2027 angepasst, um dem AI Office Zeit für die Ausarbeitung der Instrumente zu geben. Das AI Office erhält erweitere Befugnisse und übernimmt künftig die zentrale Aufsicht über KI-Systeme. Ab 2028 soll eine EU-weite Testumgebung für innovative KI-Anwendungen zur Verfügung stehen. Gestrichen wird die Verpflichtung für KI-Betreiber*innen, ausreichende KI-Kompetenz ihrer Mitarbeiter*innen zu gewährleisten. 
  • Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und Cookie-Regeln
    Erst kurz vor der Veröffentlichung des Pakets wurde bekannt, dass auch die DSGVO Teil des Digital Omnibus wird. Neben Klarstellungen zum Begriff „personenbezogene Daten“ wird die Meldefrist für Datenschutzverstöße auf 96 Stunden verlängert. Zudem sollen Cookie-Einwilligungen künftig zentral, etwa über Browsereinstellungen, verwaltet werden können. Wiederholte Anfragen nach einer Ablehnung sind für sechs Monate untersagt. 
  • Cybersicherheit
    Mit dem Prinzip „report once, share many“ sollen Unternehmen künftig Cybersicherheitsvorfälle nur einmal melden müssen – über ein zentrales Portal bei der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA. Derzeit sind Unternehmen verpflichtet, Vorfälle unter verschiedenen Gesetzen zu melden, darunter NIS-2. 
  • Datennutzung
    Bestehende Regelungen wie die Open-Data-Richtlinie werden im Data Act gebündelt. Unternehmen sollen sich künftig primär mit diesem zentralen Gesetz und der DSGVO befassen. 

Weitere Initiativen des Digitalpakets

Neben dem Digital Omnibus umfasst das Paket zwei zusätzliche Vorschläge: 

  • Ein Vorschlag für European Business Wallets, der grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten erleichtern soll. 
  • Eine nichtlegislative Datenunionsstrategie, die einen Schwerpunkt auf die Europäische Datensouveränität und den Zugang zu Daten für KI setzt. 

Wie geht es weiter?

Der Digital Omnibus besteht aus zwei Gesetzestexten: Ein zentraler Vorschlag, der Änderungen an verschiedenen Digitalgesetzgebungen bündelt, sowie ein separater Text zum AI Act. Beide Vorschläge werden nun dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten vorgelegt, die sich dazu positionieren. Es ist von kontroversen Diskussionen auszugehen, insbesondere mit Blick auf den Datenschutz. 

Die Kommission hat außerdem einen zweiten Schritt der Vereinfachungsbestrebungen im Bereich Digitales eingeleitet. Sie führt eine umfangreiche Konsultation zum digitalen Fitness-Check durch, die bis März 2026 läuft. 

Contact image

Lucie Petersen

Brüssel-Büro der Wiener Stadtwerke

Auch interessant

Mehrspurige Stadtautobahn in einer europäischen Großstadt mit fließendem Autoverkehr, aufgenommen von einer Brücke; die Fahrzeuge sind durch Bewegungsunschärfe dargestellt, im Hintergrund mehrstöckige Gebäude und urbane Infrastruktur.© Siebe Vanderhaeghen
18.12.2025

Automobilpaket der EU-Kommission: Abschwächung der CO₂-Ziele und neue Vorgaben für Firmenflotten 

Die Europäische Kommission hat am 16. Dezember ihr Automobilpaket vorgestellt – mit einem deutlichen Kurswechsel in der europäischen Klimapolitik.

Strommasten, Stromnetz bei Sonnenuntergang.© Matthew Henry
17.12.2025

Europäische Kommission priorisiert Energienetze mit „Grids Package“

Am 10. Dezember 2025 hat die Kommission ein umfangreiches „Grids Package“ vorgelegt. Damit möchte sie das klare Signal setzen, dass der Ausbau und die Modernisierung der europäischen Energienetze prioritär sind. Das neue Maßnahmenpaket soll dazu beitragen, die Energiewende zu beschleunigen und dabei gleichzeitig die Strompreise zu senken sowie die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Press conference by Henna Virkkunen, Executive Vice-President of the European Commission, Valdis Dombrovskis, and Michael McGrath, European Commissioners, on the digital simplification package© Europäische Kommission
16.12.2025

Digital Omnibus: EU-Kommission will Digitalgesetzgebung vereinfachen 

Die Europäische Kommission hat am 19. November ein umfassendes Digitalpaket vorgestellt, das die Weichen für eine modernisierte Digitalgesetzgebung stellen soll. Kern des Pakets ist der sogenannte Digitalomnibus, der bestehende europäische Digitalgesetze zusammenführt und vereinfacht. Er passt unter anderem die Datenschutzgrundverordnung, Cybersicherheits-Berichtspflichten und den Artificial Intelligence Act (AI Act) an, inklusive einer Verschiebung der Fristen für Hochrisiko-KI-Anwendungen.

EU-Flaggen© Europäische Kommission
06.11.2025

EU-Staaten einigen sich auf abgeschwächtes Klimaziel 2040

Die Umweltminister*innen der EU-Mitgliedstaaten haben sich am 5. November auf eine gemeinsame Position zum EU-Klimaziel für 2040 geeinigt. Damit liegen die Positionen von Kommission und Rat nun vor. Nach der noch ausstehenden Positionierung des Europäischen Parlaments können die abschließenden Trilogverhandlungen der drei EU-Institutionen starten. Vor der am 10. November beginnenden COP30 gibt die Ratseinigung jedoch bereits jetzt die Richtung der zukünftigen Klimapolitik der EU vor.

EU Flaggen vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel© Europäische Kommission
23.10.2025

Europäische Kommission präsentiert mit Arbeitsprogramm erste Prioritäten für 2026 

Am 21. Oktober hat die Kommission ihr Arbeitsprogramm für 2026 vorgelegt. Unter dem Titel „Europas Moment der Unabhängigkeit“ soll die diesjährige Schwerpunktsetzung auf Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit fortgesetzt werden.

Paneldiskussion in Brüssel© Wiener Stadtwerke
15.10.2025

Powering Europe’s Future: Wiener Stadtwerke diskutierten in Brüssel über Europas Energie- und Mobilitätszukunft

Großer Andrang im Wien-Haus in Brüssel: Rund 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und EU-Institutionen folgten Dienstagabend der Einladung der Wiener Stadtwerke zur hochkarätig besetzten Veranstaltung "Powering Europe’s Future: Energy and Mobility for Competitiveness and Security". Im Mittelpunkt standen die Zukunft der europäischen Energie- und Mobilitätssysteme, die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Frage, wie Versorgungssicherheit und Klimaschutz gemeinsam gelingen können.

© Europäische Kommission
17.07.2025

Entwurf des europäischen Mehrjährigen Finanzrahmens 2028-2034 veröffentlicht

Die Europäische Kommission hat ihren Vorschlag für den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) für die Jahre 2028–2034 veröffentlicht und soll ca. 2 Billionen Euro umfassen. Die Anzahl der EU-Förderprogramme soll deutlich sinken (von rund 52 auf 16) und die Regeln vereinheitlicht werden. Zwar sollen 35% für Klimamaßnahmen ausgegeben werden, dennoch werden im Einklang mit den neuen EU-Prioritäten auch Schwerpunkte auf Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit gesetzt.

Teresa Ribera, Wopke Hoekstra© Europäische Kommission
02.07.2025

Neues EU-Klimaziel 2040: Minus 90% mit (umstrittenen) Flexibilitäten

Es wurde schon lange diskutiert, jetzt ist es auf den Tisch gelegt worden: Die EU-Kommission schlägt als neues verbindliches Zwischenziel eine Emissionsreduktion um -90% bis 2040 vor. Neu und umstritten: Internationale Zertifikate sollen Flexibilität bei der Zielerreichung bringen.

Dan Jorgensen© Europäisches Parlament
01.07.2025

EU-Kommission legt Gesetzesvorschlag zum Ausstieg aus russischen Energieimporten vor

Am 6. Mai hat die Europäische Kommission ihren Fahrplan für den Ausstieg aus russischen Energieimporten vorgelegt. Jetzt wurde der konkrete Gesetzesvorschlag vorgelegt.

Strommasten mit Stromleitungen auf einem Feld© Wien Energie
20.06.2025

Gastbeitrag: Keine Energiewende ohne Stromnetze: Der Initiativbericht des Europäischen Parlaments zu Stromnetzen

Der „Initiativbericht über Stromnetze als Rückgrat des Energiesystems der EU“, den Europaabgeordnete Anna Stürgkh für das Europäische Parlament verfasst und verhandelt hat, setzt sich mit den aktuellen Herausforderungen als Antwort auf den „Aktionsplan für Netze“ (Grid Action Plans) der Kommission und als Forderungskatalog für das Netzpaket („Grids Package“) auseinander. EU-Abgeordnete Anna Stürgkh und Lars Ritter, politischer Berater in ihrem Büro, haben für uns die zentralen Forderungen dargelegt.

AI Continent Action Plan Pressekonferenz© Europäische Kommission
28.04.2025

EU-Aktionsplan für den „KI-Kontinent“

Künstliche Intelligenz (KI) wird zur strategischen Priorität der EU. Im Fokus stehen technologische Souveränität, neue Infrastrukturprojekte und der Zugang zu Daten und Talenten.

EU-Kommissar Valdis Dombrovskis und EU-Kommissarin Maria Luis Albuquerque© Europäische Kommission
25.03.2025

Das erste und zweite Omnibus-Paket

Mit der Omnibus-Verordnung hat die europäische Kommission weitreichende Erleichterungen für Unternehmen angekündigt. Weniger Berichtspflichten, eine klarere Struktur und mehr Flexibilität in der Umsetzung stehen dabei im Mittelpunkt.

EU-Kommissar Dan Jørgensen bei einer Pressekonferenz© Europäische Kommission
13.03.2025

EU-Aktionsplan für erschwingliche Energie

Am 26.02. wurde im Rahmen der Vorstellung des neuen EU Clean Industrial Deals, auch der Aktionsplan für erschwingliche Energiepreise präsentiert. Dieser soll die Preise für Energie für Endkund*innen und Industrie senken und damit die EU wettbewerbsfähiger machen. Die Kommission zeigt hier gute Ideen, so manch relevante Punkte sind noch unklar.

EU-Flaggen© Europäische Kommission
27.02.2025

Der Clean Industrial Deal

Mit dem Clean Industrial Deal hat die Europäische Kommission ihren neuen „Business Plan“ vorgestellt, der die Ziele der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Dekarbonisierung verbinden soll. Gemeinsam mit einem Aktionsplan für erschwingliche Energie und dem sogenannten „Omnibus-Paket“ zur Nachhaltigkeitsberichterstattung soll die EU zukunftsfit und wettbewerbsfähig gemacht werden.

EU Flaggen vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel© Europäische Kommission
12.02.2025

Das Arbeitsprogramm der EU-Kommission 2025

Die EU-Kommission hat am 12. Februar ihr Arbeitsprogramm für 2025 vorgestellt. Dieses orientiert sich an dem bereits im Jänner vorgestellten Kompass für Wettbewerbsfähigkeit der EU und bietet eine detaillierte Übersicht der Initiativen. Präsentiert werden die Pläne der Kommission für das erste volle Jahr der neuen Legislatur.

Stapel von verschiedenen Euromünzen vor EU-Flagge© Europäische Kommission
11.02.2025

Der Europäische Competitiveness Fund

In ihrem Ende Januar veröffentlichten Wettbewerbskompass kündigte die Europäische Kommission an, dass ein neuer European Competitiveness Fund (ECF) eingerichtet und Teil des nächsten Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) sein wird. Das Konzept des ECF ist jedoch nicht neu: Eine neue Säule der Wettbewerbsfähigkeit als Teil des neuen MFR wurde bereits im Draghi-Bericht empfohlen, und die Idee eines spezifischen Finanzierungsinstruments für die Wettbewerbsfähigkeit war ebenfalls Teil von von der Leyens Manifest für ihre Wiederwahl. Hier werfen wir einen Blick darauf, was bisher über den ECF bekannt ist.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einer Pressekonferenz© Europäische Kommission
30.01.2025

Der Europäische Competitiveness Compass

Der "Competitiveness Compass” wurde veröffentlicht! Mit diesem Kompass für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit hat die europäische Kommission ihre erste übergreifende Strategie für die EU-Legislaturperiode 2024-29 vorgelegt. Zentrales Ziel ist es, sich an eine von Klima-, Technologie- und geopolitischen Veränderungen geprägte Welt anzupassen.

EU Flaggen vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel© Europäische Kommission
10.10.2024

Neuaufstellung der europäischen Kommission

Vier Monate nach den Europawahlen konkretisiert sich die neue Europäische Kommission. Am 17. September 2024 präsentierte Ursula von der Leyen, erneut gewählte Kommissionspräsidentin, ihren Vorschlag für das neue Kollegium. In der ersten Novemberhälfte stellen sich die Kandidat*innen den Hearings vor den Ausschüssen und müssen danach im Europäischen Parlament bestätigt werden.