Digital Omnibus: EU-Kommission will Digitalgesetzgebung vereinfachen 

Die Europäische Kommission hat am 19. November ein umfassendes Digitalpaket vorgestellt, das die Weichen für eine modernisierte Digitalgesetzgebung stellen soll. Kern des Pakets ist der sogenannte Digital Omnibus, der bestehende europäische Digitalgesetze zusammenführt und vereinfacht. Er passt unter anderem die Datenschutzgrundverordnung, Cybersicherheits-Berichtspflichten und den Artificial Intelligence Act (AI Act) an, inklusive einer Verschiebung der Fristen für Hochrisiko-KI-Anwendungen.

Press conference by Henna Virkkunen, Executive Vice-President of the European Commission, Valdis Dombrovskis, and Michael McGrath, European Commissioners, on the digital simplification package
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Warum die Kommission jetzt handelt

Die Kommission hat sich für die Legislaturperiode 2024-2029 das Thema Vereinfachung als Ziel gesetzt. Mit einer Reihe von Omnibus-Paketen soll die bestehende Gesetzgebung in einzelnen Politikbereichen gebündelt vereinfacht werden, um die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. 

Die EU hatte sich in den vergangenen Jahren als Vorreiterin bei der Digitalgesetzgebung und insbesondere der Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) positioniert. Mit dem neuen Vorschlag reagiert die Kommission auch auf den wachsenden internationalen Druck, insbesondere aus den USA und von großen Technologieunternehmen. Ziel ist, die Umsetzung praktikabler zu gestalten, ohne dabei die Grundprinzipien der europäischen Digitalstrategie aufzugeben. 

Die wichtigsten geplanten Änderungen im Überblick

  • AI Act
    Das Inkrafttreten von Regelungen für Hochrisiko-KI-Systeme wird verschoben, bis derzeit fehlende Standards und Unterstützungsmaßnahmen vorliegen. Der Zeitplan wird auf maximal 16 Monate bis Dezember 2027 angepasst, um dem AI Office Zeit für die Ausarbeitung der Instrumente zu geben. Das AI Office erhält erweitere Befugnisse und übernimmt künftig die zentrale Aufsicht über KI-Systeme. Ab 2028 soll eine EU-weite Testumgebung für innovative KI-Anwendungen zur Verfügung stehen. Gestrichen wird die Verpflichtung für KI-Betreiber*innen, ausreichende KI-Kompetenz ihrer Mitarbeiter*innen zu gewährleisten. 
  • Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und Cookie-Regeln
    Erst kurz vor der Veröffentlichung des Pakets wurde bekannt, dass auch die DSGVO Teil des Digital Omnibus wird. Neben Klarstellungen zum Begriff „personenbezogene Daten“ wird die Meldefrist für Datenschutzverstöße auf 96 Stunden verlängert. Zudem sollen Cookie-Einwilligungen künftig zentral, etwa über Browsereinstellungen, verwaltet werden können. Wiederholte Anfragen nach einer Ablehnung sind für sechs Monate untersagt. 
  • Cybersicherheit
    Mit dem Prinzip „report once, share many“ sollen Unternehmen künftig Cybersicherheitsvorfälle nur einmal melden müssen – über ein zentrales Portal bei der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA. Derzeit sind Unternehmen verpflichtet, Vorfälle unter verschiedenen Gesetzen zu melden, darunter NIS-2. 
  • Datennutzung
    Bestehende Regelungen wie die Open-Data-Richtlinie werden im Data Act gebündelt. Unternehmen sollen sich künftig primär mit diesem zentralen Gesetz und der DSGVO befassen. 

Weitere Initiativen des Digitalpakets

Neben dem Digital Omnibus umfasst das Paket zwei zusätzliche Vorschläge: 

  • Ein Vorschlag für European Business Wallets, der grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten erleichtern soll. 
  • Eine nichtlegislative Datenunionsstrategie, die einen Schwerpunkt auf die Europäische Datensouveränität und den Zugang zu Daten für KI setzt. 

Wie geht es weiter?

Der Digital Omnibus besteht aus zwei Gesetzestexten: Ein zentraler Vorschlag, der Änderungen an verschiedenen Digitalgesetzgebungen bündelt, sowie ein separater Text zum AI Act. Beide Vorschläge werden nun dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten vorgelegt, die sich dazu positionieren. Es ist von kontroversen Diskussionen auszugehen, insbesondere mit Blick auf den Datenschutz. 

Die Kommission hat außerdem einen zweiten Schritt der Vereinfachungsbestrebungen im Bereich Digitales eingeleitet. Sie führt eine umfangreiche Konsultation zum digitalen Fitness-Check durch, die bis März 2026 läuft. 

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