Auffallend ist, dass viele Portfolios inhaltliche Überschneidungen haben und eine gute Zusammenarbeit der einzelnen Kommissar*innen und ihrer politischen Gruppen voraussetzen. Von den insgesamt 26 Kommissar*innen fungieren sechs als Exekutive Vizepräsident*innen, die auch eine koordinierende Funktion einnehmen sollen.
Teresa Ribera aus Spanien wird als Exekutive Vizepräsidentin für den gerechten und wettbewerbsfähigen Übergang eine zentrale Rolle in der zukünftigen EU-Energie- und Klimapolitik einnehmen. Sie soll auch neue Wettbewerbskommissarin werden und übernimmt damit gewichtige Teile der Portfolios der ausscheidenden bzw. schon ausgeschiedenen bisherigen einflussreichen Vizepräsidenten Margrethe Vestager und Frans Timmermans. Sie soll damit sowohl die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie im Blick behalten als auch den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. Dazu soll sie u.a. die EU-Wettbewerbspolitik überarbeiten, um die Transformation zu einem sauberen Energiesystem zu beschleunigen.
Ein weiterer zentraler Akteur im Bereich Energie wird Dan Jørgensen aus Dänemark sein, der das Ressort Energie und Wohnen übernehmen soll. Er gilt als Unterstützer des Green Deals, soll in den kommenden Jahren aber gleichzeitig auch die Senkung der Energiepreise priorisieren und die Energiesicherheit Europas stärken. Besondere Aufmerksamkeit soll er auch der weiteren Stärkung und dem Ausbau der Netzinfrastruktur zukommen lassen. Energienetze werden in den Mission Letters allgemein als übergeordnete Priorität anerkannt und im Zusammenhang mit vielen Initiativen, ob sektorenübergreifend oder energiespezifisch (z.B. „Clean Industrial Deal“ oder „Clean Energy Investment Strategy“), prominent erwähnt.
Im Bereich Klimapolitik wird außerdem Wopke Hoekstra aus den Niederlanden eine Schlüsselrolle spielen. Als Kommissar für Klima und grünes Wachstum soll er den Rechtsrahmen für die Klimaziele für 2030 und 2040 umsetzen bzw. neu entwerfen.
Jessika Roswall aus Schweden übernimmt das Portfolio Umwelt und Kreislaufwirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind die Förderung der Kreislaufwirtschaft („Circular Economy Act“) und die Entwicklung einer neuen Wasserresilienz-Strategie für Europa. Ein neues „Chemicals Industry Package“, inklusive REACH- und PFAS-Gesetzgebung, wird ebenfalls eine Rolle spielen.
Auch im Bereich nachhaltiger Transport (und Tourismus) gibt es mit Apostolos Tzitzikostas aus Griechenland einen neuen Kommissar. Er soll sich um die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur und die Dekarbonisierung des Verkehrssektors kümmern.
Magnus Brunner aus Österreich soll für Inneres und Migration zuständig sein, wozu auch der Themenbereich Sicherheit der digitalen und physischen kritischen Infrastruktur zählt.
Weitere für die zukünftige Energie- und Klimapolitik wichtige Kommissar*innen werden u.a. Henna Virkkunen (Exekutive Vizepräsidentin für technische Souveränität), Piotr Serafin (Budget) sowie Stéphane Séjourné (Exekutiver Vizepräsident für Wohlstand und europäische Industriestrategie) sein, der – gemeinsam mit Teresa Ribera – eine führende Rolle bei der Ausbalancierung von Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit spielen soll.