Michaela Kauer

Gastbeitrag: Wien-Haus Brüssel – 30 Jahre EU-Kompetenz für Wien

16.07.2026

Seit drei Jahrzehnten ist die Stadt Wien in Brüssel mit einem vierköpfigen Team vertreten, seit 17 Jahren leitet Michaela Kauer das Wien-Haus, das Verbindungsbüro der Stadt Wien zur EU, in dem auch die Wiener Stadtwerke untergebracht sind.

Pressefoto der Feierlichkeiten zu 30 Jahren Wien Haus in Brüsel. Neun Personen posieren vor Wiener Rathaus© Stadt Wien

Eine starke Stimme für Wien in Europa, erfolgreicher Einsatz für die Interessen von Städten in der EU, Agenda-Setting im Bereich leistbares Wohnen, und vieles mehr: von Beginn an, also der Eröffnung am 29. Mai 1996, macht sich Wien so in Brüssel für die Interessen der Wiener*innen auf EU-Ebene stark. Mit viel Erfolg: von der Abwehr der Liberalisierung des öffentlichen Verkehrs sowie der Privatisierung der kommunalen Wasserversorgung über den Fokus auf die kommunale Daseinsvorsorge bis hin zur Mitgestaltung der Europäischen Kulturhauptstädte und konkreten Gleichstellungszielen - die Wiener Expertise wird immer wieder gefragt.

„Aus Wien zu sein, öffnet Türen, auch in Brüssel“

Wien gilt europaweit als Vorbild für leistbares Wohnen, nachhaltige Stadtentwicklung, Gleichberechtigung, Wasserversorgung, Grünflächen, Klimaschutz, ein exzellentes öffentliches Verkehrsnetz und vieles mehr. „Das ist unsere wichtigste Ressource bei der Arbeit in Brüssel und hat das Neujahrskonzert und das Riesenrad als Türöffner abgehängt. Die Stadt Wien hat sich auf europäischer Ebene als verlässliche Partnerin für städtische Interessen etabliert,“ wie Michaela Kauer betont. Das Wien-Haus fungiert hier als „Sensor“ vor Ort in Brüssel. „Wir holen immer wieder gute Beispiele aus Wien zu verschiedenen Themen vor den Vorhang und stehen für Dialog und Austausch. Erfreulicherweise gilt auch in Brüssel: Aus Wien zu sein, öffnet Türen. Das ermöglicht es uns, breite Allianzen zu bilden und eine ehrliche Maklerin für die Interessen der Städte in der EU zu sein“.

Aktuelle Themen: Wohnen, Klima, Demokratie und das liebe Geld

Aktuell geht es um harte Themen, bei denen immer wieder um die Machtverteilung zwischen den EU-Institutionen und den Städten und Regionen, vor allem in der künftigen EU-Finanzarchitektur, gerungen wird. Auch Maßnahmen gegen die Wohnungskrise, alles, das zu einer inklusiven und nachhaltigen Gesellschaft und Wirtschaft beiträgt, und nicht zuletzt Fragen der demokratischen Verfasstheit des europäischen Versprechens stehen auf der Agenda. Städte – und ihre kommunalen Unternehmen – leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft. Sie tragen die Verantwortung für Daseinsvorsorge, sozialen Zusammenhalt und Zukunftsinvestitionen und sichern diese ganz konkret ab. „Es geht jetzt darum, in der künftigen EU-Finanzarchitektur die städtische Dimension im EU-Budget abzusichern, denn andernfalls drohen nicht nur Kürzungen bei wichtigen Programmen für Forschung, Soziales und regionale Entwicklung, sondern auch eine zunehmende Renationalisierung des EU-Budgets. Das hat das Potenzial, Städte und Regionen von der Mitgestaltung von Förderungen auszuschließen,“ informiert Michaela Kauer.

Kompetenz, Transparenz, Glaubwürdigkeit und ein stabiles Netzwerk

Wie das Team des Wien-Hauses sich konkret in den Politikzyklus der EU einbringt und Abteilungen der Stadt in der kommunalen Interessenvertretung berät, hängt meist davon ab, an welchem Punkt des Prozesses sich ein bestimmtes Thema gerade befindet. „Wir empfehlen immer, Bündnispartner*innen zu haben, denn das verstärkt unsere Vorschläge,“ so die Leiterin des Verbindungsbüros, die seit vielen Jahren an verschiedenen Hochschulen und Universitäten zu Europäischer Politik lehrt. Ein Beispiel ist das Thema Kreislaufwirtschaft, zu dem die Europäische Kommission im Herbst einen neuen Vorschlag präsentieren wird. Hier konnte das Wien-Haus eine Veranstaltung mit 300 Teilnehmenden mitorganisieren, bei der ein Aufruf mit konkreten Vorschlägen an die Europäische Kommission vorgestellt wurde. Oder beim Thema Wohnen: hier sorgt das Wien-Haus seit vielen Jahren dafür, dass das Wiener Modell auch auf EU-Ebene als Referenz zitiert wird. Ein Erfolg war, dass der für Wohnen zuständige Kommissar Dan Jorgensen seine Tour zur Bewerbung des „EU-Plans für leistbares Wohnen“ in Wien begann.

Eine gute Bilanz

Mit 350 Veranstaltungen, 160 Hospitant*innen aus der Stadt und den Wiener Stadtwerken, 540 Besucher*innengruppen, nicht nur aus Wien, in den vergangenen 30 Jahren kann das Wien-Haus auf eine Erfolgsbilanz verweisen, die nicht nur im EU-Kontext, sondern auch in der Stadt nachhaltig wirkt. „Jede Kollegin, jeder Kollege, die oder der einige Wochen bei uns verbringt und die Arbeit in Brüssel kennenlernt, ist danach ein guter Kontakt für uns,“ erklärt Michaela Kauer. „Und besonders freut mich, dass unsere Arbeit Vorbild für andere Städte ist, wenn sie ein Büro in Brüssel eröffnen wollen.“

  • © Stadt Wien

    Michaela Kauer

    Leiterin des Verbindungsbüros der Stadt Wien zur EU

Mehr zu den Tätigkeiten der Wiener Stadtwerke im Wien-Haus

Pressefoto der Feierlichkeiten zu 30 Jahren Wien Haus in Brüsel. Neun Personen posieren vor Wiener Rathaus© Stadt Wien
16.07.2026

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Display eines Computers beim Programmieren© Markus Spiske
10.07.2026

EU-Aktionsplan für Cybersicherheit und KI: Rückenwind für den Schutz kritischer Infrastrukturen

Die Europäische Kommission hat einen Aktionsplan für Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz vorgelegt. Ziel ist es, die Potenziale fortschrittlicher KI besser für die Cybersicherheit zu nutzen, Europa wirksamer vor den mit KI verbundenen Risiken zu schützen und gleichzeitig die technologische Souveränität der EU im Bereich fortschrittlicher KI auszubauen.

EU Flaggen vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel© Europäische Kommission
18.06.2026

EU-Update: Juni 2026

Im EU-Update für Juni 2026 stehen zentrale Weichenstellungen der europäischen Energie- und Industriepolitik im Fokus. Die Europäische Kommission treibt die Elektrifizierung als neues Leitprinzip voran und bereitet mit einem umfassenden Energiepaket wichtige Initiativen für Sommer vor. Gleichzeitig rückt die geplante Reform des EU-Emissionshandels in den Mittelpunkt einer Grundsatzdebatte zwischen Klima- und Industriepolitik. Auch darüber hinaus bleibt die EU-Regulierung dynamisch: von der Zukunft der Inhouse-Vergabe über neue Regeln für Ticketing und Fahrgastrechte bis hin zu Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität Europas. Zudem feiert das Wien-Haus in Brüssel sein 30-jähriges Bestehen.

© Europäische Kommission
30.04.2026

EU-Beihilfe: Kommission erweitert Spielraum in der Energiekrise (METSAF)

Am 29. April 2026 hat die Europäische Kommission ihre Beihilferegeln überarbeitet. Damit möchte sie den Mitgliedstaaten erlauben, umfangreichere Subventionen als bisher an besonders von der aktuellen Energiekrise betroffene Unternehmen auszahlen zu dürfen. Normalerweise setzt das europäische Wettbewerbsrecht hierfür engere Grenzen, um keine Verzerrungen im europäischen Binnenmarkt zuzulassen.

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23.04.2026

EU-Kommission konkretisiert Toolbox für leistbare Energiepreise und Versorgungssicherheit (AccelerateEU) 

Die Europäische Kommission hat gestern ihre angekündigte „Toolbox“ zur Senkung der Energiepreise veröffentlicht. Kurzfristige Entlastung und Versorgungssicherheit sollen eng mit strukturellen Reformen verknüpft werden, mit einem starken Fokus auf Elektrifizierung, Netze und europäische Koordination. Die Kommission versteht die aktuelle Situation nicht nur als Krise, sondern als Beschleuniger für den Umbau des Energiesystems.

EU Flaggen vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel© Europäische Kommission
15.04.2026

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Im EU-Update für April 2026 geht es um aktuelle Entwicklungen auf EU-Ebene – mit einem klaren Schwerpunkt auf Energie. Der Konflikt im Iran und die Folgen für Preise und Versorgungssicherheit prägen derzeit viele Diskussionen in Brüssel. Außerdem im Blick: der Ausbau der Energienetze, neue Ansätze für mehr europäische Wettbewerbsfähigkeit („Made in Europe“), die KI-Regulierung sowie Themen rund um digitale Mobilität und Ticketing.

orangene Rohre auf Gebäude© Simon Boxus
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Die Europäische Kommission hat am 4. März ihren lang erwarteten Vorschlag für einen Industrial Accelerator Act (IAA) vorgestellt. Das neue Instrument ist Teil des Clean Industrial Deal und soll Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken, indem Produktionskapazitäten für saubere Technologien ausgebaut und die Nachfrage nach in Europa hergestellten Produkten gesteigert wird. Der Vorschlag enthält unter anderem neue Kriterien für „Made in EU“ und „kohlenstoffarme“ Produkte in der öffentlichen Beschaffung sowie Maßnahmen zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und zur Steuerung ausländischer Investitionen in strategischen Industrien. Damit greift die Kommission zentrale industrie- und energiepolitische Fragen auf: Wie kann Europa seine industrielle Basis stärken, auf die Konkurrenz aus den USA und China reagieren und gleichzeitig die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft vorantreiben?

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Autos im Stau© Jacek Dylag
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Display eines Computers beim Programmieren© Markus Spiske
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Auch im Bereich der Digitalgesetzgebung steht das Thema Resilienz weit oben auf der politischen Agenda. Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen gewinnen Bestrebungen nach größerer europäischer digitaler Souveränität an Bedeutung. Besonders Ausbau von Kapazitäten in Schlüsseltechnologien, insbesondere in der Künstlichen Intelligenz (KI), soll die technologische Souveränität stärken und Abhängigkeiten reduzieren. Gleichzeitig werden im Zuge laufender Bestrebungen zur Regulierungsvereinfachung zentrale Elemente der Digitalgesetzgebung überprüft.

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17.12.2025

Europäische Kommission priorisiert Energienetze mit „Grids Package“

Am 10. Dezember 2025 hat die Kommission ein umfangreiches „Grids Package“ vorgelegt. Damit möchte sie das klare Signal setzen, dass der Ausbau und die Modernisierung der europäischen Energienetze prioritär sind. Das neue Maßnahmenpaket soll dazu beitragen, die Energiewende zu beschleunigen und dabei gleichzeitig die Strompreise zu senken sowie die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

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Digital Omnibus: EU-Kommission will Digitalgesetzgebung vereinfachen 

Die Europäische Kommission hat am 19. November ein umfassendes Digitalpaket vorgestellt, das die Weichen für eine modernisierte Digitalgesetzgebung stellen soll. Kern des Pakets ist der sogenannte Digitalomnibus, der bestehende europäische Digitalgesetze zusammenführt und vereinfacht. Er passt unter anderem die Datenschutzgrundverordnung, Cybersicherheits-Berichtspflichten und den Artificial Intelligence Act (AI Act) an, inklusive einer Verschiebung der Fristen für Hochrisiko-KI-Anwendungen.