Neuer EU-Aktionsplan gegen Drohnenbedrohungen – ein wichtiges Signal für Betreiber kritischer Infrastrukturen

Lucie Petersen

Die Europäische Kommission hat am 11. Februar einen umfassenden Aktionsplan zur Bekämpfung der zunehmenden Drohnenbedrohung in der EU vorgelegt. Besonders hervorzuheben ist, dass die Kommission ausdrücklich anerkennt, wie stark Betreiber kritischer Infrastrukturen von dieser Entwicklung betroffen sind. Sie greift damit zentrale Themen auf, die für die Wiener Stadtwerke von hoher Relevanz sind und wichtige Elemente der bereits formulierten Anforderungen im Bereich Drohnen- und Infrastruktursicherheit widerspiegeln.

Fliegende Drohne über dem Haus des Meeres, im Hintergrund Blick über Wien.
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Drohnen als neue Sicherheitsdimension: EU setzt auf Vorsorge, Erkennung und Abwehr

Drohnen sind längst kein technisches Nischenphänomen mehr. Sie können den Betrieb von Energieerzeugern, Wind- und Solaranlagen sowie Fernwärmesystemen beeinträchtigen – oft unerkannt, teils gezielt. Dass diese Risiken nun klar benannt werden, ist ein wichtiges Signal in Richtung Sicherheit und Resilienz.

Um der Bedrohung umfassend zu begegnen, gliedert die Kommission den Aktionsplan in vier miteinander verzahnte Handlungsfelder, die den gesamten Sicherheitszyklus abdecken – von Vorsorge und Erkennung über Reaktionsfähigkeit bis hin zur langfristigen Stärkung der europäischen Verteidigungsbereitschaft.

Prepare – Europas Resilienz stärken

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Europa seine technologische Souveränität und Sicherheit stärken kann. Die Kommission kündigt Maßnahmen an, die die Entwicklung und Produktion europäischer Drohnen- und Drohnenabwehrsysteme vorantreiben sollen. Vorgesehen sind unter anderem:

  • ein EU-Exzellenzzentrum für Drohnenabwehr,
  • ein Zertifizierungssystem für Drohnenabwehrtechnologien,
  • ein neues Industrieforum für Drohnen und Drohnenabwehr.

 

Für den Bereich kritischer Infrastruktur besonders bedeutend:

  • Bis Q3 2026 soll ein neues Drohnen-Sicherheitspaket vorgelegt werden, das auch eine Überarbeitung der Regeln für zivile Drohnen umfasst – inklusive Registrierungs- und Identifikationspflichten für kleinere Geräte.
  • Bis Q4 2026 ist ein EU-Siegel für vertrauenswürdige Drohnen geplant.
  • Für Q2 2026 kündigt die Kommission RKE-Leitlinien zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit an – mit Empfehlungen zu Geofencing, Prävention und Teststrategien.
  • Zudem soll Mitgliedstaaten ein Plan zur systematischen Erprobung der Drohnenabwehrfähigkeit kritischer Infrastrukturen präsentiert werden.

Detect – Bedrohungen früher und besser erkennen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der verbesserten Erkennung von Drohnenaktivitäten. Die Kommission setzt hier auf:

  • besseren Datenaustausch zwischen Mitgliedstaaten, Behörden und Betreibern,
  • stärkere Nutzung von Identifikationssystemen,
  • den Einsatz von 5G Netzen zur Live-Erkennung.

Geplant ist unter anderem eine Aufforderung zur Interessensbekundung, um gemeinsam mit Mitgliedstaaten und Industrie 5G-basierte Echtzeit-Detektionssysteme zu testen. Zusätzlich wird die Einrichtung einer EU-Plattform für Drohnenvorfälle geprüft – ein möglicher Schlüsselbaustein für ein sektorübergreifendes Lagebild.

Respond – Europäische Zusammenarbeit vertiefen

Besonders für Betreiber kritischer Infrastrukturen relevant ist die geplante EU-Initiative für Drohnenabwehrsysteme, die auch eine gemeinsame freiwillige Beschaffungsinitiative vorsieht. Damit rückt erstmals eine koordinierte europäische Beschaffung näher – ein entscheidender Hebel, um technologische Abhängigkeiten zu verringern.

Weitere geplante Maßnahmen:

  • Aufbau souveräner europäischer KI gestützter Command and Control Kapazitäten,
  • Schaffung von Soforteinsatzteams für Drohnenabwehr,
  • eine jährliche EU-weite Drohnenabwehrübung, um grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu erproben.

Strengthen – Verteidigungsbereitschaft erhöhen

Mit der schnelleren Entwicklung kosteneffizienter Technologien und dem Ausbau industrieller Produktionskapazitäten will die Kommission die Grundlage für zentrale europäische Verteidigungsinitiativen stärken, darunter:

  • die Europäische Drohnenabwehrinitiative,
  • die "Eastern Flank Watch Initiative" im Rahmen der Verteidigungsbereitschaft 2030.

Ergänzend soll die bereits angekündigte Drohnenallianz mit der Ukraine die operative und industrielle Zusammenarbeit weiter vertiefen.

Ein wichtiger Schritt – jetzt kommt es auf die Umsetzung an

Mit dem neuen Aktionsplan nimmt die Kommission zentrale Anliegen auf, die Betreiber kritischer Infrastrukturen – darunter auch die Wiener Stadtwerke – seit Längerem thematisieren. Dass diese Themen nun klar verankert sind, zeigt, dass die Bedrohungslage ernst genommen wird. Entscheidend wird nun sein, wie eng die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und den betroffenen Infrastruktursektoren gelingt – vor allem im Hinblick auf die innere und nationale Sicherheit.