Sommerbilanz Mobilität: Modernisiert, ausgebaut und bereit für den Herbst

10.09.2026

Die Sommermonate sind eine wichtige Zeit für Arbeiten an der Verkehrsinfrastruktur. Während viele Wiener*innen unterwegs oder im Urlaub waren, wurde an zahlreichen Stellen im Öffi-Netz gebaut, saniert und erweitert. Mit dem Abschluss wichtiger Sommerbaustellen, neuen Mobilitätsangeboten und der Verlängerung der Linie 18 wurden zentrale Projekte in Wien umgesetzt. Zeit für einen Rückblick auf einen ereignisreichen Mobilitätssommer und einen Ausblick auf die kommenden Monate.

Personen auf der Rolltreppe auf dem Weg zur U-Bahn© Johannes Zinner

Infrastruktur im Sommer: Modernisierungen und Umgang mit Extremhitze

Gleise, Weichen, Oberleitungen und weitere Teile der Infrastruktur müssen regelmäßig erneuert werden, damit das Öffi-Netz auch langfristig sicher, zuverlässig und leistungsfähig bleibt. Die Mobilitätsunternehmen der Wiener Stadtwerke haben die Sommermonate deshalb genutzt, um notwendige Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten gebündelt umzusetzen und Auswirkungen für Fahrgäste möglichst gering zu halten.

Bei den Wiener Linien kehrten noch im August zahlreiche Straßenbahnlinien sowie die U3 auf ihre regulären Strecken zurück. Auch die U4 ist seit Anfang August wieder durchgehend unterwegs. Mit der Modernisierungsoffensive „Netz erst recht!“ treiben die Wiener Linien die Erneuerung ihrer Infrastruktur weiter voran. Von den für 2026 vorgesehenen 12,5 Kilometern Gleisen und 33 Weichen wurde bereits ein wesentlicher Teil in den Sommermonaten erneuert.

Bei der Badner Bahn wurde der Sommer ebenfalls für umfangreiche Infrastrukturarbeiten genutzt. Auf dem Abschnitt zwischen Schedifkaplatz und Inzersdorf Lokalbahn wurden unter anderem mehr als zwei Kilometer Gleisinfrastruktur und rund 2,5 Kilometer Oberleitungen erneuert. Seit 7. September, rechtzeitig zum Schulstart, ist die Badner Bahn wieder auf ihrer gesamten Strecke unterwegs.

Die hohen Temperaturen und Hitzewellen in diesem Sommer haben erneut gezeigt, vor welche Herausforderungen der Klimawandel die Verkehrsinfrastruktur stellt. Schienen, Weichen und Oberleitungen sind immer mehr erheblichen thermischen Belastungen ausgesetzt und müssen entsprechend kontrolliert und instandgehalten werden. Mit der laufenden Modernisierung wird das Öffi-Netz zwar Schritt für Schritt widerstandsfähiger gegenüber Hitze und anderen Extremwetterereignissen, die Erfahrungen der vergangenen Jahre machen trotzdem deutlich, dass Klimaanpassung längst zu den zentralen Aufgaben einer zukunftsfähigen Infrastrukturstrategie gehören muss.

Neue Verbindungen und Angebote im Wiener Öffi-Netz

Neben der Modernisierung bestehender Infrastruktur wurde in diesem Sommer auch der Ausbau des Netzes sichtbar: Seit 5. September fährt die Linie 18 von der U6-Station Burggasse-Stadthalle bis zur U2-Station Stadion.

Die neue 3,1 Kilometer lange Strecke durch den Prater schafft eine zusätzliche Verbindung zwischen wichtigen Verkehrsknoten und Stadtentwicklungsgebieten. Entlang der neuen Strecke entstehen rund 2.150 Meter neue Radwege, mehr als 10.000 Quadratmeter Begrünung und rund 200 neue Bäume. Das Projekt verbindet damit leistungsfähigen öffentlichen Verkehr mit einer attraktiveren und klimafreundlicheren Gestaltung des öffentlichen Raums. Sehr erfreulich ist, dass die Verlängerung der Linie 18 beim diesjährigen VCÖ-Mobilitätspreis Wien als vorbildliches Projekt ausgezeichnet wurde.

Mit einem neuen Citybuskonzept ordneten die Wiener Linien die Innenstadtbusse neu und verbesserten die Verbindungen zwischen der Inneren Stadt und den angrenzenden Bezirken. Insgesamt wurden 17 Haltestellen neu errichtet oder adaptiert. Moderne Wasserstoffbusse ermöglichen dabei eine flexiblere Linienführung und tragen zu zuverlässigeren Verbindungen in der Innenstadt bei.

Nach einem erfolgreichen Pilotbetrieb wurde im Sommer zudem die WienMobil E-Bike-Flotte auf 600 Fahrzeuge verdoppelt. Damit wurde das Sharing-Angebot ausgebaut und die Verknüpfung von Rad und öffentlichem Verkehr weiter gestärkt.

Wiener Linien stärken das Netz während der Stammstreckensperre

Besonders wichtig wird die neue Verlängerung der Linie 18 in den kommenden Monaten während der ÖBB-Stammstreckensperre zwischen Wien Praterstern und Wien Hauptbahnhof.

Um die Auswirkungen für die Fahrgäste möglichst gering zu halten, begleiten die Wiener Linien die Sperre mit einem verstärkten Angebot, dichteren Intervallen, größeren Fahrzeugen sowie umfassender Fahrgastinformation und zusätzlichen Servicekräften. Die verlängerte Linie 18 schafft dabei eine wichtige zusätzliche Verbindung im Osten Wiens und trägt dazu bei, Fahrgastströme besser zu verteilen.

Auch die Linie O übernimmt eine wichtige Entlastungsfunktion. Im Rahmen der Beschleunigungsoffensive „Mehr Tempo für Bus und Bim“ wurde ihre Leistungsfähigkeit gezielt gestärkt, um eine attraktive Alternative anzubieten. Gemeinsam mit weiteren verdichteten Straßenbahn- und Buslinien stehen damit zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung.

Schulstart: Öffi-Angebot wird verstärkt

Mit dem Ende der Sommerferien steigt auch die Nachfrage im Wiener Öffi-Netz wieder an. Mehr als 240.000 Kinder und Jugendliche besuchen in Wien eine von rund 700 Wiener Schulen. Deutlich über 100.000 davon legen ihren täglichen Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück.

Zum Schulstart und mit Beginn der ÖBB-Stammstreckensperre wird das Angebot daher gezielt ausgebaut. Seit 7. September fahren die U-Bahn-Linien in den Spitzenzeiten häufiger. Gemeinsam mit der verlängerten Linie 18 sowie zusätzlichen Kapazitäten bei Straßenbahn- und Buslinien steht den Fahrgästen ein erweitertes Angebot zur Verfügung. Damit ist das Wiener Öffi-Netz gut auf den Schulstart, die steigende Nachfrage im Herbst und die Herausforderungen der kommenden Monate vorbereitet.

Was die Mobilitätspolitik im Herbst beschäftigt

Neben Infrastrukturprojekten und Angebotsausweitungen prägten im Sommer auch mobilitätspolitische Weichenstellungen die Debatte. Der technische Entwurf des österreichischen Klima-Sozialplans, über den die Mittel des europäischen Klima-Sozialfonds in Österreich eingesetzt werden sollen, befand sich bis 4. September in Konsultation. Betroffene Akteur*innen konnten dabei Stellungnahmen und Vorschläge zur Weiterentwicklung der vorgesehenen Maßnahmen einbringen.

Auftakt der Arbeiten zum Fahrgastpaket im Europäischen Parlament

Anfang September fand im Verkehrsausschuss ein Austausch mit der Europäischen Kommission zu den im Mai vorgelegten Vorschlägen für Bahntickets, Fahrgastrechte und multimodale Buchungen statt. Dabei bestätigte Generaldirektorin Kopczyńska die Ausnahme des städtischen Verkehrs von den neuen Regelungen für Bahntickets. Nun wird ausschlaggebend sein, wie die Abgrenzung zwischen Vorort- und Regionalverkehr ausgestaltet wird. Viele Abgeordnete begrüßen das Paket und möchten die drei Dossiers parallel voranbringen, dafür sollen die Positionsentwürfe bis Jahresende vorgelegt werden. Der Rat will seine Positionen für die anschließenden Trilogverhandlungen dann bereits finalisiert haben.

Umfassende Reform des EU-Vergaberechts

Gestern legte die Europäische Kommission ihren Vorschlag für eine umfassende EU-Vergaberechtsreform vor, mit grundlegenden Änderungen an den bestehenden Prozessen. Eine Verordnung ersetzt die bisherigen Vergaberichtlinien und einige sektorspezifische Regelungen. Dahinter steht das Ziel eines vereinfachten und einheitlichen EU-Vergaberegelwerks, mit stärkerem Fokus auf Digitalisierung und strategischen Vergabekriterien. Wichtig für kommunale Unternehmen: Die Möglichkeit für Inhouse-Vergabe bleibt gewahrt. Im nächsten Schritt ist nun von komplexen Verhandlungen in Rat und Parlament auszugehen.