Österreich erlebt derzeit eine außergewöhnliche Hitzewelle. In Wien wurden in den vergangenen Tagen mit 41 Grad Celsius neue Temperaturrekorde gemessen. Was früher eine Ausnahme war, wird immer häufiger zur Realität. Wie sorgen die Wiener Stadtwerke dafür, dass Wien auch bei Rekordtemperaturen funktioniert?
© Fiona FrommeltDichtbebaute Städte wie Wien sind besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Hohe Temperaturen belasten nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern stellen auch die kritische Infrastruktur vor neue Herausforderungen. Stromnetze, Energieversorgung und öffentlicher Verkehr müssen selbst unter Extrembedingungen zuverlässig funktionieren.
Klimaanpassung wird damit neben der Dekarbonisierung zu einer zentralen Aufgabe der Daseinsvorsorge. Die Unternehmen der Wiener Stadtwerke investieren deshalb kontinuierlich in moderne Infrastruktur, Digitalisierung und innovative Technologien, um Wien auch bei zunehmenden Hitzewellen am Laufen zu halten.
Steigende Temperaturen und lange Trockenperioden wirken sich zunehmend auf die urbane Infrastruktur aus, darunter auch die Strominfrastruktur. Hohe Außentemperaturen erwärmen den Asphalt und damit auch die darunterliegenden Stromkabel. Besonders im innerstädtischen Bereich können dadurch Kabelverbindungen, sogenannte Muffen, stärker belastet werden. Gleichzeitig steigt an heißen Tagen der Strombedarf, etwa durch den verstärkten Einsatz von Klimaanlagen und Kühlgeräten.
Um die Versorgung auch bei Hitze stabil zu halten, setzen die Wiener Netze auf mehrere Maßnahmen. Im Rahmen eines eigenen Muffen-Sanierungs- und Reduktionsprogramms werden Kabelverbindungen bei Straßenbauarbeiten überprüft und, wo möglich, durch durchgehende Leitungen ersetzt. Digitale Transformatorstationen liefern Echtzeitdaten über die Netzauslastung und ermöglichen es, betroffene Netzbereiche im Störungsfall innerhalb weniger Minuten umzuschalten. Zusätzliche Bereitschaftsteams im Sommer sorgen dafür, dass Versorgungsunterbrechungen möglichst kurz bleiben.
Ein weiterer Vorteil: Das Wiener Stromnetz ist engmaschig aufgebaut. Fällt eine Leitung aus, kann die Stromversorgung in vielen Fällen rasch über eine andere Leitung wiederhergestellt werden. Dadurch verkürzen sich Stromausfälle deutlich, viele Haushalte sind bereits nach wenigen Minuten wieder versorgt. Damit das auch künftig so bleibt, investieren die Wiener Netze bis 2030 rund 2,4 Milliarden Euro in den Ausbau, die Instandhaltung und die Digitalisierung ihrer Netze. Mit einer Versorgungssicherheit von 99,99 Prozent bleibt das Stromnetz auch unter zunehmenden klimatischen Belastungen verlässlich.
Mit steigenden Temperaturen wächst auch der Bedarf an Kühlung. Prognosen gehen davon aus, dass der Kühlbedarf in europäischen Städten in den kommenden Jahrzehnten deutlich zunehmen wird.
Während Fernwärme seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil der urbanen Energieversorgung ist, gewinnt Fernkälte nun immer mehr an Bedeutung. Sie bietet eine energieeffiziente Alternative zu tausenden einzelnen Klimaanlagen und reduziert gleichzeitig Lärm sowie die zusätzliche Wärmeabgabe in den Stadtraum.
Wien Energie baut das Fernkältenetz deshalb kontinuierlich aus. Zur Funktionsweise: Kaltes Wasser wird in zentralen Anlagen erzeugt und über ein Leitungsnetz zu Gebäuden, Krankenhäusern oder öffentlichen Einrichtungen transportiert. Dabei kommen hocheffiziente Absorptions- und Kompressionskältemaschinen zum Einsatz, die unter anderem Abwärme aus der Müllverbrennung nutzen.
Bereits heute betreibt Wien Energie acht Fernkältezentralen sowie zahlreiche dezentrale Anlagen. Die jüngste befindet sich am MedUni Campus Mariannengasse und verfügt als erste Anlage im Wiener Fernkältenetz über einen Eisspeicher. In den Nachtstunden wird dort Kälte gespeichert und während der heißen Nachmittagsstunden wieder genutzt. So können Lastspitzen im Kühlbedarf abgefedert, die Kältemaschinen gleichmäßiger betrieben und gleichzeitig das Stromnetz entlastet werden.
Auch der öffentliche Verkehr bleibt von den Auswirkungen der Hitzewellen nicht verschont. Hohe Temperaturen belasten die Infrastruktur der Wiener Linien: Schienen, Weichen und Oberleitungen sind starken thermischen Belastungen ausgesetzt und müssen laufend kontrolliert sowie instand gehalten werden, damit der Betrieb auch an Hitzetagen sicher und zuverlässig funktioniert.
Um das Öffi-Netz langfristig an diese Folgen des Klimawandels anzupassen, investieren die Wiener Linien kontinuierlich in die Modernisierung und Erneuerung ihrer Infrastruktur. So wird das Netz Schritt für Schritt widerstandsfähiger gegenüber Extremwetterereignissen und auch für zukünftige Herausforderungen gerüstet.
Damit die täglich rund 2,4 Millionen Fahrgäste auch während der aktuellen Hitzeperiode möglichst angenehm unterwegs sind, setzen die Wiener Linien seit 2001 ausschließlich auf klimatisierte Neufahrzeuge. Heute sind bereits rund 80 Prozent der Fahrzeugflotte klimatisiert, darunter alle Busse sowie die gesamte U6. Die HKL-Anlagen (Heizen, Kühlen, Lüften) sind ganzjährig in Betrieb und passen ihre Leistung automatisch an die Außentemperatur an.
Bei den Wiener Lokalbahnen spielt die Klimatisierung ebenfalls eine wichtige Rolle. In den vergangenen Jahren wurde der Fuhrpark der Badner Bahn umfassend modernisiert, sodass heute nahezu die gesamte Flotte klimatisiert ist.
Moderne Klimaanlagen in öffentlichen Verkehrsmitteln sind bei anhaltender Extremhitze besonders gefordert. Insbesondere auf oberirdischen Strecken sind die Fahrzeuge starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Gleichzeitig gelangt durch das regelmäßige Öffnen der Türen an den Haltestellen laufend warme Außenluft in den Innenraum. Dennoch sorgen die Anlagen für eine spürbare Temperaturreduktion und tragen dazu bei, dass Fahrgäste auch an besonders heißen Tagen möglichst angenehm von A nach B kommen.
Die Rekordtemperaturen der vergangenen Tage zeigen, dass sich Städte auf häufigere Hitzewellen einstellen müssen. Gestern hat die Bundesregierung im Ministerrat ein Gesetzespaket angekündigt, das Hitzeschutzmaßnahmen in Wohnungen und Schulen erleichtern soll. Der entsprechende Gesetzesentwurf soll im Herbst vorliegen. Geplant sind unter anderem einfachere Genehmigungen für Klimaanlagen sowie Investitionen in Beschattung und die Nachrüstung älterer Gebäude.
Auch die Wiener Stadtwerke bereiten Wien schon heute auf diese Entwicklung vor. Mit Investitionen in resiliente Stromnetze, den Ausbau der Fernkälte und in einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr sorgen sie dafür, dass die Stadt auch bei Extremtemperaturen zuverlässig funktioniert.
