Greenpeace-Report: Wien zählt zu Europas Vorreitern bei der Wärmewende

06.10.2026

Greenpeace hat im Rahmen ihres Reports „Gas-Free Cities? – European Urban Heat Transition Ranking“ 15 europäische Großstädte darin verglichen, wie weit sie ihre Gebäudewärme von fossilen Energieträgern lösen. Wien erreicht 81,4 von 100 Punkten und liegt hinter Stockholm (91,8) und Paris (83,5) auf Platz drei.

Blick über Wien, Weinberge im Hintergrund© Christian Lendl

Laut dem Greenpeace- Report überzeugt Wien vor allem bei Planung und Governance. Der Wiener Wärmeplan 2040 zählt zu den klarsten Gasausstiegsplänen im Ranking. Aufholbedarf gibt es beim Erneuerbaren-Anteil in der Fernwärme und die Gebäudeemissionen sind zuletzt nur moderat gesunken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Platz drei: Wien wird mit 81,4 Punkten als „Leading Transition“ eingestuft. In den Kategorien Politik sowie Governance und Finanzierung erreicht die Stadt jeweils 100 Punkte. 
  • Wärmeplan 2040: Er weist für das gesamte Stadtgebiet Wärmepfade aus und beschreibt den Ersatz von rund 600.000 Gasheizungen. 
  • Aufholbedarf: Die Fernwärme ist zu mehr als 60 % fossil. Der direkte fossile Anteil im Gebäudesektor liegt bei rund 31 %. 
  • Gasnetz: Der Report warnt, dass die Netzkosten für verbleibende Kunden steigen können, wenn immer mehr Gebäude das Gasnetz verlassen. 

Hintergrund und Methodik des Reports „Gas-Free Cities"

Der Report, herausgegeben durch Greenpeace, untersucht folgende europäische Städte: Stockholm, Paris, Wien, Kopenhagen, Amsterdam, Budapest, Prag, Berlin, Warschau, Brüssel, Madrid, Lissabon, Athen, Rom undBukarest.  

Die Auswahl soll unterschiedliche Klimazonen, Wärmesysteme und Governance-Strukturen abbilden. Bewertet wird das gesamte städtische Wärmesystem mit Kommunen, Regionen und Energieversorgern.  

 

Zwölf Indikatoren in fünf Kategorien ergeben bis zu 100 Punkte 

  • Politik und Führung (15 %) 
  • Emissionen und Ergebnisse (15 %) 
  • Wärmewende und Heizsysteme (30 %) 
  • Governance und Finanzierung (20 %) 
  • Soziale Fairness (20 %) 

Aus den Gesamtpunkten ergeben sich vier Stufen: Leading Transition ab 80 Punkten, Progressing ab 65, Uneven ab 55 und Limited darunter. Wien liegt mit 81,4 Punkte in der Spitzengruppe. 

Getrennt von der Punktzahl weist der Report große neue fossile Heizungsinvestitionen aus. Ein „Major Fossil Investment Flag“ erhalten Amsterdam, Prag, Berlin, Warschau und Bukarest. Die Datenbasis des Reports reicht bis Ende August 2026.  

Wien im Ranking: Stärken bei Planung und Governance

Wien erreicht in den fünf Kategorien folgende Punkte:  

  • Politik 100,  
  • Governance und Finanzierung 100,  
  • Wärmewende und Heizsysteme 79,  
  • Soziale Fairness 69,  
  • Emissionen und Ergebnisse 60.  

 

Begründet wird die Spitzenbewertung mit der Kombination aus langfristigem Plan, starken kommunalen Handlungsmöglichkeiten und finanzierten Programmen. Paris und Wien erreichen ihre Platzierung demnach trotz größerer verbleibender fossiler Abhängigkeit als Stockholm, und zwar durch Planung, Investitionen und Umsetzung. 

Wiener Wärmeplan 2040 und Umsetzung

Der Wiener Wärmeplan 2040 zeigt für das gesamte bebaute Stadtgebiet, welche Wärmeversorgung bei Gebäuden, die derzeit noch mit Öl oder Gas geheizt werden, in den jeweiligen Gebieten am besten geeignet ist. Der Bericht beschreibt ihn als einen der klarsten räumlichen Gasausstiegspfade im Ranking.  

Mit dem Programm „Raus aus Gas“, einem Monitoring und beispielhaft genannten Projekten wie Alt-Erlaa sieht der Report die Umsetzung bereits im Gang.  

Wo Wien laut Report noch Aufholbedarf hat

Aufholbedarf sieht der Bericht vor allem bei der Fernwärmeaufbringung. Die Fernwärme ist aktuell noch zu mehr als der Hälfte fossil. Der direkte fossile Anteil im Gebäudesektor liegt bei rund 31 % (Schätzung für 2024). Die modellierten Gebäudeemissionen sind von 2020 bis 2024 um 12,9 % gesunken, das ist im Vergleich der 15 Städte ein moderater Rückgang.

Die sozialen Schutzmaßnahmen werden als stark bewertet. Hinweise darauf, dass Bewohner*innen große Entscheidungen in der Wärmewende mitgestalten, sieht er nur begrenzt. Als nächste Schritte nennt er, den Gasausstieg zu beschleunigen und gleichzeitig die Fernwärme zu dekarbonisieren, erfolgreiche Pilotprojekte stadtweit auszurollen und Bewohner*innen stärker in die Planung einzubeziehen.

Wärmeplanung und Gasnetz

Entscheidend ist laut Report, dass Fernwärmenetze den Wandel im großen Maßstab ermöglichen, wenn sie Wärmepumpen, Abwärme und andere fossilfreie Quellen nutzen, da damit viele Gebäude auf einmal dekarbonisiert werden können. Für Wien nennt der Report ein Beispiel:  Die 2026 in Betrieb genommene Großwärmepumpe an der Anlage Spittelau nutzt bisher ungenutzte Wärme und kann rund 16.000 Haushalte mit Heizung und Warmwasser versorgen. Bis 2040 soll mehr als die Hälfte der Fernwärme aus Geothermie und Großwärmepumpen stammen. 

Beim Gasnetz sieht der Report ein Kostenrisiko. Wenn immer mehr Gebäude das Gasnetz verlassen, verteilen sich die Fixkosten auf weniger Kund*innen, und die Kosten für die verbleibenden Anschlüsse können steigen. Besonders betroffen wären Haushalte, die am wenigsten in neue Heizsysteme investieren können. Er empfiehlt deshalb, den Rückgang des Gasnetzes gemeinsam mit dem Ausbau erneuerbarer Wärme und der Sanierung zu planen. 

Was der europäische Vergleich zeigt

Die zentrale Aussage des Reports lautet, dass die Umsetzung mitunter schwieriger ist als das Setzen von Zielen. Die stärksten Städte verbinden klare Richtung, Infrastrukturinvestitionen, den Rückbau fossiler Anlagen, Finanzierung und den Schutz von vulnerablen Haushalten.  

Der Report empfiehlt Städten unter anderem, ein Enddatum für fossile Heizung zu setzen, Wärmepläne in Projekte mit Budget und Zeitplan zu übersetzen, öffentliche Mittel nicht für neue fossile Anlagen einzusetzen, den Rückgang des Gasnetzes ausdrücklich zu managen und jährlich Umsetzungsdaten zu veröffentlichen.