Der Umstieg auf erneuerbare Energien verändert die Anforderungen an die Netze. Strom wird immer seltener nur in großen Kraftwerken erzeugt: Photovoltaikanlagen und Speicher speisen direkt in die Verteilnetze ein. Gleichzeitig kommen neue Verbraucher dazu: Wärmepumpen, E-Autos und Ladeinfrastruktur. Auch die Wärmewende verändert die Anforderungen: Gasheizungen werden zunehmend durch Wärmepumpen und Fernwärme ersetzt.

Die Stadt Wien hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Die Netze müssen dadurch mehr Leistung bereitstellen und Strom in beide Richtungen transportieren und mehr Gebäude mit Fernwärme versorgen. Hinzu kommt das Wachstum Wiens: Laut Bevölkerungsprognose der Stadt Wien steigt die Einwohner*innenzahl von rund 2,05 Millionen Anfang 2026 auf rund 2,22 Millionen Anfang 2040. Das sind etwa 177.000 Menschen mehr, die täglich mit Strom, Wärme und Datenanbindung versorgt werden müssen.
Beim Strom sind vor allem die Verteilnetze gefordert. Sie müssen dezentrale Einspeisung und steigenden Bedarf gleichzeitig bewältigen. Die Wiener Netze bauen ihre Infrastruktur deshalb bis 2040 aus: 4.000 Kilometer Stromnetz, 13 neue Umspannwerke und 1.200 intelligente Trafostationen. Umspannwerke bringen den Strom aus dem Hochspannungsnetz auf die Spannungsebene der Stadtnetze. Intelligente Trafostationen liefern Messdaten und machen es möglich, Netzzustände besser zu überwachen und zu steuern.
Auch die Wärmeversorgung wird weiter ausgebaut. In einer dicht besiedelten Stadt wie Wien ist Fernwärme ein zentraler Baustein, um Gasheizungen zu ersetzen. Sie versorgt viele Gebäude über ein gemeinsames Netz und kann Wärme aus verschiedenen Quellen einbinden, etwa aus Abwärme, Geothermie und Großwärmepumpen. Damit mehr Haushalte anschließen können, bauen Wien Energie und die Wiener Netze das Fernwärmenetz bis 2040 um 400 Kilometer aus.
Ergänzend entstehen 600 Kilometer Glasfaserkabel. Für 2026 bis 2030 sind insgesamt 2,4 Milliarden Euro Investitionen vorgesehen. Ob der Ausbau in diesem Tempo gelingt, hängt auch von den Rahmenbedingungen ab. Die Verteilnetzbetreiber in Österreich rechnen bis 2040 mit einem Investitionsbedarf von rund 30 Milliarden Euro. Dafür braucht es Planungs- und Investitionssicherheit, eine Regulierung der Netzentgelte, die Investitionen ermöglicht, und rasche Genehmigungsverfahren. Auf nationaler Ebene gibt der Österreichische Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) die Planungsgrundlage vor. Auf EU-Ebene will die Europäische Kommission mit dem Grids Package Ausbau und Modernisierung der Netze beschleunigen.