AIT-Studie: Mehr erneuerbarer Strom senkt Großhandelspreise in Österreich

01.07.2026

Der Ausbau erneuerbarer Energien kann nicht nur die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten reduzieren, sondern auch die Strompreise dämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Austrian Institute of Technology (AIT) im Auftrag von Österreichs Energie. Darin wird untersucht, wie sich zusätzliche Stromerzeugung aus Windkraft, Photovoltaik und Wasserkraft auf Großhandels- und Endkund*innen auswirkt.

Luftaufnahme von Windrädern in Mönchhof© Wien Energie/Rockenbauer

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Abweichung vom geplanten Ausbaupfad erneuerbarer Energien verursachte im Jahr 2025 zusätzliche Stromkosten von rund 110 Millionen Euro für Haushalte und Unternehmen.
  • Eine zusätzliche Terawattstunde (TWh) erneuerbarer Strom hätte den österreichischen Großhandelsstrompreis im Jahr 2025 um rund 2,1 Euro pro Megawattstunde (MWh) gesenkt.
  • Die preisdämpfenden Effekte erneuerbarer Energien übersteigen deutlich die Kosten der Marktprämienförderung. Gleichzeitig erfordert die Integration von Windkraft und Photovoltaik Investitionen in Stromnetze, Speicher und Systeminfrastruktur.

Ziele der Studie

Die vom Austrian Institute of Technology (AIT) durchgeführte Studie untersucht den Zusammenhang zwischen dem Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung und den Stromkosten für Endkund*innen. Betrachtet werden dabei nicht nur die Auswirkungen auf die Großhandelspreise, sondern auch Effekte auf Netzkosten, Förderungen und die Strombeschaffung durch Energieversorger.

Die Ergebnisse werden in den Kontext der österreichischen und europäischen Energie- und Klimaziele eingeordnet. Der Ausbau erneuerbarer Energien wird dabei unter anderem durch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) vorangetrieben.

Erneuerbare Energien senken Strompreise und erhöhen die Resilienz

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die preisdämpfende Wirkung erneuerbarer Energien auf dem Strommarkt. Laut einer ökonometrischen Analyse historischer Marktdaten hätte eine zusätzliche Terawattstunde Strom aus Windkraft, Photovoltaik oder Laufwasserkraft den österreichischen Großhandelsstrompreis im Jahr 2025 um rund 2,1 Euro pro Megawattstunde gesenkt. Bei einem österreichischen Stromverbrauch von rund 69 bis 70 TWh entspricht dies einer rechnerischen Entlastung von rund 150 Millionen Euro pro Jahr auf Großhandelsebene.

Die Studie verweist darauf, dass erneuerbare Energien mit geringen laufenden Erzeugungskosten in den Strommarkt eingespeist werden. Gemäß dem Merit-Order-System können sie dadurch teurere Kraftwerke verdrängen und den Marktpreis reduzieren.

Dieser Zusammenhang wird auch in der Debatte über negative Strompreise sichtbar. Neben der unmittelbaren Preiswirkung wird ein weiterer Effekt hervorgehoben: den Beitrag erneuerbarer Energien zur Versorgungssicherheit. Laut Modellierung würde ein europaweiter Ausbaustopp von Windkraft, Photovoltaik und Wasserkraft bis 2030 zu rund 1.200 TWh weniger erneuerbarer Stromerzeugung führen. Ein großer Teil dieser Strommenge müsste anderweitig ersetzt werden, wodurch auch die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten steigen würde.

Windkraft zeigt den größten Preiseffekt

Für das Jahr 2030 modellierte das AIT verschiedene Szenarien eines europaweiten Ausbaustopps erneuerbarer Energien.

Die Ergebnisse zeigen:

  • Ausbaustopp Windkraft: +12 €/MWh auf den österreichischen Großhandelsstrompreis
  • Ausbaustopp Photovoltaik: +7 €/MWh
  • Ausbaustopp Wasserkraft: +0,9 €/MWh
  • Allgemeiner Ausbaustopp aller Technologien: +24 €/MWh

Erkennbar ist, dass insbesondere der weitere Ausbau von Windkraft einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung der Strompreise leisten kann.

Förderkosten werden durch die Preiswirkung überkompensiert

Untersucht wurden auch die Förderkosten erneuerbarer Energien im Rahmen des Marktprämienmodells. Dabei zeigt sich, dass die preisdämpfende Wirkung auf die Großhandelspreise die Förderkosten deutlich übersteigt.

Beispiele aus der Analyse für 2025:


Technologie       Förderkosten pro TWh      Stromkostenersparnis pro TWh
Wasserkraft 17 Mio. Euro 147 Mio. Euro
Windenergie 0,1 Mio. Euro 149 Mio. Euro
Photovoltaik 35,7 Mio. Euro 146 Mio. Euro

 

Verbraucher*innen profitieren davon, dass die Preisreduktion den gesamten Stromverbrauch betrifft, während Förderungen nur für einen Teil der erzeugten Strommenge anfallen.

Kosten durch verzögerten Ausbau

Analysiert werden auch die wirtschaftlichen Folgen eines langsameren Ausbaus erneuerbarer Energien. Im Jahr 2025 blieb die tatsächlich erreichte Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen hinter dem vorgesehenen Ausbaupfad zurück.

Auf Basis der ermittelten Preiswirkung errechnet die Studie, dass diese Abweichung österreichische Haushalte und Unternehmen im vergangenen Jahr rund 110 Millionen Euro gekostet hat. Die zusätzlichen Kosten ergeben sich aus höheren Strompreisen am Großhandelsmarkt im Vergleich zu einem Szenario mit stärkerem Ausbau erneuerbarer Energien.

Netzausbau bleibt zentrale Voraussetzung

Gleichzeitig zeigt sich deutlich, dass der Ausbau erneuerbarer Energien Investitionen in die Energieinfrastruktur erfordert. Neben dem Ausbau von Erzeugungsanlagen sind leistungsfähige Stromnetze notwendig, um zusätzliche Mengen aus Windkraft und Photovoltaik integrieren zu können.

Bis 2030 werden Investitionen von rund 24 Milliarden Euro im österreichischen Verteilnetz erwartet. Hinzu kommen Investitionen im Übertragungsnetz. Ein wesentlicher Teil dieser Ausgaben steht im Zusammenhang mit der Integration erneuerbarer Energien sowie der zunehmenden Elektrifizierung von Mobilität und Wärme.

Netzinvestitionen können langfristig einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen haben und Unterinvestitionen deutlich höhere Folgekosten verursachen können als ein rechtzeitiger Ausbau. Dabei spielen auch regulatorische Rahmenbedingungen, wie sie etwa im geplanten Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) vorgesehen sind, eine wichtige Rolle.

Herausforderungen bei Beschaffung und Energiegemeinschaften

Identifiziert wurden Faktoren, die preissteigernd wirken können. Dazu zählen insbesondere höhere Anforderungen an die Strombeschaffung durch Energieversorger.

Mit dem Ausbau von Photovoltaik-Anlagen steigt die Zahl der Prosumer, die sowohl Strom erzeugen als auch verbrauchen. Dadurch wird die Nachfrage schwieriger prognostizierbar, was zusätzliche Kosten für Beschaffung und Ausgleichsenergie verursachen kann.

Auch Energiegemeinschaften können laut Studie zu höheren Ausgleichsenergiekosten führen, wenn Lieferanten nicht rechtzeitig über veränderte Verbrauchsprofile informiert werden. Die Ein verbesserter Datenaustausch wird als wichtiger Baustein für ein effizienteres Energiesystem gesehen.

Einordnung

Die AIT-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Ausbau erneuerbarer Energien insgesamt preisdämpfend wirkt und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems gegenüber fossilen Preis- und Versorgungsschocks stärkt. Dem stehen zusätzliche Kosten für Netzausbau, Systemintegration und Strombeschaffung gegenüber.

In der Gesamtbetrachtung überwiegen die positiven Effekte. Besonders hervorgehoben werden die sinkende Abhängigkeit von Energieimporten, die dämpfende Wirkung auf die Großhandelspreise sowie die langfristigen Vorteile eines rechtzeitigen Ausbaus von Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft und Netzinfrastruktur.

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