Hydrothermale Reservoirs in Österreich

16.09.2026

Österreich verfügt über ein geothermisches Potenzial, das bislang vor allem in einzelnen Regionen genutzt wird. Eine wichtige Grundlage für die weitere Erschließung ist das Wissen darüber, wo im tiefen Untergrund Thermalwasser vorkommt und welche geologischen Formationen grundsätzlich für eine geothermische Nutzung infrage kommen.

Karte der hydrothermalen Reservoirs in Österreich, Datenstand 2025. Aufgeteilt in hydrothermale Reservoirs, potenzielle Vorkommen sowie einzelne mögliche Vorkommen.
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Eine aktuelle österreichweite Übersicht dazu hat die GeoSphere Austria 2025 mit der Datenpublikation „Hydrothermale Reservoirs für geothermische Anwendungen in Österreich“ veröffentlicht. Die Ausarbeitung bündelt den aktuellen Kenntnisstand zu hydrothermalen Reservoirs und möglichen Vorkommen und stellt diese räumlich für ganz Österreich dar.

In tiefen Gesteinsschichten unter der Erdoberfläche befindet sich natürlich vorkommendes Thermalwasser. Die darin gespeicherte Wärme kann für die Energieversorgung genutzt werden. Bei der hydrothermalen Geothermie wird dafür Thermalwasser über Bohrungen erschlossen und seine Wärme an der Oberfläche nutzbar gemacht.

Die vorliegende Ausarbeitung unterscheidet dabei drei Kategorien:

  • Hydrothermale Reservoirs sind geologische Formationen, in denen Thermalwasser zumindest durch eine Bohrung nachgewiesen wurde und in denen Temperaturen von mehr als 40 °C angenommen werden können.
  • Potenzielle Vorkommen weisen grundsätzlich geeignete geologische Eigenschaften auf, die Datenlage reicht jedoch nicht aus, um ein Reservoir eindeutig abzugrenzen.
  • Bei „Einzelne Vorkommen möglich“ handelt es sich um Gebiete, in denen Thermalwasser etwa aufgrund geologischer Strukturen oder Störungszonen auftreten kann, die Voraussetzungen für eine großflächige Nutzung aber nur eingeschränkt gegeben oder noch nicht ausreichend untersucht sind.

Das Potenzial für hydrothermale Geothermie beschränkt sich damit nicht auf einzelne bekannte Standorte. Die Karte der zeigt, dass sich über weite Teile Österreichs geologische Formationen mit unterschiedlichem geothermischem Potenzial erstrecken. Besonders gut untersucht sind unter anderem die Sedimentbecken im Osten und Norden Österreichs. In anderen Regionen besteht hingegen noch erheblicher Bedarf an geologischer Erkundung.

Ein nicht ausgewiesenes Reservoir bedeutet nicht automatisch, dass dort keine geothermische Nutzung möglich ist. Vielmehr können fehlende Bohrungen, seismische Daten oder andere geologische Informationen die derzeitige Bewertung begrenzen. Die GeoSphere Austria arbeitet deshalb auch an einer verbesserten Erstbewertung bisher weniger untersuchter Geothermieregionen Österreichs.

Für die Wärmewende ist dies relevant, weil hydrothermale Geothermie insbesondere dort interessant sein kann, wo ausreichend warmes Wasser in geeigneter Tiefe und mit ausreichender Durchlässigkeit des Gesteins vorhanden ist. Die österreichweite Übersicht schafft damit eine Grundlage für die weitere Erkundung und Bewertung möglicher Standorte.

Wien ist dabei ein konkretes Beispiel dafür, wie ein solches geologisches Potenzial für die Wärmeversorgung nutzbar gemacht werden kann. Für die Dekarbonisierung der Wiener Wärmeversorgung wird ein hydrothermales Reservoir für die Tiefengeothermie erschlossen. Heißes Wasser wird über Förderbohrungen an die Oberfläche gebracht, seine Wärme über einen Wärmetauscher entzogen und das abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund zurückgeführt. Die erste derartige Anlage ist bereits in Bau und soll ab 2028 klimafreundliche Wärme in das Fernwärmesystem einspeisen.