Ada Taroncher

Rückblick: klimaaktiv Konferenz 2026

05.06.2026

Unter dem Motto „Gemeinsam zum Erfolg: Wie Klimaschutz, Energiewende und Aktive Mobilität Österreichs Wirtschaftsstandort sichern“ stand die klimaaktiv Konferenz 2026 ganz im Zeichen der Transformation. Viele der diskutierten Themen, von der Wärmewende über die Zukunft der Gasnetze bis hin zu Mobilität, Digitalisierung und Klimakommunikation, beschäftigen auch die Wiener Stadtwerke-Gruppe tagtäglich. Wir waren vor Ort und haben die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammengefasst.

Ausschnitt aus dem Plenum der klimaaktiv Konferenz© Luiza Puiu

Eröffnet wurde die Konferenz von Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur Peter Hanke. In seiner Begrüßung betonte er die zentrale Rolle nachhaltiger und aktiver Mobilität für das Erreichen der Klimaziele und unterstrich die Notwendigkeit, den Wandel in Energie, Verkehr und Infrastruktur gemeinsam voranzutreiben. Im Anschluss wurden 21 neue klimaaktiv-Programmpartner*innen ausgezeichnet, darunter auch die Wien Energie GmbH. Die Auszeichnung würdigt Unternehmen und Organisationen, die durch konkrete Maßnahmen zur CO2- Reduktion, Energieeffizienzsteigerung und Förderung klimafreundlicher Mobilität aktiv zur Energiewende beitragen.

Klimaschutz benötigt ein neues Framing

Einen wichtigen Impuls setzte Meinungsforscher Christoph Hofinger, CEO von FORESIGHT Research, mit seinem Vortrag „Sicher. Leistbar. Gesund. Wie wir Klimaschutz gerade jetzt erzählen sollten“. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen diskutierte er, welche Narrative heute wirksam sind und wie Kommunikation gestaltet werden muss, um Akzeptanz für die Transformation zu schaffen. Auch die gesellschaftliche Debatte rund um den Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Windkraft, wurde aufgegriffen.

Deutlich wurde: Die Energiewende ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine gesellschaftliche Herausforderung. Akzeptanz, Vertrauen in Institutionen und verständliche Kommunikation sind entscheidende Erfolgsfaktoren.

Wärmewende zwischen Sanierung und Dekarbonisierung

In der Session zur Wärmewende wurde klar, dass die Zeit zur Erreichung der Klimaziele knapp ist. Gleichzeitig stehen Gebäudeeigentümer*innen und Wohnbauträger vor der Herausforderung, thermische Sanierungen und den Umstieg auf erneuerbare Wärmeversorgung parallel finanzieren zu müssen.

Ein starres „Entweder-oder“ greift zu kurz. Stattdessen braucht es strategische Sanierungs- und Dekarbonisierungsfahrpläne für gesamte Gebäudebestände, die sowohl wirtschaftliche Rahmenbedingungen als auch Klimaziele berücksichtigen. Für Wien ist diese Frage besonders relevant: die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung zählt zu den größten Infrastrukturprojekten der kommenden Jahrzehnte. Der Ausbau klimafreundlicher Fernwärme, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und der schrittweise Ausstieg aus fossilem Gas erfordern langfristige Strategien und erhebliche Investitionen.

Die Zukunft der Gasnetze aktiv gestalten

Eng damit verknüpft ist die Transformation der Gasinfrastruktur. Im Fokus standen die Auswirkungen europäischer Gas- und Wasserstoffmarktregeln sowie die Frage, wie Gasnetz-Transformation und kommunale Wärmeplanung sinnvoll zusammenspielen können.

Zentrale Punkte der Diskussion waren:

  • Vermeidung von Fehlinvestitionen
  • Planungssicherheit für Kund*innen, Kommunen und Netzbetreibende
  • Langfristige, koordinierte Infrastrukturplanung

Das ElWG als wichtiger Baustein für das Energiesystem der Zukunft

Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz war das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) und die zunehmende Dezentralisierung des Stromsystems.

Neue Möglichkeiten, etwa für

  • Photovoltaik,
  • Energiegemeinschaften,
  • Peer-to-Peer-Stromhandel und
  • Batteriespeicher

eröffnen Chancen für Unternehmen und Konsument*innen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Netzbetrieb, Systemstabilität und Marktorganisation.

Die Zukunft des Stromsystems wird vor allem von Flexibilität geprägt sein. Speicher, Energiegemeinschaften und neue Marktmodelle werden entscheiden, um erneuerbare Energie effizient ins System zu integrieren.

Energieeffizienz bleibt ein zentraler Hebel

Die Session zu Energieeffizienz zeigte, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Nutzen oft Hand in Hand gehen.

Praxisbeispiele verdeutlichten, wie Unternehmen durch nachhaltige Maßnahmen in folgenden Bereichen profitieren:

Ein zentraler Erfolgsfaktor: die aktive Einbindung der Mitarbeitenden.

Nachhaltige Mobilität braucht intelligente Vernetzung

Dass die Mobilitätswende weit mehr ist als der Ausbau einzelner Verkehrsmittel, zeigte die Session zur multimodalen Mobilität. Dabei wurde sich angesehen, wie Fußverkehr, Radverkehr, öffentlicher Verkehr und Sharing-Angebote besser miteinander verknüpft werden können, um klimafreundliche Mobilität attraktiver zu machen.

Mit WienMobil verfolgen die Wiener Linien bereits diesen Ansatz: Öffentlicher Verkehr, Fahrrad, Carsharing und weitere Mobilitätsangebote werden auf einer Plattform gebündelt und erleichtern den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen zum privaten Pkw. Besonders wichtig ist dabei die sogenannte „letzte Meile“, jene Wegstrecken zwischen Haltestelle und Zielort, die häufig darüber entscheiden, ob Menschen überhaupt auf nachhaltige Mobilitätsangebote umsteigen. Flexible Mobilitätslösungen, wie beispielsweise der Hüpfer der Wiener Linien, leisten hier einen wichtigen Beitrag, indem sie Lücken im Mobilitätsnetz schließen und eine wichtige Verbindung zwischen öffentlichem Verkehr und individuellem Mobilitätsbedarf schaffen.

Fazit

Die klimaaktiv Konferenz 2026 verdeutlicht, dass die Energiewende längst in der Umsetzungsphase ist. Der Gedanke, der sich durch alle Sessions zog: Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit sind keine Gegensätze. Vielmehr wird die erfolgreiche Transformation zunehmend zum entscheidenden Faktor für einen starken Wirtschafts- und Lebensstandort Österreich.

An Ideen und technischen Lösungen mangelt es nicht. Entscheidend wird sein, dass politische Rahmenbedingungen, Investitionen und Genehmigungsprozesse mit dem Tempo der Transformation Schritt halten.