Die Europäische Union hat mit der neuen Verordnung zum Kapazitätsmanagement auf der Schiene einen wichtigen Schritt gesetzt, um den Bahnverkehr leistungsfähiger, verlässlicher und attraktiver zu machen. Ziel ist es, die vorhandene Infrastruktur besser zu nutzen, die Koordination zwischen den europäischen Netzen zu verbessern und die Planung von Verkehren stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse von Fahrgästen und Verkehrsunternehmen auszurichten.
© Eugene ZhDie Verordnung ist Teil einer umfassenderen EU-Strategie für einen leistungsfähigen und stärker vernetzten Schienenverkehr. Sie ergänzt unter anderem Initiativen zum Ausbau des europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehrs sowie das vorgeschlagene Passenger Package, das die Planung und Buchung regionaler, nationaler und grenzüberschreitender Bahnreisen vereinfachen soll.
Die Nachfrage nach klimafreundlicher Mobilität wächst kontinuierlich. Gleichzeitig stoßen viele Bahnstrecken bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen, während der Ausbau neuer Infrastruktur oft Jahre oder sogar Jahrzehnte benötigt. Umso wichtiger wird es, die vorhandene Schieneninfrastruktur effizienter zu nutzen. Mit der Verordnung schafft die EU dafür einen modernisierten Rahmen für die Planung, Vergabe und Steuerung von Schienenkapazitäten sowie gemeinsame europäische Standards.
Die neue Verordnung regelt zwar in erster Linie die Planung und Vergabe von Schienenkapazitäten, ihre Auswirkungen reichen jedoch weit über betriebliche Abläufe hinaus. Denn die Frage, wie vorhandene Infrastruktur genutzt wird, entscheidet wesentlich darüber, ob künftig mehr Personen- und Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden kann.
Die Verordnung schafft europaweit einheitlichere Rahmenbedingungen für die Planung, Vergabe und Steuerung von Schienenkapazitäten. Infrastrukturbetreibende bleiben zwar weiterhin für ihre Netze verantwortlich, müssen ihre Planung künftig aber stärker grenzüberschreitend koordinieren. Gleichzeitig fördert die Verordnung den Einsatz digitaler Werkzeuge und gemeinsamer Prozesse, um die Zusammenarbeit und Effizienz im europäischen Schienenverkehr zu verbessern.
Mehr Kapazität entsteht nicht allein durch den Bau neuer Gleise. Auch auf bestehenden Strecken lassen sich durch eine bessere Abstimmung von Planung und erhebliche Verbesserungen erzielen. Werden zum Beispiel Bauarbeiten, Fahrpläne und kurzfristige Änderungen frühzeitig koordiniert, kann die vorhandene Infrastruktur zuverlässiger genutzt werden. Das erhöht die Planbarkeit für Eisenbahnunternehmen und verbessert gleichzeitig die Stabilität des Angebots für Fahrgäste.
Nach Einschätzung der europäischen Bahnbranche könnten durch die Einführung des neuen Kapazitätsmanagements auf bestehenden Strecken zusätzliche Kapazitäten von bis zu vier Prozent erschlossen werden, ohne dass dafür sofort neue Infrastruktur gebaut werden muss.
Für Wien ist diese Entwicklung besonders relevant. Als wachsende Metropole ist die Stadt auf leistungsfähige und gut vernetzte öffentliche Verkehrssysteme angewiesen. Dabei greifen unterschiedliche Verkehrsträger ineinander: Regionalbahnen und S-Bahnen bringen Pendler*innen aus dem Umland in die Stadt, während U-Bahn, Straßenbahn und Bus die innerstädtische Erschließung übernehmen.
Gerade dieses Zusammenspiel wird angesichts des zunehmendem Mobilitätsbedarf noch wichtiger. Die neue EU-Verordnung sieht ausdrücklich vor, dass städtische und regionale Personenverkehre bei der langfristigen Kapazitätsplanung berücksichtigt werden müssen. Auch regionale und lokale Interessen sollen künftig stärker in strategische Entscheidungen einfließen.
Für Wien bedeutet das vor allem eines: bessere Voraussetzungen für ein leistungsfähiges und integriertes Mobilitätssystem, in dem die unterschiedlichen Verkehrsangebote möglichst nahtlos miteinander verknüpft sind und Fahrgäste nahtlos zwischen ihnen wechseln können.
Die Verordnung baut keine neuen Strecken und finanziert auch keine zusätzlichen Verkehrsangebote. Sie stärkt den öffentlichen Verkehr daher nicht unmittelbar.
Dennoch verbessert sie die Voraussetzungen dafür, dass bestehende Schieneninfrastruktur effizienter genutzt und Verkehrsangebote besser geplant werden können. Das ist insbesondere dort relevant, wo viele unterschiedliche Verkehrsarten dieselbe Infrastruktur nutzen oder aufeinander abgestimmt werden müssen.
Eine verlässlichere Kapazitätsplanung kann dazu beitragen, Konflikte zwischen verschiedenen Nutzungen zu reduzieren, die Transparenz zu erhöhen und langfristige Angebotsentwicklungen zu erleichtern. Gerade für Ballungsräume wie Wien ist dies ein wichtiger Baustein, um den öffentlichen Verkehr als attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr weiterzuentwickeln.
Der Ausbau von Infrastruktur bleibt eine zentrale Voraussetzung für die Mobilitätswende. Gleichzeitig zeigt die neue EU-Regelung, dass eine höhere Leistungsfähigkeit des Schienensystems nicht ausschließlich durch zusätzliche Gleise erreicht werden muss.
Ebenso entscheidend sind intelligente Planung, digitale Werkzeuge, transparente Prozesse und eine enge Abstimmung zwischen den beteiligten Akteur*innen. Wenn bestehende Infrastruktur effizienter genutzt wird, profitieren Fahrgäste, Verkehrsunternehmen und die öffentliche Hand gleichermaßen.
Aus Sicht der Wiener Stadtwerke ist daher jeder Schritt zu begrüßen, der die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs stärkt und die Schiene als Rückgrat nachhaltiger Mobilität weiterentwickelt. Die neue EU-Verordnung setzt dafür wichtige Impulse und zeigt, dass die Verkehrswende nicht nur auf der Baustelle, sondern auch in der Planung entschieden wird.

Public Affairs und Stakeholdermanagement

Brüssel-Büro der Wiener Stadtwerke