89 TWh Erdgas werden in Österreich jährlich verbraucht, davon werden rund 10 TWh durch inländische Produktion aufgebracht. Der Importbedarf wird zu 80% aus Russland gedeckt. Laut der österreichischen Energieagentur lässt sich die Abhängigkeit mit Einsparungen sowie erhöhter Inlandsaufbringung von erneuerbaren Gasen und Diversifikation bis 2027 beenden.
© Adobe StockDie Österreichische Energieagentur analysierte im Auftrag des Klimaschutzministeriums strategische Handlungsoptionen für eine österreichische Gasversorgung ohne Importe aus Russland. Sie hebt drei Punkte hervor, mit denen bis 2027 die Importabhängigkeit beendet werden könnte: Einerseits ist eine Reduktion des Gesamtverbrauchs notwendig (minus 29 TWh), andererseits muss die Inlandsaufbringung von erneuerbaren Gasen vorangetrieben werden (plus 14 TWh). Die Gasimporte sollen durch andere Bezugsländer diversifiziert werden. Die inländische Förderungen von 10 TWh Erdgas soll auf gleichem Niveau bleiben.

Das größte Einsparungspotenzial (9 TWh) zeigt sich laut Energieagentur beim Ausstieg aus Gas in der Raumwärme. Bis 2030 könnten die Hälfte der 1,2 Mio. Gasheizungen in Österreich umgestellt werden, wozu aber begleitende ordnungsrechtliche Maßnahmen notwendig sind. Als Alternativen eignen sich Wärmepumpen sowie der Umstieg auf Nah- und Fernwärme und Biomassekessel. Zur Umsetzung sind außerdem eine beschleunigte Förderabwicklung sowie Programme für die gesicherte Verfügbarkeit von Fachkräften notwendig. Weiteres Reduktionspotenzial im Gebäudebereich ergibt sich durch beschleunigte Sanierung sowie die Substitution von Erdgas in der Fernwärmeaufbringung durch beispielsweise Geothermie. Hier bedarf es neben geeigneten Förderrahmen auch entsprechende Gesetzesnovellen zur Nutzbarmachung von Geothermie. 4 TWh könnten durch den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik ersetzt werden, da sie Erdgaskraftwerke in der Stromerzeugung substituieren. Dazu sollte aber das Ambitionsniveau des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes (EAG) entsprechend angepasst werden. Auch durch verstärkte Stromerzeugung aus Biomasse-KWK ließe sich bis zu eine TWh Gas einsparen.
Ein weiterer großer Hebel zeigt sich beim Umstieg auf Erneuerbare in Industrie und Gewerbe (6 TWh). Besonders bei Anwendungen, die Temperaturen unter 200°C benötigen, lassen sich durch Hochtemperatur-Wärmepumpen, Biomasse und Elektrodenkessel sowie Fernwärme maßgebliche Einsparungen erzielen. Erhöhte Effizienzmaßnahmen könnten den Einsatz von Erdgas in der Industrie jährlich um vier zusätzliche TWh senken.
Die Energieagentur empfiehlt, den EAG-Zielwert von 5 TWh heimisch produziertem erneuerbaren Gas (Biomethan, grüner Wasserstoff, synthetisches Methan) zu erhöhen. Die zusätzlich mobilisierten Mengen sollten vorrangig in jenen Bereichen eingesetzt werden, in denen es bis 2030 keine andere Option als Gas gibt. Dazu zählt insbesondere die Industrie und die Strom- und Fernwärmeerzeugung zur Abdeckung von Spitzenlasten, nicht aber Raumwärme oder industrielle Prozesse mit niedrigeren Temperaturanforderungen.
2021 wurden 0,14 TWh Biomethan ins Gasnetz eingespeist. Laut Schätzungen der Energieagentur könnten durch Förderungen und zusätzliche Unterstützungsprogramme bis 2030 zusätzlich rund 9 TWh Biomethan realisiert werden. Aktuell werden zudem rund 2 TWh Biogas für die Produktion von Strom eingesetzt. Anstatt der Verstromung könnte ein Teil des Biogases auf Methan-Qualität aufbereitet und in das Gasnetz eingespeist werden.
Um 4 TWh grünen Wasserstoff in Österreich zu produzieren, der den aktuellen Bedarf von auf Basis von Erdgas hergestellten grauen Wasserstoffs ersetzen würde, müsste 1 GW Elektrolysekapazität aufgebaut werden. Dazu sind rund 5-6 TWh erneuerbare Stromerzeugungskapazitäten notwendig, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mit dem EAG-Ausbauziel von 27 TWh abdeckbar sind. Die Ausschöpfung zusätzlicher Potenziale von Strom aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft ist dafür notwendig.
Ohne Importe wird es auch zukünftig nicht gehen: Aktuell bezieht Österreich rund 16 TWh aus anderen Ländern Europas, vorrangig Norwegen. Diese Mengen sollen gesteigert und um neue Importrouten ergänzt werden. Damit wären ca. 6 TWh zusätzlicher Import möglich. Da Österreich über keine Flüssiggas (LNG)-Terminals verfügt, sind strategische Partnerschaften mit Küstenländern wie Italien wichtig. Auch zusätzliche Biogasimporte sollten ausgelotet werden, beispielsweise aus der Ukraine. Die Energieagentur geht von einem zusätzlichen 14 TWh Importpotenzial von grünem Wasserstoff als Erdgas-Substitut in der Industrie aus. Dabei ist allerdings der Umbau der Gastransportinfrastruktur zu beachten.