Die Fernwärme stellt eine Form der Wärmeversorgung dar, die sich durch ihren netzartigen Aufbau und die zentrale Erzeugungsquelle vor allem für Städte gut eignet. In Wien bietet sie zu noch sehr häufig vorkommenden Gasheizungen eine Alternative, die auch klimaneutral betrieben werden kann. Damit braucht es für die Klimaneutralität einerseits einen massiven Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes und andererseits auch dessen Dekarbonisierung.

Fernwärme ist eine Wärmeversorgung, bei der von unterschiedlichen Produktionsquellen Wärme über ein Netz an mehrere Gebäude transportiert wird. Diese Wärmelieferung an das Gebäude wird in der Regel mit Wärmezählern gemessen. Die Art der Wärmeerzeugung kann variieren und wir meist auch kombiniert. Die Wiener Fernwärme stammt zum Teil aus hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die mit Erdgas betrieben werden. Aber auch klimafreundlichere Heizmethoden wie Wärmepumpen, die Verwendung industrieller Abwärme, die Müllverbrennung, Biomasse oder zukünftig Geothermie versorgen das Wiener Fernwärmenetz. Nach der Übergabe der Wärme aus dem Fernwärmenetz wird diese im Gebäude an die einzelnen Wohnungen verteilt und entsprechend dem Verbrauch auch die Arbeitskosten aufgeteilt – das übernimmt je nach Vertrag entweder der Gebäudeeigentümer oder das Fernwärmeunternehmen. Dabei wird der Verbrauch an Wärme je Wohnung erfasst – entweder mit Heizkostenverteilern oder mit Kleinwärmezählern. Bei der Warmwasserbereitung im Gebäude unterscheidet man zwischen einer zentralen und einer dezentralen Form. Bei der zentralen Warmwasserbereitung gibt es zusätzlich im Keller des Gebäudes eine zentrale Warmwasserstation und das erwärmte Wasser wird in jede Wohnung und zu jedem Zapfhahn geleitet und je Wohnung mit einem Warmwasserzähler gemessen. Die dezentrale Warmwasserbereitung findet in der Wohnung in einem kleinen Warmwassergerät statt. Egal ob zentral oder dezentral - es ist natürlich immer gewährleistet, dass Trinkwasser das erwärmt wird nie in Berührung mit Heizungswasser kommt. Nachdem die Kund*innen mit Wärme versorgt wurden, wird das abgekühlte Wasser über den Wärmerücklauf zur Erzeugungsquelle zurückgeleitet.
Bis 2040 soll die Wärmeversorgung Wiens klimaneutral und komplett erdgas-frei sein. Die Dekarbonisierung der Fernwärme wird hier eine entscheidende Rolle spielen. Wie genau dieser Wandel vonstatten gehen soll, haben wir uns im Rahmen unserer Dekarbonisierungsstudie angesehen: Künftig werden die Geothermie und Großwärmepumpen mehr als die Hälfte der Fernwärme produzieren. Der Anteil an Heizkraftwerken wird massiv zurückgehen. Während die Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen heute rund 52% der Fernwärme-Produktion ausmachen, wird ihr Anteil 2040 nur mehr bei 13% liegen. Ab den 2030er Jahren werden diese zunehmend mit Grünem Gas betrieben und erreichen so bis 2040 Null-Emissionen. Der übrige Teil der Fernwärmeversorgung wird im Wesentlichen durch die thermische Abfallverwertung und die Abwärmenutzung aus der Industrie abgedeckt werden. Um dies zu erreichen, braucht es umfangreiche Investitionen und zielgerichtete politische und regulatorische Rahmenbedingungen, wie beispielsweise eine ausreichende und gesicherte Dotierung der Betrieblichen Umweltförderung im Inland (UFI) für den Fernwärmeausbau. Ebenso bedarf es die richtigen rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz erneuerbarer Fernwärme aus Geothermie.