Die Studie von PwC analysiert den Status quo und die Fortschritte der Kreislaufwirtschaft in Österreich. Sie analysiert Maßnahmen zur Steigerung der Zirkularität und betont die notwendigen gesellschaftlichen Anstrengungen sowie internationaler Aspekte für den Übergang zu einer zirkulären Wirtschaft.
© Adobe StockDie Zirkularitätsrate misst den Anteil des wiederverwendeten Materials am gesamten Materialeinsatz und liegt in Österreich mit 12,8% etwas über dem EU-Durchschnitt von 11,4 %. Um die angestrebten Ziele der Kreislaufwirtschaftsstrategie zu erreichen, ist bis 2030 ein Anstieg auf 18 % erforderlich. Der EU-Circular Economy Action Plan zielt auf Klimaneutralität bis 2050 ab und stellt den regulatorischen Rahmen für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft dar. Trotz Österreichs Einsatz für die Kreislaufwirtschaft zeigt die österreichische Materialflussanalyse, dass die Mehrheit der verwendeten Ressourcen weiterhin aus der Entnahme natürlicher Ressourcen wie Sand, Kalkstein und dem Import von Primärquellen wie von fossilen Energieträgern, Biomasse und Metallen stammt. Etwa 9,5 % des im Inland verarbeiteten Materials (rund 24 Millionen Tonnen) stammen daher aus Recycling. Bei der Verwendung des verarbeiteten Materials spielt der Export eine bedeutende Rolle: Knapp 67 Millionen Tonnen an Material inklusive Waren wurden exportiert. Eine langfristige Bindung von Materialien in Infrastrukturen wie Gebäuden verzögert die Rückführung von Rohstoffen in den Kreislauf und verdeutlicht den Handlungsbedarf.
Obwohl die Zirkularitätsrate noch zu niedrig ist, stellt die Kreislaufwirtschaft auch heute schon einen bedeutenden Sektor dar: Im Jahr 2021 erwirtschafteten Unternehmen der Kreislaufwirtschaft etwa 15,6 Milliarden Euro Umsatz und leisteten einen Beitrag von 4,1 Milliarden Euro zur Bruttowertschöpfung. Rund 13.000 Unternehmen beschäftigten in diesem Bereich insgesamt 48.605 Personen in Vollzeitäquivalenten. Der Sektor „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ ragt heraus, da er sowohl die meisten Arbeitsplätze bietet, als auch den höchsten Umsatz generiert. Neben den direkten Effekten erzielt die Kreislaufwirtschaft auch beträchtliche indirekte und induzierte ökonomische Wirkungen, etwa durch unmittelbare Lieferketten der Unternehmen oder lokalen Konsum, wodurch der ökonomische Gesamteffekt auf die Bruttowertschöpfung auf etwa 14 Milliarden Euro steigt.
Zur Umsetzung des Circular Economy Action Plans verabschiedete der Ministerrat im Dezember 2022 die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie. Die Hauptziele sind:
Für die Studie wurden Interviews mit Vertreter*innen aus acht Schlüsselindustrien durchgeführt, darunter Batterien und Fahrzeuge, Bau und Gebäude, Elektronik, Informations- und Kommunikationstechnik, Kunststoffe, Lebensmittel, Wasser und Nährstoffe, Textilien, Verpackungen und Abfallwirtschaft. Diese Sektoren verdeutlichen sowohl die Herausforderungen als auch das Potenzial der Kreislaufwirtschaft in Österreich.
Viele Unternehmen betonen, dass Investitionen in neue Technologien notwendig sind, um die Kreislauffähigkeit zu steigern. Besonders bedeutsam sind die Entwicklung und Einführung moderner Recyclingtechnologien und digitaler Lösungen, wie etwa digitaler Produktpässe zur Rückverfolgbarkeit von Materialien. Solche Technologien könnten den Weg zu einem nachhaltigeren und transparenteren Materialfluss ebnen. Gleichzeitig besteht in allen Industrien ein hoher Bedarf an finanziellen Anreizen und Förderungen, um die hohen Kosten der Kreislaufwirtschaft zu decken.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen werden von Branchenvertreter*innen als essenzieller Treiber für die Kreislaufwirtschaft anerkannt, jedoch wird eine Harmonisierung auf europäischer Ebene gefordert. Um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden und Anreize zu schaffen, sollten die Regelungen schrittweise und praxisnah umgesetzt werden. Insbesondere im Verpackungs- und Elektroniksektor wird eine Harmonisierung als dringend notwendig erachtet, um die Recyclingfähigkeit und nachhaltige Produktion zu fördern.
Auch ein Umdenken in der Bevölkerung ist für die erfolgreiche Umsetzung der Kreislaufwirtschaft erforderlich. Branchenvertreter*innen plädieren für stärkere Bildungs- und Aufklärungsinitiativen, um das Bewusstsein für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise zu fördern. Die Akzeptanz der Bürger*innen ist entscheidend, um Abfallvermeidung und Recycling im Alltag zu verankern. Viele Unternehmen haben bereits interne Kreislaufprozesse etabliert, die der effizienten Nutzung von Ressourcen und dem Abfallmanagement dienen.
Die Studie schlägt vor, die Kreislaufwirtschaft in Österreich durch gezielte Anreize, Innovationen und verstärkte sektorübergreifende Kooperationen weiter auszubauen. Es wurde eine Reihe von Handlungsempfehlungen in Bereiche wie Markt, Regulatorik, Forschung und Monitoring gegliedert erarbeitet. Zu den Empfehlungen gehören die Förderung digitaler Werkzeuge zur Rückverfolgbarkeit von Materialien, sowie Investitionen in Forschung und Entwicklung zur Verbesserung von Recyclingtechnologien und kreislauffähigen Produkten. Eine langfristige Verankerung der Kreislaufwirtschaft erfordert zudem eine klare rechtliche Struktur und eine verstärkte Aufklärung, um breite gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen. Die Harmonisierung von EU-Standards und die Förderung nachhaltiger Produktionsweisen sind dabei Schlüssel für eine erfolgreiche zirkuläre Transformation.
Insgesamt zeigt die Studie, dass Österreich bereits wichtige Fortschritte erzielt hat. Doch um das Ziel einer ökologisch und wirtschaftlich tragfähigen Kreislaufwirtschaft zu erreichen, sind weitere gemeinschaftliche Anstrengungen und ein verstärktes Engagement auf allen gesellschaftlichen Ebenen erforderlich.