Eine neue E-Mobilitätsstudie zeigt: Um Wiens Klimaziel 2040 zu erreichen, muss der Straßenverkehr rasch elektrifiziert werden. Dafür braucht es nicht nur mehr E-Fahrzeuge, sondern auch Strom – in wachsender Menge und zur richtigen Zeit. Die Stadt plant vorausschauend und setzt auf gezielten Infrastrukturausbau.
© Ian EhmDie Stadt Wien will bis 2040 klimaneutral werden – ein Ziel, das nur mit einer drastischen Reduktion der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor erreichbar ist. Der Mobilitätsbereich verursacht heute rund 43 % der leitzielrelevanten Emissionen, ein Drittel davon allein durch Pkw.
Wesentlich sind daher drei Maßnahmen:
Die im Mai 2023 gestartete E-Mobilitätsstrategie der Stadt setzt hier an – mit einem Fokus auf batterieelektrische Fahrzeuge, ergänzt durch Wasserstoff dort, wo es sinnvoll ist.
Zwei Entwicklungspfade wurden modelliert:
Beide Szenarien zeigen: Um bis 2040 klimaneutral zu sein, muss der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen schnell und kontinuierlich steigen.
So lag der Anteil batterieelektrischer Pkw Ende 2024 bei 4,9 % (36.002 Fahrzeuge) – nach einem Zuwachs von über 8.000 innerhalb eines Jahres. Auch im Nutzfahrzeugbereich sind erste Schritte erkennbar: 6,4 % der Busse und leichten Nutzfahrzeuge fahren bereits elektrisch.
Im Taxiverkehr und bei städtischen Fuhrparks greift Wien aktiv steuernd ein – etwa durch verpflichtende E-Taxi-Konzessionen ab 2025.
Die notwendige Ladeinfrastruktur wird entlang realer Nutzungsmuster geplant – vom privaten Heimladen bis zum Schnellladen im Stadtgebiet.
Bis 2030 ergibt sich laut Studie ein Ladepunktbedarf von 70.500 (Verkehrswende) bis 100.500 (Antriebswende).
Dabei gilt: Je mehr im privaten Umfeld geladen werden kann, desto weniger öffentliche Ladepunkte sind erforderlich – die Szenarien ergänzen sich gegenseitig. Im öffentlichen Raum existieren Ende 2025 bereits über 1.000 Ladepunkte, weitere 175 waren bereits für das erste Halbjahr 2025 geplant. Zusätzlich stehen knapp 2.200 halböffentliche Ladepunkte etwa bei Supermärkten zur Verfügung.
Schnelllade-Hubs mit 150 kW Ladeleistung werden gezielt an hochfrequentierten Orten wie Gürtel oder Verteilerkreis errichtet – 2025 folgen vier weitere Standorte.
Mit dem Hochlauf der E-Mobilität steigt der Strombedarf deutlich an. Im Jahr 2030 werden alleine zwischen 620 und 900 GWh jährlich für den Verkehr im privaten Raum benötigt. Im öffentlich zugänglichen Raum wird von 339 bis 447 MW installierter Leistung ausgegangen.
Bis 2040 steigt der Energiebedarf für die vollständige Dekarbonisierung des straßengebundenen Verkehrssektors auf 1.775 bis 2.802 GWh.
Diese Energiemengen müssen netzverträglich bereitgestellt werden. Das gelingt nur durch:
Mit dem Hochlauf der E-Mobilität steigt der Strombedarf deutlich an. Im Jahr 2030 werden alleine zwischen 620 und 900 GWh jährlich für den Verkehr im privaten Raum benötigt. Wien übernimmt in der Mobilitätswende eine aktive Rolle. Mit regulatorischen Maßnahmen (z. B. verpflichtende Ladepunkte in Garagen bis 2030), gezielten Investitionen in Ladeinfrastruktur und klaren Vorgaben für städtische Flotten wird die Elektrifizierung gesteuert.
Die Ladebedarfe werden anhand sogenannter Lade-Use-Cases ermittelt, die verschiedene Alltagssituationen wie Wohnen, Arbeiten oder Zwischenladen berücksichtigen.
Parallel werden Fuhrparks – von Taxis bis zu Kommunalfahrzeugen – konsequent auf E-Antriebe umgestellt. Damit zeigt Wien, wie strategische Steuerung, Planungssicherheit und Technologieklarheit erfolgreich ineinandergreifen können.
Die Studie zeigt: Der Weg zur Klimaneutralität führt über eine konsequente Antriebswende – aber nur dann, wenn Stromverfügbarkeit, Ladeinfrastruktur und Fahrzeughochlauf synchronisiert geplant und umgesetzt werden.
Wien hat mit dem E-Mobilitätsprogramm und klaren Szenarien ein Fundament gelegt. Jetzt kommt es darauf an, Tempo und Koordination hochzuhalten – damit Mobilität leistbar, verlässlich und klimaverträglich bleibt.