PWC Studie: Geothermie durch unklare Gesetzeslage ausgebremst

PWC hat sich die Marktsituation bei der Geothermie in Europa und Österreich angesehen und eine wachsende Branche entdeckt, die große Potentiale hat. Doch regulatorische Unsicherheit und Kosten bremsen sie hierzulande aus.

Tiefengeothermieanlage in Aspern mit Bohrturm© Wien Energie

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Ende 2023 veröffentliche Studie von PWC hat sich im Detail mit dem Status-Quo und Potenzial der Geothermie in Österreich und Europa auseinandergesetzt und Handlungsbedarf identifiziert
  • Europaweit ist sowohl die oberflächennahe als auch die tiefe Geothermie bereits eine etablierte Technologie, welche sich im Aufschwung befindet. Auch in Österreich ist das Potenzial gewaltig, aber vergleichsweise unterentwickelt
  • Größtes Hindernis für den Ausbau der Geothermie in Österreich ist laut Studie regulative Unsicherheit, gefolgt von hohen Investitionskosten und Fündigkeitsrisiko. Auch die Förderlandschaft ist unzureichend.

Steigendes Interesse an Geothermie

Trotz erheblicher Potenziale spielte Geothermie in der öffentlichen Wahrnehmung lange eine eher untergeordnete Rolle und wurde in Diskussionen um die Energiewende häufig übergangen. Die Energiekrise der letzten Jahre hat allerdings das Interesse von Öffentlichkeit, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft deutlich gesteigert. In diesem Kontext hat PWC Österreich in Zusammenarbeit mit dem auf geologische Exploration spezialisierte Consultingunternehmen NiMBUC Geosciences eine umfangreiche Studie erstellt, welche für sämtliche Formen der Geothermie die aktuelle Situation in Österreich und Europa erhoben hat, und Herausforderungen für die weitere Entfaltung der Potenziale aufzeigt.

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Geothermie ist vielseitig und nimmt europaweit Fahrt auf

Die Studie skizziert die Marktentwicklungen bei verschiedenen Formen der Geothermie in Europa sowie in Österreich. In vielen Ländern ist das Wachstum signifikant: Island, Italien, Türkei, Frankreich und die Niederlande nehmen bei der geothermischen Wärmeerzeugung eine Vorreiterrolle ein, bei der installierten Gesamtkapazität sind Deutschland und Schweden Spitzenreiter. Auch bei der Fernwärme ist die Entwicklung rasant: Derzeit befinden sich 364 geothermische Fernwärmeprojekte in Betrieb, bis 2030 ist von einer Verdreifachung auszugehen. Auch für zahlreiche europäische Industrie- und Gewerbebetriebe welche mit niedrigen Temperaturen arbeiten ist die Geothermie mittlerweile eine gute Alternative zum Gas, etwa in der Lebensmittelproduktion, bei Glashäusern oder in Brauereien - vor allem in Kombination mit Wärmepumpen.

Erste Schritte in Österreich, schaumgebremst

Auch in Österreich nimmt die Geothermie eine immer wichtigere Rolle bei der Energieversorgung ein, befindet sich allerdings noch auf vergleichsweise geringen Niveau. 2020 lag laut Studie der Anteil der oberflächennahen Geothermie bei nur 4% des erneuerbaren Wärmemarkts, mit einer installierten Gesamtwärmeleistung von 1.100 MWth. Die Tiefengeothermie ist noch deutlich unterentwickelt, mit einer installierten Leistung von 100 MWth, welche jährlich 300 GWhth Wärme produzieren. Insgesamt liegt hier Österreich nicht nur weit unter den geschätzten geologischen Potentialen, sondern auch noch weit entfernt von den im Nationalen Energie- und Klimaplan (NEKP) sowie der Roadmap Geothermie definierten Zielen.

Den Hauptgrund für diese Unterentwicklung der tiefen Geothermie sind laut Studie regulatorische Mängel: "Problematisch sind hierbei die rechtliche Definition und rohstoffrechtliche Klassifikation und die Regelungen hinsichtlich Exploration, Produktion, Speicherung und Vertrieb von Erdwärme. Derzeit ist die Gewinnung von tiefer Geothermie im Gegensatz zu anderen Rohstoffen in Österreich nicht eindeutig geregelt und auf mehrere Gesetze zersplittert (Bergrecht, Wasserrecht, Gewerberecht etc.)." Vor allem eigentumsrechtliche Unsicherheiten und die vielen unterschiedlichen Behörden, deren Kompetenzen ineinandergreifen schaffen ein äußerst ungünstiges Umfeld für die tiefe Geothermie. Andere Staaten, wie etwa Deutschland, sind Österreich hier deutlich voraus: Heißwasser aus der Tiefe gilt dort als bergfreier Rohstoff, welcher dem Eigentum an Grund und Boden entzogen wird, womit eigentumsrechtliche Fragen geklärt sind.

Hohe Investitionskosten, geringe Betriebskosten

Neben rechtlichen Hindernissen hat die Geothermie in Österreich, wie überall auf der Welt, mit hohen Investitionskosten zu kämpfen. Nach Errichtung sind die Betriebskosten allerdings vergleichsweise gering. Obwohl dies sowohl auf die oberflächennahe als auch die tiefe Geothermie zutrifft, sind die Investitionskosten sowie auch die Risiken bei letzterer ungleich höher. Die Studie teilt die Investitionskosten für die tiefe Geothermie in drei Kategorien ein: (1) Planung, Potenzialanalyse und Untersuchung des Untergrundes, (2) die Bohrung sowie (3) die Errichtung der Obertageanlage - wobei die Bohrung mit Abstand der größte Faktor ist. Hier können Fehler schnell zusätzliche Kosten in Millionenhöhe verursachen. Aber auch das Fündigkeitsrisiko, also das Risiko ein zuvor vermutetes Warmwasserreservoir nicht aufzufinden, muss einkalkuliert werden. Hier erproben europäische Unternehmen je nach Projektart unterschiedliche Lösungen für die Finanzierung und Risikominimierung.

Fazit: Große Potentiale und Handlungsbedarf

Die Studie von PWC kommt insgesamt zu folgendem Schluss: Obwohl hohe Investitionskosten und das Fündigkeitsrisiko auch größere Hindernisse darstellen, verhindert in Österreich vor allem der unsichere regulatorische Rahmen, dass die Geothermie ihr volles Potential entfalten kann. Auch die Förderlandschaft ist viel zu überschaubar, um nennenswerte Impulse zu setzen. Es ist also eindeutig die Politik gefragt Rahmenbedingungen zu schaffen welche Planbarkeit erhöhen und Investitionen fördern. Zusammenfassend betonen die Studienautoren: "Um das hohe Potenzial der Geothermie tatsächlich in Österreich umzusetzen, benötigt es eine einheitliche, transparente und klare Gesetzes- und Datengrundlage und mehr politische Incentivierungen, wie beispielsweise höhere Förderungen, staatliche Versicherungen oder Garantien."