Die Photovoltaik erlebt gerade einen Boom, trotzdem stehen wir erst am Anfang des Ausbaus. Um bis 2040 klimaneutral zu werden, braucht Österreich laut ÖNIP etwa 41 TWh Photovoltaik. Davon finden laut aktueller Studie 13,5 TWh auf Gebäuden Platz.
© Andres SiimonPhotovoltaik wird eine zentrale Rolle bei der Erreichung der nationalen Klima- und Energieziele im Strombereich einnehmen. Umso erfreulicher ist, dass der Ausbau in den letzten Jahren aufgrund von sinkenden Kosten, attraktiven Förderungen sowie dem Wunsch nach Eigenversorgung im Zuge der Energiekrise, zu einem regelrechten PV-Boom geführt hat. 2023 alleine nahm die installierte Leistung in Österreich um 59% zu, während sich der jährliche Zubau mehr als verdoppelt hat. So erfreulich diese Entwicklung ist, liegt noch ein weiter Weg vor uns: Unsere klimapolitischen Zielsetzungen erfordern bis 2030 einen PV-Ausbau von ca. 11 TWh, welcher allerdings bis 2040 laut integriertem österreichischen Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) auf ca. 41 TWh heranwachsen muss, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Dementsprechend intensiv wird über den Flächenverbrauch von Photovoltaik diskutiert: Wohin mit diesen Anlagen? Um eine Daten- und Diskussionsbasis für das österreichische PV-Potential zu schaffen, hat Oesterreichs Energie nun eine umfangreiche Studie fertiggestellt. Diese zielte darauf ab geeignete Flächenpotentiale auf Gebäuden und anderen Infrastrukturen zu ermitteln, welche sich unter aktuellen Rahmenbedingungen realistisch umsetzen lassen.
Untersucht wurde das Potential für PV-Anlagen auf Ein- und Zweifamilienhäuser, Wohn- und Bürogebäuden sowie auf Hallen und Fassadenflächen bis 2040. Die Studie kam zum Ergebnis, dass zusätzlich zu den bestehenden Anlagen noch rund 10,7 Terawattstunden (TWh) auf Gebäuden errichtet werden können, zusätzliche 2,8 TWh lassen sich laut Studie zudem auf Verkehrsflächen, Deponien und Wasserflächen realisieren. Diese insgesamt 13,5 TWh entsprechen allerdings nur einem Drittel des laut ÖNIP bis 2040 erforderlichen Ausbaus. Dies bedeutet, dass bis dahin - zusätzlich zu den bereits bestehenden 6,4 TWh - noch in etwa 21,1 TWh Kapazität auf der Freifläche installiert werden muss.
Die Studie betont auch, wie rasant sich die Photovoltaik alleine im letzten Jahrzehnt entwickelt hat. So haben sich Preise für Module seit 2010 teilweise um bis zu 90% reduziert, was wiederum Konsum sowie Forschung und Innovation beschleunigt hat und den Markt für neue Anwendungen und zahlreiche neue, spezialisierte Unternehmen geöffnet hat. Auch die Qualität der Produkte und der Erfahrungswerte bei Installation und Systemintegration hat deutlich zugenommen. Ein Ende dieser positiven Entwicklung ist nicht absehbar, es gilt laut Studienautoren allerdings das Momentum zu nutzen, um Potentiale für PV-Anlagen auf Verkehrsflächen oder Agrarflächen auszuschöpfen.
Laut Studienautoren gibt es zwei größere Handlungsfelder, um den aktuellen PV Boom optimal für das Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele zu nutzen. Einerseits sind vor allem die Bundesländer gefordert: Es fehlt in vielen Ländern ein klares Bekenntnis zu einem Photovoltaikausbau entsprechend der Klimaziele, des Weiteren sind Zonierungen an den Ausbaubedarf für 2040 anzupassen. Auch die EU-Vorgaben der RED III müssen umgehend umgesetzt werden. Andererseits bestehen große systemische Herausforderung dabei, den rasanten PV-Ausbau effizient ins Netz zu integrieren. Es gilt die Erzeugungsspitzen der PV zu verschieben, Anreize für netz- und systemökonomische Speicher und die Nutzung von flexiblen Lasten zu setzen oder durch neue Tarifmodelle Flexibilitäten nutzbar zu machen.