Netzauslastung und Elektroautos

Laut einer neuen Studie von EY und eurelectric wird das Stromnetz trotz des exponentiellen Wachstums von Elektrofahrzeugen stabil bleiben. Die vorausschauende Planung der Ladeinfrastruktur und die Koordinierung zwischen Behörden, Stromversorgern, Netz- und Ladestationenbetreibern werden jedoch von entscheidender Bedeutung für den Erfolg sein.

E-Auto Parkplatzmarkierung, weißes Symbol E-Auto Symbol auf grünem Hintergrund© Ralph Hutter

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis 2035 werden 130 Millionen Elektroautos auf Europas Straßen unterwegs sein.
  • Bis dahin müssten 65 Millionen Ladestationen installiert sein - 85% davon im privaten Bereich.
  • Eine vorausschauende Planung, Digitalisierung des Netzes für intelligentes Laden und die Integration von Speicherlösungen sind für diese Entwicklungen essentiell.

Elektroautos auf dem Vormarsch

Die Elektromobilität ist ein unumkehrbarer Megatrend im Straßenverkehr: 2021 hatte einer von fünf neu zugelassenen PKW in Europa einen elektrischen Antrieb. Auch wenn Elektroautos bisher nur 1% des Bestands in Europa ausmachen, wird ein Anstieg auf 65 Millionen E-Fahrzeuge bis 2030 und eine Verdopplung auf 130 Millionen bis 2035 vorhergesagt. Diese Entwicklung wird sowohl von internationalen und nationalen Zielsetzungen, als auch von Herstellern vorangetrieben, die Ausstiegsdaten für Verbrennermotoren festlegen. Für EndkonsumentInnen sollen Elektroautos in den nächsten vier bis sechs Jahren vergleichbar oder sogar günstiger als Verbrenner werden. Eine Analyse von EY und Eurelectric zeigt nun, wie das Netz auf diese Entwicklungen und die damit verbundenen Herausforderungen reagieren muss.

Kommt die Ladeinfrastruktur mit?

Während die Leistbarkeit und Reichweite von Elektroautos zu deren Erfolg beitragen, stellt der Ausbau der entsprechenden Ladeinfrastruktur den Flaschenhals beim Durchbruch der Elektromobilität dar. Aktuell gibt es etwa 374.000 öffentliche Ladestellen in Europa - bei 130 Millionen Elektroautos werden allerdings laut Studie mindestens 65 Millionen Ladestellen benötigt, neun Millionen davon öffentlich und 56 Millionen im privaten Bereich. Aktuell weist der Ladestellenausbau noch Lücken auf. Während in den Niederlanden, Frankreich, Italien, Deutschland und Großbritannien zwei Drittel der Ladestellen stehen, gibt es noch immer zehn Staaten, die keine Ladestelle vorweisen können. Österreich belegt bei der Anzahl der Ladestationen den fünften Platz im EU-Vergleich.

Dass der Ausbau vorangeht, aber nicht schnell genug, liegt laut Studie an drei Problemen: Genehmigungen für Ladestellenbetreiber werden zu langsam bearbeitet, der Anschluss an das Netz ist lückenhaft und fehlende einheitliche Standards. Die Raumplanung muss hier mit Verteilnetzbetreibern zusammenarbeiten und dabei Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Parkmöglichkeiten, Pendelstrecken und soziale und wirtschaftliche Umstände berücksichtigen.

Der positive Einfluss von Laden auf das Netz

Laut Prognosen von eurelectric wird der Strombedarf in Europa bis 2030 jährlich um 1,8% auf 3.530 TWh ansteigen - nicht zuletzt durch die Elektrifizierung des Straßenverkehrs, der bis 2030 einen Zusatzbedarf von 200 TWh aufweist. Was hat das für Auswirkungen auf das Stromnetz? Unkontrolliertes Laden birgt zahlreiche Herausforderungen, aber intelligentes Lademanagement kann diese in Vorteile verwandeln. Es sorgt dafür, dass sich der verfügbare Strom optimal auf alle ladenden Elektroautos verteilt und Lastspitzen vermieden werden. Die positiven Effekte smarter Ladesysteme konnten auch in verschiedenen Praxisprojekten eindrucksvoll bewiesen werden.

Digitalisierung als Erfolgsfaktor

Die StudienautorInnen sehen folgende Faktoren als essentiell für den erfolgreichen Ausbau der Ladeinfrastruktur in Europa:

  • Die Digitalisierung des Netzes, um das Kundenverhalten, die Auswirkungen auf das Netz und den Netzbedarf zu verstehen, vorherzusehen und zu optimieren
  • Die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für das Installieren von Ladeinfrastruktur
  • Die Installation von intelligenten Ladestationen, um die Belastung für das Stromnetz und damit die notwendigen Investitionen in den Netzausbau so gering wie möglich zu halten
  • Die Integration von Energiespeicherlösungen in die Ladeinfrastruktur für Situationen, in denen ein erhöhter Bedarf an schnellen und leistungsstarken Ladevorgängen besteht.

Link zur Studie