Als Grundlage zur Weiterentwicklung der EU-Klärschlammverordnung wurde von der EU-Kommission eine Studie zur Risikoanalyse von Klärschlammmanagement veröffentlicht. Die Studie beleuchtet den Einfluss von Klärschlammausbringung, -aufbereitung und -verbrennung auf Mensch und Natur.
© Jean-Luc FlémalIm Zuge der Abwasseraufbereitung entstehen Residuen, sogenannte Klärschlämme. Diese Schlämme enthalten neben Wasser auch unterschiedlichste Stoffe. Laut der Studie konnten über 1350 verschiedene chemische Stoffe in Klärschlämmen identifiziert werden. Einige dieser Stoffe können die Organismen im menschlichen Körper (über die Nahrungsaufnahme) aber auch in der Natur negativ beeinflussen. Dazu zählen z.B. Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Chlorparaffine (z.B. Weichmacher) oder aber Arzneistoffe oder andere industrielle Stoffe.
Die Studie zeigt, dass aber nur wenige Stoffe in solchen Mengen vorkommen, dass sie auch tatsächlich Schäden in Böden oder bei Menschen verursachen können, wenn sie z.B. auf Agrarflächen ausgebracht werden. Trocknung, anaerobe Vergärung oder Kompostierung können eine Schadstoffreduzierung jedoch nicht gewährleisten. Eine vollständige Entfernung dieser Stoffe ist nur durch eine Hochtemperatur-Verbrennung möglich.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Aufbringung von unbehandelten und behandelten Klärschlämmen auf Agrarflächen unter bestimmten Voraussetzungen Emissionen reduziert, da der Einsatz und die Produktion von Mineraldüngern reduziert wird und verstärkt CO2 in den Böden aufgenommen werden kann. Aufgrund der vielen verschiedenen Technologien zur Klärschlammverarbeitung und der unterschiedlichen geografischen Kontexte kann kein EU-weites „Ranking“ der Prozesse erstellt werden. (Mit-)Verbrennungsprozesse von Klärschlämmen (und eine evtl. Nutzung von Klärschlammaschen) können grundsätzlich klimaneutral sein, die tatsächliche Klimabilanz ist aber stark technologieabhängig. Die klar schlechteste Klimabilanz hat aufgrund der starken Methanemissionen die Deponierung von Klärschlämmen.
Die Klärschlammverarbeitung und -nutzung trägt rund eine Millionen Tonnen CO2e pro Jahr zusätzlich zur EU-Klimabilanz bei. Durch eine Optimierung des Klärschlammmanagements, also der verwendeten Pfade der Verarbeitung, könnten laut Studie Negativemissionen in Höhe von zwei Millionen Tonnen CO2e pro Jahr erreicht werden. Damit könnte die Klärschlammverarbeitung nur einen marginalen Teil der Emissionen ausgleichen, die durch die Abwasseraufbereitung in der EU entstehen. Diese verursacht pro Jahr ca. 25-30 Millionen Tonnen CO2e.
Ein zusätzlicher Nutzen könnte die Gewinnung von Rohstoffen aus Klärschlämmen sein. In Österreich gilt mit 2030 eine Verpflichtung für größere Abwasserreinigungsanlagen, Klärschlämme zu verbrennen, um daraus Phosphor rückzugewinnen. Klärschlämme enthalten signifikante Mengen an Phosphor. So könnten 12% des EU-weiten Phosphor-Bedarfs als Düngemittel durch, den im Klärschlamm enthaltenen, Phosphor abgedeckt werden. Durch die derzeitige Verwendung landet aber nur ca. die Hälfte davon auch tatsächlich als Dünger auf Agrarflächen.
Grundsätzlich unterstreicht die Studie die derzeit gültige Abfallhierarchie der EU. Dort wird Recycling (z.B. Phosphorgewinnung) über der anderweitigen Nutzung (z.B. Klärschlamme direkt als Bodendünger) und der Deponierung positioniert. Dennoch zeigt die Studie auf, dass ein optimiertes Klärschlammmanagement von lokalen Verhältnissen wie z.B. der technologischen Verfügbarkeit oder dem Nährstoffbedarfen in den Böden abhängig ist. Dadurch kann ein Mix aus etablierten und neuen Verfahren das optimale Klärschlammmanagement bringen.
Der Trend geht aber bereits in vielen Ländern stark in Richtung des Recyclings. Insbesondere im Bereich des Phosphors gibt es vielerorts bereits sehr konkrete Legislatur. So haben z.B. Deutschland, Österreich und die Schweiz eine verpflichtende Phosphorrückgewinnung in ihrer Abfallgesetzgebung aufgenommen. Auch in anderen Ländern gibt es Bestrebungen in diese Richtung.