Eine aktuelle Vergleichsstudie zeigt: Österreich liegt bei den Industriestrompreisen im europäischen Mittelfeld – jedoch deutlich über dem Niveau von USA und China. Angesichts der zunehmenden Elektrifizierung werden konkrete Maßnahmen zur Entlastung analysiert.
© Nikola Johnny MirkovicIm Zuge dieser Studie analysierte Prognos die internationalen Industriestrompreise. Im Fokus stehen 11 Vergleichsländer – darunter neun EU-Mitgliedstaaten sowie die USA und China. Betrachtet werden sowohl Strompreisbestandteile (Beschaffung, Netzentgelte, Abgaben) als auch deren Belastungswirkung auf industrielle Endverbraucher. Ziel ist eine datenbasierte Einordnung des österreichischen Preisniveaus im internationalen Kontext – und die Ableitung von Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit stromintensiver Branchen gezielt zu sichern. Industriestrompreise ergeben sich aus drei zentralen Bestandteilen: den reinen Beschaffungskosten am Großhandelsmarkt, den Netzentgelten sowie Steuern und Abgaben. In Österreich lag der durchschnittliche Preis für industrielle Verbraucher 2024 bei rund 14,8 Cent pro Kilowattstunde – leicht über dem EU-Durchschnitt und deutlich über den Werten in den USA und China.
Die Dynamik der letzten Jahre verdeutlicht ein strukturelles Problem: Während die Strompreise in Europa ab 2021 sprunghaft anstiegen, blieben sie in den USA und China weitgehend stabil. Auslöser dieses Preisanstiegs in Europa war insbesondere die starke Preisbindung an fossiles Importgas, das aufgrund der geopolitischen Lage plötzlich knapp und teuer wurde. In vielen europäischen Ländern – auch in Österreich – wirken Gaskraftwerke häufig als preissetzende Kraftwerke am Großhandelsmarkt. Die Tatsache, dass Europa für einen relevanten Teil seiner Stromerzeugung auf importiertes Erdgas angewiesen ist, das in geopolitischen Krisenzeiten erhebliche Preisrisiken birgt, stellt hier einen großen kostentreibenden Faktor dar. In Ländern wie den USA, mit hoher Eigenförderung, oder China, mit zentral regulierten Preisen, schlugen diese Effekte deutlich weniger durch. Dadurch entstehen Wettbewerbsverzerrungen, die für standortgebundene Industrieunternehmen in Europa zunehmend problematisch werden.

Innerhalb Europas zeigen sich erhebliche Unterschiede im Preisgefüge. Besonders niedrige Strompreise weisen Norwegen, Schweden und Finnland auf – Länder, in denen der Strom nahezu vollständig aus Wasserkraft, Wind und Kernenergie stammt. Die Abhängigkeit von Gas ist dort marginal, was sich auch in der Preisstabilität niederschlägt. Am oberen Ende des Spektrums steht das Vereinigte Königreich. Dort ist der Anteil von Gaskraftwerken an der Stromerzeugung besonders hoch. Da diese Kraftwerke oft den Börsenpreis bestimmen, führen steigende Brennstoffkosten unmittelbar zu höheren Großhandelspreisen. Auch Frankreich profitiert von einem Sondermechanismus: Ein Teil des Stroms aus der Kernkraft wird dort Industriekunden zu fixierten Konditionen bereitgestellt – ein industriepolitisches Instrument, das die Preissensitivität reduziert. In Österreich hingegen gibt es bislang kein vergleichbares Modell.
Derzeit machen Stromkosten in vielen Branchen noch einen vergleichsweisen geringen Anteil an den Gesamtkosten aus. Die Stromkostenanteile am Umsatz liegen in der österreichischen Industrie im Mittel unter einem Prozent. Der Stromkostenanteil lag deutlich darunter. Doch diese Relationen verändern sich.
In Branchen mit hohem Strombedarf – wie der chemischen Industrie oder der mineralischen Grundstoffverarbeitung – kann der Anteil der Stromkosten bereits heute bis zu 18 Prozent betragen. Mit der zunehmenden Elektrifizierung industrieller Prozesse – etwa durch elektrische Prozesswärme oder der Verwendung von grünem Wasserstoff – wird Strom zum zentralen Energieträger. Je stärker Industriezweige mittels Elektrifizierung dekarbonisieren, desto entscheidender wird für sie ein zuverlässiges und wettbewerbsfähiges Strompreisniveau.
Die Studie beleuchtet mehrere politische und regulatorische Optionen, um die Strompreiskosten für die Industrie gezielt zu stabilisieren:
Im Ergebnis hebt die Studie insbesondere die Wiedereinführung der Strompreiskompensation als wirksamste Maßnahme hervor, um stromkostenintensive Unternehmen zielgerichtet und nachhaltig zu entlasten.
Die Analyse zeigt: Österreich liegt beim Industriestrompreis im europäischen Mittelfeld, steht jedoch in einem globalen Wettbewerb mit Staaten, deren Strompreise nicht so stark gestiegen sind. Während Länder wie die USA von umfangreicher Eigenversorgung profitieren und China über staatlich regulierte Preisstrukturen verfügt, ist Europa – und damit auch Österreich – stärker durch internationale Energiemärkte geprägt.
Zukünftig wird Strom eine noch zentralere Rolle für industrielle Prozesse und Investitionsentscheidungen einnehmen. Vor allem in Branchen mit hohem Strombedarf wächst damit die Bedeutung eines verlässlichen und wettbewerbsfähigen Preisniveaus.
Entscheidend ist, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Industrieunternehmen in der Elektrifizierung nicht bremsen, sondern begleiten – planbar, rechtssicher und mit Blick auf den internationalen Kontext. So kann Österreich den Weg zu einem klimaneutralen Wirtschaftsstandort auch energiepolitisch erfolgreich absichern.