Grüne H2-Importe in die EU

Eine aktuelle Studie des World Energy Council zeigt den Import-Bedarf von grünem Wasserstoff auf, der bis 2050 in der EU anfallen wird. Off-Shore-Windkraft und Photovoltaik bieten Potenziale für die heimische Produktion, knapp die Hälfte wird aber aus Nachbarländern importiert werden müssen.

Wasserstoff H2 Molekül auf blauem Hintergrund© Adobe Stock

Das Wichtigste in Kürze

  • Wasserstoff hat das Potenzial, nach Strom der zweitwichtigste Bestandteil unseres dekarbonisierten Energiesystems zu werden.
  • Der World Energy Council (WEC) schätzt, dass die EU in etwa die Hälfte des bis 2050 benötigten Wasserstoffs (60 Millionen Tonnen) importieren wird müssen.
  • In Österreich wird langfristig etwa 70% des benötigten Wasserstoffs aus Importen stammen müssen.

EU-Eigenproduktion deckt Bedarf nicht

Wasserstoff spielt bei der Erreichung von Klimaneutralität in Europa eine wesentliche Rolle. Während in vielen Sektoren durch den Umbau und Wandel des Stromsystems hin zu erneuerbaren Energiequellen Emissionen eingespart werden können, müssen für andere Sektoren andere Lösungen her. Industrielle Prozesse und der Schwertransport, die aktuell nicht elektrifiziert werden können, sind ohne Wasserstoff bzw. Wasserstoff-Derivative schwer oder gar nicht zu dekarbonisieren. Obwohl die EU künftig die Eigenproduktion von H2 forcieren möchte, wird der Bedarf die Produktion übersteigen. Somit ist die EU zur Erreichung der Klimaneutralität 2050 auf den Import von Wasserstoff angewiesen.

Aktuell verbraucht die EU ca. 10 Millionen Tonnen Wasserstoff (ca. 340 TWh), was etwa 11% der weltweiten Nachfrage entspricht. Der Großteil davon ist "grauer" Wasserstoff, der aus fossilen Energien, hauptsächlich der Dampfreformation von Erdgas, gewonnen wird. Künftig möchte die EU auf "grün" setzen: Laut der EU-Wasserstoffstrategie ist bis 2030 die Installation von Elektrolyseuren mit einer Produktionskapazität von 40 GW erneuerbaren Wasserstoff vorgesehen. Bis 2050 sollen 500 GW Elektrolyse-Leistung errichtet sein.

Auch in vielen nationalen Wasserstoffstrategien finden sich Ausbaupläne, die entweder die lokale Wasserstoffproduktion für die Industrie vorsehen oder die Beimischung von Wasserstoff in das Gasnetz. Aufgrund der geringeren Energiedichte von Wasserstoff im Vergleich zu Erdgas könnte allerdings nur eine geringere Energiemenge transportiert werden. Ein eigenes Netz für den Transport von purem Wasserstoff könnte notwendig werden.

Der World Energy Council geht von einem gesamten Bedarf von 60 Millionen Tonnen (entspricht 2.000 TWh) Wasserstoff und seinen Derivaten in der EU bis 2050 aus. Geschätzt wird, dass bis 2030 etwa 20% des vorhergesehenen Bedarfs in der EU produziert werden könnte und knapp unter 50% des Bedarfs in 2050. Daher wird der Aufbau von strategischen Beziehungen mit wichtigen Exportpartnern sehr bedeutend für die EU werden.

Wirtschaftliche Produktion vorrangig

Die Wirtschaftlichkeit und Finanzierung der Infrastruktur wird eine Schlüsselrolle für Wasserstoffimporte und den Aufbau eines kostengünstigen Wasserstoffmarktes spielen. Die zeitgerechte Entwicklung von Pipelines, Speichern und Möglichkeiten für den Seehandel ist von entscheidender Bedeutung, um Wasserstoff aus billigen Produktionsgebieten zu Verbrauchsorten zu bringen. Vorerst könnten mehrere Nachbarn der EU mit großen Gasreserven (wie Russland, Norwegen, Algerien) durch Dampfreformierung mit CCUS (CO₂-Abscheidung und -Speicherung) dekarbonisierten Wasserstoff zu deutlich niedrigen Preisen produzieren. Langfristig verfügen nordafrikanische Länder über ausgezeichnete erneuerbare Ressourcen für die grüne Wasserstoffproduktion.

Innerhalb der EU müssen Ausbauziele für erneuerbare Kapazitäten für die Wasserstoffproduktion (zusätzlich zu den gesetzten Zielen für die Stromerzeugung) gesetzt werden und dürfen sich nicht kannibalisieren. Aufgrund der hohen Kosten von grünem Wasserstoff werden staatliche Förderungen notwendig sein, besonders in der Anfangsphase des Markthochlaufs. Außerdem werden internationale Qualitäts- und Sicherheitsstandards mit klaren technischen Spezifikationen für Wasserstoff benötigt. Zudem müssen einheitliche Kriterien für die Klassifizierung von grünem Wasserstoff etabliert werden. Der World Energy Council schätzt die Kosten, die für Wasserstoffherstellung und Import-Infrastruktur außerhalb der EU notwendig werden, auf etwa 760 Milliarden Euro.

Österreich wird 70% des benötigten Wasserstoffs importieren müssen

Neben anderen Ländern wird in der Studie auch der Wasserstoffbedarf Österreichs genauer unter die Lupe genommen. Österreich befindet sich im Herzen der europäischen Gasinfrastruktur und könnte eine bedeutende Rolle bei der Transformation in Richtung eines Wasserstoffnetzes einnehmen. Aufgrund des hohen Wasserkraft-Anteils am Strommix könnte Österreich seine Flexibilität nutzen, um überschüssige Wind- und Sonnenenergie für die heimische Wasserstofferzeugung zu verwenden. Aktuell wird der Wasserstoffbedarf auf 140.000 Tonnen geschätzt, der vorrangig aus grauem Wasserstoff gedeckt wird. Aufgrund der schwer zu elektrifizierenden Industrie Österreichs und hohen Ambitionen bei der Dekarbonisierung wird 2050 von einem grünen Wasserstoffbedarf von 600.000 bis 1.500.000 Tonnen ausgegangen. Der Importbedarf wird auf ca. 70% geschätzt.

Der WEC trifft folgende Kernaussagen

  • Es braucht einen gesamtheitlichen Zugang zur Energieproduktion, der Wasserstoff miteinschließt.
  • Erneuerbare Energieträger werden eine wichtige Rolle bei der Produktion von dekarbonisiertem Wasserstoff spielen, jedoch könnte der Fokus auf wenige Technologien die Erreichung der Ziele verhindern.
  • Die Wirtschaftlichkeit der Infrastruktur spielt eine wichtige Rolle für Importe und die Entstehung eines Wasserstoff-Marktes. Pipelines, Schiffsverkehr und Speicherung sind essentiell, um den Wasserstoff von Produktions- zu Verbrauchszentren zu bringen.
  • Regulatorische Richtlinien spielen eine fundamentale Rolle, damit Investitionen getätigt werden.
  • Nationale und EU-Gesetzgebung müssen für Investoren Klarheit und Transparenz innerhalb und außerhalb der EU schaffen.
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