Finanzierungsansätze für Österreichs Wasserstoffstartnetz: Im Fokus stehen Modelle zur Unterstützung des Infrastrukturausbaus, es ist entscheidend die Kosten, Risiken und Umsetzbarkeit sorgfältig abzuwägen. Die Studie beleuchtet, welche Optionen vielversprechend sind und wie sie zum Hochlauf einer erneuerbaren Wasserstoffwirtschaft beitragen können.
© Adobe StockDie Wasserstoffstrategie Österreichs, veröffentlicht im Jahr 2022, legt den politischen Rahmen für die Entwicklung einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft fest. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist der Aufbau eines Wasserstoffstartnetzes, das sowohl den Import als auch die Verteilung von Wasserstoff ermöglicht. Die Umwidmung bestehender Gasleitungen bildet, wie im ÖNIP ersichtlich, das zentrale Gerüst dieser Infrastruktur. Die Studie von Prognos und FINGREEN untersucht die finanzielle Machbarkeit des Wasserstoffnetzausbaus und schlägt Lösungen vor, die den wirtschaftlichen Hochlauf erleichtern und gleichzeitig die Klimaziele unterstützen. Der Aufbau eines Wasserstoffnetzes birgt erhebliche Herausforderungen. Die hohen Anfangsinvestitionen führen dazu, dass frühe Nutzer*innen mit hohen Netzentgelten belastet werden könnten. Dies würde ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen und den Markthochlauf verzögern. Gleichzeitig tragen Netzbetreiber in der Anfangsphase ein hohes Amortisationsrisiko, da die Nachfrage erst schrittweise zunimmt. Ein weiteres Hindernis ist die Unsicherheit hinsichtlich der langfristigen regulatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen, die für einen raschen und planbaren Infrastrukturausbau notwendig sind.
Um Lösungsansätze für Österreich zu entwickeln, wurden die Finanzierungsmodelle anderer Länder analysiert. Deutschland verfolgt einen Ansatz mit regulierten Netzentgelten und einem Amortisationskonto, das Investitionen absichert, die geplanten Kosten betragen insgesamt etwa 19,8 Mrd. Euro. Die Finanzierung erfolgt durch Netzentgelte, die auf ein gesondertes Amortisationskonto eingezahlt werden. Dieses Konto wird von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geführt und ist staatlich garantiert. Ähnlich wie Deutschland setzt die Niederlande auf regulierte Netzentgelte, allerdings mit einer Risikoaufteilung zwischen Staat und Netzbetreibern. Die geplanten Gesamtinvestitionen bis 2030 belaufen sich auf 1,5 Mrd. Euro. Der Staat hat dafür ein Budget von 750 Mio. Euro vorgesehen. Belgien plant bis 2026 den Aufbau eines 150 km langen Wasserstoffnetzes, das von einem zertifizierten Wasserstofftransportnetzbetreiber verwaltet wird. Obwohl eine detaillierte Kostenabschätzung noch aussteht, sieht die belgische Wasserstoffstrategie Investitionen von 395 Millionen Euro vor, von denen bereits 250 Millionen Euro genehmigt wurden. Großbritannien arbeitet an einem 200 km langen Wasserstoffnetz, während Spanien ein 3.000 km umfassendes Netzwerk plant. Es wird erwartet, dass die Finanzierung in beiden Ländern über regulierte Netzentgelte erfolgen wird. Diese Beispiele verdeutlichen, dass eine Kombination aus staatlicher Förderung, regulierten Netzentgelten und klaren Risikoteilungsmodellen die bevorzugte Herangehensweise ist.
Basierend auf internationalen Erfahrungen und den spezifischen Anforderungen in Österreich entwickelt die Studie sieben Finanzierungsoptionen. Wobei vier davon vertiefend analysiert wurden:
Mittlere Investitionsförderung ohne Pay-back:
Bei diesem Modell erhält der Netzbetreiber in der Investitionsphase eine anteilige Investitionsförderung an den Investitionskosten, ohne dass eine Rückzahlung durch den Betreiber vorgesehen ist. Diese Förderung reduziert die Anfangskosten für den Netzbetreiber und sorgt für niedrigere Netzentgelte in der Hochlaufphase. Der Nachteil dieses Modells liegt darin, dass der Staat die Mittel langfristig bereitstellen muss, ohne eine Rückforderung im Erfolgsfall. Ein Vorteil ist die vergleichsweise einfache Umsetzung und die moderaten Kosten für den Staat, der auf bestehende Erfahrung in der Förderungsstruktur zurückgreifen kann. Zu den Schwächen zählt jedoch laut Studie, dass bei einem scheiternden Markthochlauf hohe Verluste für Netzbetreiber entstehen können, was Investitionen hemmt. Zudem wird die eingeschränkte Kostenverursachungsgerechtigkeit kritisiert.
Hohe Investitionsförderung mit Pay-back-Mechanismus:
Dieses Modell sieht vor, dass der Staat das Investitionsrisiko für Netzbetreiber einerseits stark reduziert, andererseits führt die hohe Förderung dazu, dass das regulierte Anlagevermögen auf niedrigem Niveau ist und damit auch die durch die Kapitalverzinsung erzielbaren absoluten Gewinne. Die staatlich eingesetzten Mittel können bei erfolgreichem Markthochlauf von den Netzbetreibern zurückgezahlt werden. Netzbetreiber erhalten demnach zeitlich befristet das Recht, aber nicht die Pflicht, die Förderung zu definierten Zeitpunkten zurückzuzahlen, um dadurch das regulierte Anlagevermögen zu erhöhen. Das Modell reduziert die Kostenbelastung für frühe Netznutzer. Jedoch erfordert es hohe Anfangsausgaben des Staates und ist abhängig von einem erfolgreichen Markthochlauf.
Mindestmenge/Korridor:
Die Netzbetreiber vermarkten ihre Kapazitäten selbst. Dieses Modell garantiert allerdings Netzbetreibern eine gewisse Mindestabnahmemenge für eine bestimmte Laufzeit, die staatlich abgesichert ist. Dadurch werden die Einnahmen stabilisiert und Investitionen erleichtert, gleichzeitig erfolgt die staatliche Unterstützung gleichmäßig über die Zeit. Sollten die erwarteten Hochlaufmengen jedoch nicht erreicht werden, trägt der Staat ein höheres Risiko. Die garantierte Wasserstoffmindestmenge schafft einen soliden Business Case, da für die Laufzeit der Mindestmenge Netzentgelterlöse nach unten abgesichert sind.
Amortisationsmodell:
Ein Netzentgeltdeckel führt in der Hochlaufphase zu Defiziten, da die jährlichen Kosten nicht vollständig durch die Netzentgelterlöse gedeckt werden. Hier finanziert der Staat die anfänglichen Verluste der Netzbetreiber, die später bei steigender Nachfrage und weiterhin fixierten Netzentgelten ausgeglichen werden. Dieses Modell bietet den Vorteil, dass Netzbetreiber eine hohe Investitionssicherheit haben und die anfänglichen Kosten für die Nutzer gedeckelt sind. Vor allem die Komplexität in der Umsetzung und die fehlenden institutionellen Rahmenbedingungen stellen hierbei jedoch große Herausforderungen dar.
Die Studie hebt hervor, dass die vorgeschlagenen Finanzierungsmodelle klare regulatorische Rahmenbedingungen erfordern, um die Umsetzbarkeit zu gewährleisten. Ein zentraler Punkt ist die Deckelung der Netzentgelte in der Anfangsphase, um die Kosten für frühe Nutzer*innen gering zu halten. Zudem ist eine Verteilung der Kosten auf Staat und Netzbetreiber entscheidend, um Risiken auszugleichen und Anreize für Investitionen zu schaffen und einen Markthochlauf zu ermöglichen. Die Modelle wie „Mindestmenge/Korridor“ und „Amortisationskonto“ bieten Stabilität, bringen jedoch unterschiedliche Risiken mit sich, die sorgfältig berücksichtigt werden müssen, um eine erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten.
Die Studie empfiehlt, insbesondere die Modelle "Hohe Investitionsförderung mit Pay-back-Mechanismus" und "Mindestmenge/Korridor" weiterzuverfolgen. Beide Modelle bieten eine ausgewogene Risikoverteilung zwischen Staat und Netzbetreiber und tragen dazu bei, die hohen Anfangskosten der Wasserstoffinfrastruktur zu decken, ohne die frühen Nutzer*innen mit übermäßigen Netzentgelten zu belasten. Das Modell "Hohe Investitionsförderung mit Pay-back-Mechanismus" ermöglicht eine rasche Umsetzung der Infrastruktur durch eine anfängliche staatliche Förderung, die bei erfolgreichem Markthochlauf zurückgezahlt wird. Das Modell "Mindestmenge/Korridor" sichert den Netzbetreibern stabile Einnahmen, indem der Staat eine Mindestabnahmemenge garantiert, wodurch Investitionen gefördert werden.
Beide Modelle erfordern eine sorgfältige Planung der regulatorischen Rahmenbedingungen, um die langfristige Tragfähigkeit und eine reibungslose Umsetzbarkeit zu gewährleisten. Darüber hinaus sollten die Finanzierungsmöglichkeiten in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern und der Regulierungsbehörde entwickelt werden, um eine stabile Marktstruktur zu schaffen und das Risiko für alle Beteiligten zu minimieren.
Insgesamt zeigt die Studie, dass Österreich durch die konsequente Umsetzung der empfohlenen Modelle eine starke Grundlage für den erfolgreichen Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft schaffen kann. Die Schaffung eines klaren regulatorischen Rahmens und die Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung sind dabei entscheidend, um die Ziele der Wasserstoffstrategie zu erreichen und Österreich als Vorreiter in der europäischen Wasserstoffwirtschaft zu positionieren.