Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist das Thema der Gasbeschaffung in aller Munde. Um eine sichere Versorgung zu gewährleisten, ist eine Diversifizierung der Herkunftsregionen notwendig. Ein möglicher Weg ist über Flüssiggas, beziehungsweise LNG-Importe.

Wie viel Flüssiggas wird nach Europa importiert und woher stammt dieses? Die monatlichen LNG-Importe in die EU haben in Summe deutlich zugenommen und kommen aus verschiedene Regionen weltweit. Grundsätzlich spielt mittlerweile Amerika die dominierende Rolle beim LNG-Import. Der Menge und der Anteil ist seit 2022 stark angestiegen und beträgt mittlerweile rund 50% der Gesamtimporte. Das spiegelt zum Teil geopolitische Entwicklungen wider. Die Importe aus Afrika sind seit 2020 relativ stabil und tragen einen moderaten Anteil zur Versorgung in Europa bei. Dies gilt auch für die Region des Nahen Osten - von dort kommt ebenfalls ein stabiler Beitrag, wobei die Importmengen im Vergleich zu anderen Regionen geringer ausfallen. Der Anteil russischen Pipeline-Gases an den EU-Importen generell ist von über 40 % im Jahr 2021 auf etwa 8 % im Jahr 2023 gefallen. In Bezug auf Pipeline-Gas und Flüssigerdgas (LNG) Importe kommen im Gesamtbild rund 15 % aus Russland.
Durch die globalen Entwicklungen der letzten Jahre wird deutlich, dass die Diversifizierung der Energie-, beziehungsweise Gasversorgung für die EU-Länder notwendig ist. Dies ist jedoch ein langwieriger und kostspieliger Prozess, der Investitionen in die Infrastruktur, beispielsweise in den Bau neuer Pipelines und Flüssiggas-(LNG)-Terminals, erfordert. Immer mehr Energieversorger entscheiden sich dazu, von russischem Gas abzugehen. Wien Energie versorgt ihre Kund*innen, Kraftwerke und die Fernwärme seit 2025 mit 100% nicht russischem Gas. Schwierigkeiten ergeben sich hier jedoch hinsichtlich eines einheitlichen Kennzeichnungssystems, welches es für Gas auf europäischer Ebene nicht gibt. Daher wurden von Wien Energie direkte Verträge mit mehreren Handelspartnern abgeschlossen und die Herkunft durch eine "Declaration of Honour" garantiert. Es braucht aber eine Anpassung der Rahmenbedingungen, wie ein solches europäisches Herkunftsnachweis-System für Gas und den beschleunigten Ausbau der Gasleitungskapazitäten in den Westen (der sogenannte „WAG-Loop“).