Alexandra Bärtl

Logistikstandortstrategie: Rahmen für eine zukunftsfähige Versorgung

17.06.2026

Mit der Logistikstandortstrategie liegt erstmals ein bundesweiter Orientierungsrahmen für die Weiterentwicklung der Logistik in Österreich vor. Erarbeitet wurde die Strategie im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), das den Prozess unter Bundesminister Peter Hanke initiiert und koordiniert hat. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des Logistikstandorts langfristig zu sichern und ihn auf neue Anforderungen - von Versorgungssicherheit über Digitalisierung bis hin zu Klimaschutz - auszurichten.

Logistikzentrum© Adrian Sulyok/Unsplash

Ausgangslage: Logistik als zentrale Infrastruktur

Logistik ist ein tragender Pfeiler des Wirtschaftsstandorts Österreich. Sie verbindet Industrie, Handel und Konsument*innen und stellt sicher, dass Waren zuverlässig dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt die Dimension:

  • rund 18,7 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung
  • etwa 4 % Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung
  • über 233.000 Beschäftigte im Transport- und Verkehrssektor
  • insgesamt mehr als 400.000 Beschäftigte in logistiknahen Bereichen
  • rund 42.000 Unternehmen, davon über 95 % kleine und mittlere Betriebe

Diese Zahlen sprechen für sich: Logistik ist keine bloße Infrastruktur im Hintergrund, sie ist selbst ein zentraler Wirtschaftsfaktor.

Gleichzeitig verändert sich der Sektor tiefgreifend: Die Transportmengen wachsen, Fachkräfte fehlen, die Digitalisierung schreitet voran, der Klimaschutz stellt neue Anforderungen, und Lieferketten werden störungsanfälliger. All das setzt den Sektor zunehmend unter Druck.

Warum es eine Logistikstandortstrategie braucht

Als Binnenland im Zentrum Europas ist Österreich besonders stark in internationale Lieferketten eingebunden. Störungen wirken sich entsprechend schnell auf Wirtschaft und Versorgung aus. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine effiziente, resiliente und klimafreundliche Logistik - insbesondere in urbanen Räumen. 

Die Logistikstandortstrategie soll diese Entwicklungen bündeln und erstmals in einen gemeinsamen Rahmen bringen.

Was ist die Logistikstandortstrategie?

Kern der Strategie sind rund 100 Maßnahmen, die bis 2030 umgesetzt werden sollen. Diese sind in zehn Themenfelder gegliedert, die gemeinsam die zentralen Handlungsbereiche der Logistik abbilden:

  1. Strategie & Steuerung
  2. Innovation & Fortschritt
  3. Digitalisierung & Daten
  4. Dialog & Netzwerk
  5. Wertschöpfung & Resilienz
  6. Recht & Sicherheit
  7. Ausbildung & Karriere
  8. Menschen & Arbeit
  9. Standort & Raum
  10. Nachhaltigkeit

 

Logistik wird damit bewusst als Querschnittsthema verstanden, das Mobilität, Energie, Raumplanung und Wirtschaft miteinander verbindet.

Maßnahmen: Von Infrastruktur bis zu urbaner Logistik

Die Maßnahmen reichen von übergeordneten strukturellen Weichenstellungen bis hin zu konkreten Umsetzungsbeispielen. Neben Themen wie Infrastruktur, Genehmigungen und Digitalisierung greift die Strategie auch praktische Herausforderungen der urbanen Logistik auf.

Beispiele aus den Maßnahmenblättern:

  • CO₂‑freie Baustellenlogistik
    Baustellenverkehr verursacht einen erheblichen Anteil des städtischen Güterverkehrs. Ziel ist es, Emissionen durch bessere Koordination, gebündelte Anlieferungen und den Einsatz emissionsfreier Fahrzeuge zu reduzieren.
  • White-Label-Paketboxensysteme
    Betreiberunabhängige, offen zugängliche Paketboxen sollen Zustellungen bündeln und die Zahl der Fahrten auf der letzten Meile reduzieren. Damit wird ein wichtiger Beitrag zu einer effizienteren und klimafreundlicheren Zustelllogistik geleistet.
  • Adressierung und rechtliche Verankerung von Paketboxen
    Um solche Systeme flächendeckend nutzbar zu machen, soll eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Vorgesehen ist eine Novelle des Gebäude- und Wohnungsregister-Gesetzes (GWRG) zur Einführung eines neuen Adresstyps (z. B. „BX“). Dadurch können Paketboxen künftig als eigenständige, eindeutig adressierbare Zustellpunkte geführt und systematisch in Logistikprozesse integriert werden.

Diese Beispiele zeigen, dass die Strategie neben großen Infrastrukturthemen auch konkrete Lösungen für die Praxis der Stadtlogistik und die Umsetzung von Klimazielen enthält.

Prozess und Beteiligung

Die Logistikstandortstrategie wurde in einem mehrmonatigen, breit angelegten Arbeitsprozess entwickelt. Beiträge aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Interessenvertretungen wurden gesammelt, gebündelt und strukturiert.

Auch die Wiener Stadtwerke waren in zwei Arbeitsgruppen eingebunden und haben ihre Expertise insbesondere in den Bereichen Infrastruktur, Energie und urbane Logistik eingebracht.

Mit der Präsentation hat die Umsetzungsphase begonnen, in der die Maßnahmen schrittweise realisiert und weiterentwickelt werden sollen.

Einordnung

Die Logistikstandortstrategie schafft erstmals einen gemeinsamen Rahmen für ein bislang stark fragmentiertes Themenfeld. Sie macht sichtbar, wie eng Logistik mit Energie-, Verkehrs- und Raumplanung verknüpft ist.

Entscheidend wird sein, wie konsequent die Umsetzung erfolgt - insbesondere bei Infrastruktur, Flächenverfügbarkeit und regulatorischen Anpassungen. Gerade in urbanen Räumen ist eine funktionierende, klimaverträgliche Logistik eine zentrale Voraussetzung für Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität.