Mit der Verlängerung der strategischen Gasreserve bis 1. April 2029 setzt Österreich ein wichtiges Signal für die Versorgungssicherheit. Diese Woche hat der Hauptausschuss des Nationalrats grünes Licht für die Verlängerung des ursprünglich bis 2027 befristeten Instruments der staatlichen Krisenvorsorge gegeben.
© Wiener NetzeDie strategische Gasreserve umfasst weiterhin 20 Terawattstunden (TWh) Erdgas, die ausschließlich in außergewöhnlichen Versorgungssituationen eingesetzt werden können. Im Jahr 2027 ist zudem eine Evaluierung vorgesehen, um die weitere Entwicklung der Versorgungslage und den zukünftigen Bedarf zu bewerten. Für die Verlängerung der strategischen Gasreserve sind im Doppelbudget 2027/2028 insgesamt 240 Millionen Euro eingeplant.
Eine stabile Gasversorgung ist für Österreich weiterhin von hoher Bedeutung: für Haushalte ebenso wie für die Industrie, die Kraft-Wärme-Kopplung und die Fernwärmeerzeugung. Die Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) ist die gesetzlich vorgesehene Stelle, die den umfassenden Überblick über Gasflüsse, Speicherstände und die Versorgungssituation im österreichischen Marktgebiet hat. Nach ihrer aktuellen Einschätzung ist die Gasversorgung in Österreich derzeit stabil – es sind keine Störungen der Versorgung zu beobachten. Auch weil Netz, Speicher, Produktion und Import ungestört funktionieren und auf den internationalen Märkten ausreichend Liquidität vorhanden ist. Auch der Speicherfüllstand liegt mit heutigem Stand bei rund 55 Prozent, das entspricht rund 55,17 TWh.
Gleichzeitig zeigen die Entwicklungen der vergangenen Jahre, wie rasch sich die Rahmenbedingungen auf den internationalen Energiemärkten verändern können. Auch die jüngsten geopolitischen Spannungen verdeutlichen, wie eng Energieversorgung und geopolitische Entwicklungen miteinander verknüpft sind und wie schnell neue Unsicherheiten entstehen können. Eine Momentane stabile Versorgungslage heute bedeutet daher nicht, dass Vorsorgemaßnahmen wie die strategische Gasreserve an Bedeutung verlieren.
Vor diesem Hintergrund ist die Verlängerung der strategischen Gasreserve ein wichtiger Beitrag zur Planungs- und Versorgungssicherheit – für Haushalte ebenso wie für die Industrie und den Wirtschaftsstandort Österreich. Die Reserve schafft Sicherheit in einer Phase, in der das Energiesystem schrittweise transformiert wird und fossile Energieträger in einzelnen Bereichen noch nicht vollständig ersetzt werden können.
Dass Versorgungssicherheit europaweit wieder stärker in den Fokus rückt, zeigt auch der Blick nach Deutschland. Die deutsche Bundesregierung hat angekündigt, ebenfalls den Aufbau einer strategischen Gasreserve für Krisenfälle vorzubereiten. Ziel ist es, das Energiesystem gegen außergewöhnliche Ereignisse wie Versorgungsunterbrechungen oder Sabotage an kritischer Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Die Reserve soll daher nicht der saisonalen Winterversorgung dienen, sondern für Extremfälle vorsorgen. Abgesichert werden soll ein 30-tägiger Ausfall der größten Importinfrastruktur – also der Pipeline, die norwegisches Gas nach Deutschland bringt.
Langfristig kann Versorgungssicherheit jedoch nicht allein durch strategische Reserven gewährleistet werden. Entscheidend ist, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten konsequent zu reduzieren und den Ausbau heimischer erneuerbarer Energien und erneuerbarer Gase zu beschleunigen.
Biomethan kann über die bestehende Gasinfrastruktur fossiles Erdgas schrittweise ersetzen und damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Wasserstoff wird insbesondere für die Industrie sowie für gesicherte, klimaneutrale Erzeugungskapazitäten künftig eine zentrale Rolle spielen.
Damit diese Transformation gelingt, braucht es verlässliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen. Die Weiterentwicklung des Erneuerbaren-Gas-Gesetzes (EGG) und des Gas-Wasserstoff-Gesetz (GWG) ist eine wichtige Voraussetzung, um Investitionen in erneuerbare Gase, Infrastruktur und Innovation zu ermöglichen.
