Die Kreislaufwirtschaft ist einer der zentralen Bausteine für eine nachhaltige Zukunft. In Österreich gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung – nicht nur für den Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch als wirtschaftlicher Faktor. So hat die Bundesregierung diese Woche im Rahmen ihrer geplanten Industriestrategie auch eine Kreislaufwirtschaftsstrategie angekündigt. Doch welche Voraussetzungen sind notwendig, um den Wandel hin zu einer wirklich funktionierenden Kreislaufwirtschaft zu schaffen?

Laut der neuesten PwC-Studie zur Kreislaufwirtschaft liegt die Zirkularitätsrate Österreichs derzeit bei 12,8 %. Das bedeutet, dass nur ein geringer Anteil der verwendeten Rohstoffe aus Recycling stammt. Um die Ziele der Kreislaufwirtschaftsstrategie zu erreichen, muss dieser Wert bis 2030 auf mindestens 18 % steigen. Zugleich generierte die Kreislaufwirtschaft 2021 bereits 15,6 Milliarden Euro Umsatz und bot über 48.000 Menschen einen Arbeitsplatz.
Die Studie zeigt jedoch auch: Die meisten Ressourcen in Österreich stammen nach wie vor aus der Entnahme natürlicher Rohstoffe wie Sand, Kalkstein oder fossilen Energieträgern. Trotz Fortschritten bleibt viel zu tun, um Kreislaufprozesse effizienter zu gestalten und den Ressourcenkreislauf zu schließen.
Österreich hat bereits 2022 eine nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie verabschiedet, die eine Reihe ambitionierter Vorgaben enthält. Bis 2030 soll der Ressourcenverbrauch auf maximal 14 Tonnen pro Kopf und Jahr gesenkt werden, während bis 2050 ein Material-Fußabdruck von höchstens 7 Tonnen pro Kopf angestrebt wird. Ebenso ist eine Erhöhung der Ressourcenproduktivität um 50 % vorgesehen. Die Zirkularitätsrate, also der Anteil wiederverwerteter Materialien, soll auf 18 % steigen, um den Rohstoffverbrauch langfristig zu reduzieren.
Besonders wichtig ist die Senkung des privaten Konsums um 10 % bis 2030. Hierfür sollen langlebige Produkte gefördert und verstärkt auf Mehrwegsysteme gesetzt werden. Ein zentraler Baustein war die Einführung eines flächendeckenden Pfandsystems für Einweg-Getränkeverpackungen, das seit Anfang 2025 umgesetzt ist. Zusätzlich sollen Maßnahmen für bessere Recyclingtechnologien und die Nutzung von Sekundärrohstoffen in der Industrie intensiviert werden.
Neben technologischen Fortschritten spielt auch das Verhalten der Verbraucher*innen eine entscheidende Rolle. Eine effiziente Kreislaufwirtschaft beginnt mit einer konsequenten Mülltrennung und der bewussten Entscheidung für nachhaltige Produkte. Trotz bestehender Sammelsysteme gibt es in Österreich nach wie vor Herausforderungen in der Abfalltrennung: Fehlwürfe in den Sammelbehältern erschweren das Recycling und führen dazu, dass wertvolle Rohstoffe ungenutzt bleiben.
Während die Kreislaufwirtschaft insgesamt noch ausgebaut werden muss, zeigen einige Materialströme bereits hohe Recyclingquoten. 2022 wurden laut Umweltbundesamt schon 63% der Siedlungsabfälle in Österreich recycelt. Damit überstieg Österreich schon hier die von der EU geforderte Recyclingquote von 60%. So liegt die Wiederverwertungsrate bei Papier und Kartonagen bei rund 80 % (bis 2030 muss die Recyclingquote EU-weit bei 85% liegen), während Glas mit über 80 % ebenfalls eine hohe Rückführungsrate aufweist. Die EU-Recyclingquote bis Ende 2030 75% zu erreichen ist somit erfüllt. Kunststoffe hingegen stellen weiterhin eine Herausforderung dar – die Recyclingquote liegt hier deutlich niedriger und bewegt sich je nach Art des Kunststoffs zwischen 25 und 40%, das Ziel der EU-Recyclingquote bis 2030 liegt bei 55%. Gerade im Bereich der Verpackungen gibt es großes Verbesserungspotenzial, insbesondere bei komplexen Materialverbunden, die bislang nur schwer recycelbar sind.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Metallen: Aluminium und Stahl haben vergleichsweise hohe Recyclingquoten, während andere Metalllegierungen oft nicht effizient getrennt werden können. Im Bausektor gibt es Fortschritte bei der Wiederverwertung von Beton und Ziegeln, doch viele Altmaterialien landen nach wie vor als Abfall auf Deponien, anstatt in den Materialkreislauf zurückgeführt zu werden.
Der Umbau zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft erfordert gezielte Investitionen – sowohl in Unternehmen als auch in die öffentliche Infrastruktur. Die Umsetzung neuer Recyclingmethoden, die Einführung digitaler Produktpässe und der Aufbau von Sekundärrohstoffmärkten sind kostenintensiv und benötigen wirtschaftliche Anreize.
Förderungen werden notwendig sein, um Unternehmen den Wandel zu erleichtern. Investitionsförderungen für nachhaltige Produktionsprozesse, steuerliche Vorteile für die Nutzung recycelter Materialien sowie direkte Forschungszuschüsse für innovative Verfahren wie CO₂-Abscheidung und Phosphorrecycling könnten eine entscheidende Rolle spielen.
Die österreichische Regierung hat angekündigt, ihre Industrie- und Standortstrategie neu auszurichten. Dabei soll die Kreislaufwirtschaft eine stärkere Rolle spielen, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die angespannte geopolitische Lage und steigende Rohstoffpreise machen eine ressourcenschonende Wirtschaftsweise zu einem zentralen Faktor für die Standortsicherung. Österreich könnte sich durch den verstärkten Einsatz von Sekundärrohstoffen unabhängiger von Importen machen und so wirtschaftliche Resilienz schaffen. Dafür wurde nun im Rahmen der geplanten Industriestrategie für Österreich auch eine Kreislaufwirtschaftsstrategie angekündigt.
Ob bereits konkrete Maßnahmen in Abstimmung sind, ist noch unklar. Sicher ist jedoch, dass Investitionen in Recyclingtechnologien, die Kreislaufwirtschaft in der Industrie und eine nachhaltige Rohstoffstrategie entscheidend sein werden. Unternehmen, die frühzeitig auf zirkuläre Prozesse setzen, könnten dadurch langfristige Vorteile erlangen.
Österreich hat in Sachen Kreislaufwirtschaft Fortschritte gemacht, doch um die gesetzten Ziele zu erreichen, sind entschlossenere Maßnahmen nötig. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft basiert nicht nur auf modernster Technologie, sondern auch auf wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Innovationen ermöglichen. Die geplante Neuaufstellung der Standortpolitik könnte hier eine entscheidende Rolle spielen.
Die von der Bundesregierung angekündigten Kreislaufwirtschaftsstrategie wird maßgeblich bestimmen, welche wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für Unternehmen geschaffen werden. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen nun gemeinsam die richtigen Weichen stellen, um die Kreislaufwirtschaft in Österreich weiter auszubauen – sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht.
