Gastbeitrag: Nationale Servicestelle Erneuerbare Gase

Lorenz Strimitzer

Aktuell wird in Österreich nur ein minimaler Bruchteil an Biomethan ins Gasnetz eingespeist. Die neu gegründete Servicestelle Erneuerbare Gase der österreichischen Energieagentur bietet kostenlose Beratung an, um die inländische Produktion an erneuerbaren Gasen zu steigern.

Gelber Gasdispatcher im Hintergrund ist das Gasometer zu sehen
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Inländische Produktion steigern

Erneuerbare Gase wie Biomethan oder Wasserstoff werden ein wichtiger Baustein des Energiesystems der Zukunft sein. Aktuell ist deren Beitrag zur heimischen Energieversorgung aber noch sehr gering – so werden zum Beispiel nur rund 0,14 TWh Biomethan pro Jahr ins Gasnetz eingespeist. Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz sieht vor, den Anteil von national produzierten erneuerbaren Gasen am österreichischen Gasabsatz bis 2030 auf 5 TWh zu erhöhen. Im Entwurf zum Erneuerbares-Gas-Gesetz wird ein Zielwert von 7,5 TWh für 2030 kommuniziert. Dies wird die Versorgungssicherheit erhöhen, unsere Abhängigkeit vom Import fossiler Energie verringern und den Treibhausgas-Ausstoß senken. Um diese Ziele zu erreichen, muss die inländische Produktion erneuerbarer Gase jedoch massiv gesteigert werden.

Genau hier setzt die neu gegründete Servicestelle Erneuerbare Gase an: Als unabhängige Beratungs- und Vernetzungsplattform wird sie in den nächsten fünf Jahren einen wichtigen Beitrag leisten, damit dieses Vorhaben bestmöglich gelingt. Die Servicestelle wird von der Österreichischen Energieagentur im Auftrag des Bundesministeriums für Klimaschutz, Energie, Umwelt, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) umgesetzt. Die Informations-Angebote der Servicestelle werden in den nächsten fünf Jahren sukzessive auf- und ausgebaut.

Ein kompetenter Ansprechpartner für alle Marktakteur*innen

Die Servicestelle Erneuerbare Gase greift auf einen Pool an erfahrenen Expert*innen verschiedener Fachgebiete der Österreichischen Energieagentur zurück, um bestmögliche fachliche Unterstützung bieten zu können. Die Beratungen der Servicestelle sind kostenlos. Mit ihrem interdisziplinären Team und weitreichender Vernetzung kann die Servicestelle zeitnah und qualitativ hochwertige Beratung für alle Marktakteur*innen anbieten.

Die Expert*innen decken das gesamte Spektrum der erneuerbaren Gase ab. Fragen zum Bau und Betrieb von Biogasanlagen können ebenso beantwortet werden, wie Fragen zum Biogas-Upgrading, zur Herstellung und Transport von erneuerbarem Wasserstoff, zur Methanisierung, oder der Bio-Methan-Hydrolyse. Expertise in der Biomassevergasung rundet das fachliche Portfolio der Servicestelle Erneuerbare Gase ab. Die Beratungen verstehen sich als ganzheitliches Konzept zur Unterstützung aller wichtigen Stakeholder – von der Produktion bis zur Vermarktung. Besonderer Wert wird in diesem Zusammenhang auf die Unabhängigkeit der Servicestelle in Bezug auf die Technologieberatung gelegt. Zudem sollen in enger Abstimmung mit Marktakteur*innen spezifische Herausforderungen des Markthochlaufs erneuerbarer Gase aufgezeigt und gemeinsam diskutiert werden.

Marktbeobachtung und internationale Zusammenarbeit

Die Marktbeobachtung ist ein weiterer wichtiger Baustein der Servicestelle, in dem aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der erneuerbaren Gase aufgezeigt werden. Dadurch können die laufenden Aktivitäten gesteuert und an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden, um beispielsweise Kund*innen über neue Technologien und Produzent*innen über veränderte Rahmenbedingungen zu informieren oder maßgeschneiderte Weiterbildungen anbieten zu können. Die zu erstellenden Markt- und Standortanalysen bieten zudem bedeutenden Akteur*innen eine solide Grundlage über Investitionspotenziale im Bereich der erneuerbaren Gase.

Durch die langjährige Erfahrung der Österreichischen Energieagentur im Technologiekooperationsprogramm der Internationalen Energieagentur (IEA), und insbesondere durch die Leitung und Koordination der Concerted Action on the Renewable Energy Sources Directive (CARES) im Auftrag der EU-Kommission wird die Servicestelle Erneuerbare Gase den themenspezifischen Austausch mit internationalen Akteur*innen sicherstellen und vorantreiben.

Plattform zur konsequenten Kommunikation und Vernetzung

Die Homepage www.erneuerbaresgas.at wird als zentrale Anlaufstelle für sämtliche digitalen Inhalte der Servicestelle dienen und in den nächsten Jahren sukzessive mit Inhalten befüllt. Das Informationsangebot wird folgende Inhalte umfassen:

    • Wissensdatenbank: Eine öffentlich verfügbare, laufend erweiterte Datenbank wird Interessent*innen die Möglichkeit bieten, sich über erneuerbare Gase zu informieren.

    • FAQs: Eine Sammlung an FAQs wird zudem als erste niederschwellige Möglichkeit zur sofortigen Beantwortung regelmäßig gestellter Fragen zur Verfügung stehen.

    • Aktuelle Informationen: Veranstaltungen, interessante technische Entwicklungen oder sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen werden ebenso auf der Homepage zu finden sein, wie eine Anmeldemöglichkeit zum regelmäßig erscheinenden Newsletter. Zusätzlich werden Interessent*innen laufend durch Blogartikel, fachspezifische Podcasts und erklärende Videos über die Thematik der erneuerbaren Gase und beispielsweise ihrer Rolle im Energiesystem der Zukunft informiert.

    • Matchmaking: Künftig gibt es eine speziell für die Servicestelle Erneuerbare Gase entwickelte und in die Website integrierte Matchmaking-Plattform für potenzielle Erzeuge*innen von erneuerbarem Gas: Sie haben dort die Möglichkeit, mit Finanzdienstleister*innen in Kontakt zu treten und gemeinsam Finanzierungswege für ihre Vorhaben zu finden oder gemeinsame wirtschaftliche Kooperationen einzugehen.

  • Lorenz Strimitzer

    Leitung Servicestelle erneuerbare Gase, Österreichische Energieagentur