Wien hat sich ein klares Ziel gesetzt: Bis 2040 soll die Stadt klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, muss auch der Wirtschaftsverkehr neu gedacht werden. Ohne funktionierende Logistik kann eine Stadt nicht versorgt werden, gleichzeitig trägt sie aber zum Verkehrsaufkommen und zu Emissionen bei. In diesem Gastbeitrag geben Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, und Clemens Horak, Leiter der Magistratsabteilung 18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung, einen Einblick in den neuen „Masterplan Urbane Logistik“ und zeigen, wie Versorgungssicherheit, Effizienz und Klimaschutz künftig besser miteinander verbunden werden sollen. Mit dem Masterplan liegt nun erstmals eine gesamthafte Strategie vor, um den Wirtschaftsverkehr langfristig zukunftsfit zu gestalten.
© Wiener StadtwerkeDer zunehmende Onlinehandel, mit steigenden Liefermengen und höheren Erwartungen an schnelle Zustellungen führt dazu, dass immer mehr Fahrzeuge im Stadtraum unterwegs sind. Aber auch die Baustellenverkehre sind in einer wachsenden Stadt wie Wien ein bedeutender Faktor. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz um den begrenzten öffentlichen Raum: dort sind Klimaanpassungsmaßnahmen, wie Begrünungen, das Gebot der Stunde und auch die Anforderungen von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen sind verstärkt zu berücksichtigen - schließlich gilt es ja auch bei der Personenmobilität klimaneutral zu werden.
Diese Entwicklung macht deutlich, dass es eine gemeinsame strategische Grundlage braucht. Der Masterplan greift die Ziele der Smart Klima City Strategie auf und konkretisiert den Wien-Plan, den aktuellen Stadtentwicklungsplan für Wien. Dabei formuliert er konkrete Hebel, die in der Stadt Wien in den nächsten Jahren ergriffen werden sollen, um den Wirtschaftsverkehr aktiv zu gestalten, statt nur auf Veränderungen zu reagieren. Ziel ist es, einen umfassenden Wandel hin zu ressourceneffizienten, platzsparenden und emissionsarmen Logistiksystemen für die Stadt anzustoßen. Anzusetzen ist dabei in mehreren Handlungsfeldern parallel: bei den Transportmitteln und Verkehrsträgern, genauso wie bei Infrastruktur oder Awarenessbildung sowie Stakeholdereinbindung.

Im Kern folgt der Masterplan einem klaren Prinzip: Verkehre sollen am besten vermieden, ansonsten auf nachhaltige Transportmittel verlagert oder im Sinne der Umweltverträglichkeit verbessert werden. Dieses 3-V-Prinzip bildet die Leitlinie für die unterschiedlichen Maßnahmen.
Ein zentraler Ansatzpunkt ist unnötige Fahrten zu vermeiden. Das gelingt vor allem dort, wo Zustellungen gebündelt werden können. Paketboxen im Wohnumfeld sind ein Beispiel dafür, wie sich Lieferungen zusammenführen und wiederholte Zustellfahrten vermeiden lassen.
Dort, wo Transporte notwendig sind, geht es darum, sie effizienter und stadtverträglicher abzuwickeln. Dazu trägt eine bessere Organisation der letzten Meile bei ebenso wie die Berechnung, wo und in welcher Länge Ladezonen tatsächlich benötigt werden, um einerseits den Straßenraum zu entlasten, andererseits den ansässigen Gewerbetreibenden weiterhin ausreichend Lademöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
Gleichzeitig wird der Umstieg auf klimafreundliche Antriebe vorangetrieben. Der gezielte Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität schafft weitere Voraussetzungen dafür, dass emissionsarme Fahrzeuge im Wirtschaftsverkehr verstärkt eingesetzt werden können.
Der Masterplan wurde in einem mehrjährigen Prozess kooperativ erarbeitet. Das Zusammenwirken von Stadt Wien, Wirtschaftskammer Wien, Wiener Stadtwerken und ihrem Competence Center City Logistik, Partner*innen aus der Wissenschaft, wie insbesondere der FH des BFI Wien und Akteur*innen aus Wirtschaft und Logistik stellte sicher, dass unterschiedlichste Perspektiven und Erfahrungen einfließen - von strategischen und langfristigen bis hin zu praktischen Anforderungen im Alltag.
Auch in der Umsetzung soll dieser partnerschaftliche Ansatz fortgeführt werden. Die öffentliche Hand schafft die Rahmenbedingungen und entwickelt Infrastruktur weiter. Unternehmen und Logistikdienstleister bringen ihre Expertise ein und setzen konkrete Maßnahmen im Alltag um.
Gerade dieses Zusammenspiel ist entscheidend, um die notwendige Transformation tatsächlich in die Praxis zu bringen und nachhaltige Lösungen breit umzusetzen.
Die Ansprüche des Masterplans können nur dann eingelöst werden, wenn Logistik als integraler Bestandteil der Stadtentwicklung verstanden wird. Deshalb sollen Fragen des Wirtschaftsverkehrs künftig frühzeitig in Planungsprozessen berücksichtigt werden, um den bestmöglichen Umgang mit den konkurrierenden Anforderungen an klimafitte Stadtteile finden zu können. Fragen der Mobilität, der Flächennutzung, der Logistik und des Klimaschutzes werden enger miteinander verknüpft und gemeinsam weitergedacht. Mit einem Bezirkslogistikkonzept für die Innere Stadt soll auch erstmals versucht werden, sich ganz gezielt mit Status Quo und Verbesserungsmöglichkeiten des Logistiksystems auf einer lokalen Maßstabsebene auseinanderzusetzen.
Der Masterplan gibt eine klare Richtung vor und bietet gleichzeitig ausreichend Flexibilität für Weiterentwicklungen. Neue Technologien, veränderte Anforderungen oder innovative Konzepte können laufend integriert werden.
Um den nun gesetzten Impuls konsequent weiterzuführen, wird ein Umsetzungsprogramm aufgesetzt, koordiniert durch die Abteilung für Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Wien unter maßgeblicher Mitwirkung der Wiener Stadtwerke.
Das agil ausgestaltete Umsetzungsprogramm soll die Logistik in Wien Schritt für Schritt effizienter, klimafreundlicher und besser organisieren und damit einen wesentlichen Beitrag zur klimaneutralen Stadt leistet.
Mehr Informationen zum Masterplan Urbane Logistik finden Sie hier: https://www.wien.gv.at/stadtplanung/masterplan-urbane-logistik
© Stadt Wien, GötzenbruckerLeitung der Magistratsabteilung 18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung
© Ian Ehm, Wiener StadtwerkeStellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke