Wie könnte unser Energiesystem von morgen aussehen und welche konkreten Maßnahmen sind dafür notwendig? Diese Fragen haben der Bundesverband Photovoltaik Austria und die Technologie Plattform Photovoltaik in ihrer Zukunftsagenda adressiert.

Österreich hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 den österreichischen Stromverbrauch national bilanziell zu 100% aus Erneuerbaren zu decken. Mit der Umstellung auf Wind, Wasser und Photovoltaik gehen maßgebliche Änderungen in unserem Energiesystem einher. Wie ein solcher Wandel möglich wird, beziehungsweise wie das Energiesystem von morgen aussehen könnte, hat die Photovoltaik Austria gemeinsam mit der Technologie Plattform Photovoltaik in ihrer Zukunftsagenda untersucht und dargelegt. Das zentrale Ziel: Durch den Ausbau der Erneuerbaren nachhaltiges Wachstum, gerechten Wohlstand und ein nachhaltiges Österreich schaffen.
Um ein solches Energiesystem auf Basis regenerativer Energie in Österreich zu errichten, werden in der Zukunftsagenda zehn Aktionsfelder definiert, die jeweils konkrete Maßnahmen zum Umbau enthalten:
Das gesamte Papier soll durch Maßnahmen in einzelnen Aktionsfeldern zeigen, wie der Umbau des Energiesystems nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. Über allem steht das Bekenntnis für ein neues Energiesystem, wofür klare politische Vorgaben, ein strategischer Ausbauplan, stabile Förderungen und Planungssicherheit notwendig sind.
Dafür wird eine Aktualisierung der PV-Ausbauziele auf Basis des Österreichischen Netzinfrastrukturplans (ÖNIP) gefordert. Dies ist notwendig, um die im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) festgelegten Ziele entsprechend dem steigenden Strombedarf in Zukunft anzupassen. In Zusammenhang damit sollen die bestehenden EAG-Bundesförderungen optimiert werden, um einen jährlichen Zuwachs von mindestens 2 GWp an PV-Kapazität bis 2040 zu ermöglichen. Laut Interessensvertretung braucht es diverse finanzielle Anreize, wie die langfristige Senkung der Mehrwertsteuer für Anlagen unter 35 kWp, eine dynamische Anpassung des OeMAG-Marktpreises und eine spezifische Förderung für Muster- und Leuchtturmprojekte. Damit sollen Planungssicherheit verstärkt, Anreize geschaffen und Innovationen gefördert werden.

Der Umbau des Energiesystems wird jedoch nicht rein durch den Umstieg auf erneuerbare Energieerzeugungsarten ermöglicht. Notwendig ist eine Netzinfrastruktur, die mit den daraus entstehenden Anforderungen umgehen kann und eine sichere Versorgung gewährleistet. Hierfür werden in der Zukunftsagenda kurzfristige und langfristige Maßnahmenpakete vorgestellt.
Kurzfristig notwendig ist eine effiziente Nutzung der bestehenden Netzkapazitäten auf Basis der Maßnahmen, die im Entwurf des Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) präsentiert wurden. Darunter fallen unter anderem die Schaffung von flexiblen Netzzugängen mit dynamischen Einspeisemöglichkeiten, die technologiespezifische Ausweisung freier Einspeisekapazitäten, die Ermöglichung der Direktversorgung durch private Stromleitungen und die Schaffung der gesetzlichen Grundlage für Peer-to-Peer Lösungen.
Langfristig wird es jedoch notwendig sein, die Finanzierung des Netzausbaus zu modernisieren. Photovoltaik Austria schlägt dazu vor, flexible Strom- und Netztarife sowie die Schaffung eines Infrastrukturfonds für den Netzausbau zu forcieren. Dieser von den Erneuerbaren Energien Österreich (EEÖ) vorgestellte Fonds soll aus Bundesbudget gespeist werden und den nachhaltigen Netzausbau ermöglichen sowie gleichzeitig die unmittelbaren Kosten der Energiewende für die Stromkund*innen senken.
Als konkrete Maßnahme für die Optimierung der Netzinfrastruktur werden in der Zukunftsagenda transparente Pauschalen für den Netzanschluss, ein öffentlich zugänglicher Netzausbauplan und eine Transparenzplattform für Informationen zum Netzanschluss sowie die Verbesserung der Netzregulierung beispielsweise durch einheitliche technische Anschlussbedingungen vorgeschlagen.
In Zusammenhang dazu wird eine Flexibilitätsrevolution empfohlen. Um eine effiziente Betriebsführung des Stromnetzes und eine optimale Verteilung der Energieressourcen zu ermöglichen, sollen gesetzliche Beschränkungen gelockert und Anreize für flexible Netz- und Stromtarife geschaffen werden. So kann der Verbrauch stärker an die Erzeugung angepasst werden. Ziel ist ein systemdienliches Verhalten. Notwendig dafür sind gezielte Anreize für den Ausbau von Stromspeichern, um Flexibilitäten zu schaffen.
Speicher sind unerlässlich für ein Energiesystem auf Basis Erneuerbarer, da diese jahreszeit- und witterungsabhängig sind. Sie sind ein notwendiges Tool für eine sichere und flexible Infrastruktur mit dem Ziel, die Schwankungen der Erneuerbaren Energien zu glätten. Um eine weitgehende Speicheroffensive auf solide Beine zu stellen, ist die Zukunftsagenda der Überzeugung, dass es eine Bedarfsanalyse und Strategieentwicklung braucht. Nur auf dieser Basis kann ein verbindlicher Ausbauplan für die Stromspeicherung, die Bündelung von Erneuerbaren Erzeugungs- und Speicheranlagen sowie die Schaffung eines konkreten rechtlichen Rahmens zur Nutzung von Speicherflexibilitäten erfolgen.
Um die Speicheroffensive auch zeitgerecht umsetzen zu können, sind vereinfachte und beschleunigte Verfahren notwendig.
Nicht nur in Zusammenhang mit Speichern, sondern generell bei erneuerbaren Erzeugungstechnologien plädiert die Zukunftsagenda für eine Vereinfachung der Genehmigungsprozesse. Die derzeitigen Vorgaben dazu unterscheiden sich stark nach den einzelnen Bundesländern, was für Errichter*innen einen erheblichen Aufwand darstellt. Durch ein Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) könnte die Bundesebene hier eine Harmonisierung vornehmen und die Genehmigungsverfahren vereinfachen und beschleunigen.
Das in Österreich zu Beginn 2023 angekündigte EABG basierend auf der befristeten EU-Notfallverordnung und dem REPowerEU-Plan könnte dezidierte Beschleunigungsgebiete festlegen, um so die rasche Ausweisung von beispielsweise PV-Flächen zu gewährleisten. Zentral dafür ist die Festlegung der Energiewende als überragendes öffentliches Interesse und damit der rechtlichen Verankerung von Projekten zur Energiewende als Beitrag für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit. Neben dem EABG braucht es laut Zukunftsagenda eine Verpflichtung zur Installation von PV-Anlagen ab Ende 2026, das Vorschreiben eines PV-Tauglichkeits-Check für öffentliche Gebäude sowie ein Anreizsystem für die Dachvollbelegung. Als zentral wird hierbei ebenso der Wegfall der Betriebsanlagengenehmigung für PV-Anlagen und damit die Novellierung der Gewerbeordnung erachtet.
Neben den vorgestellten Maßnahmen hinsichtlich Netzausbau, Flexibilitäten, Speichern und der Beschleunigung von Genehmigungsprozessen nennt die Zukunftsagenda zusätzliche Maßnahmenpakete, die im Zuge der Schaffung eines neuen Energiesystems notwendig sind.
So das Vorantreiben der Digitalisierung als Querschnittsthema, welches sich auf alle Aktionsfelder bezieht. Ein Beispiel dafür ist die Errichtung einer österreichischen Flexibilitätsplattform oder die Digitalisierung von Genehmigungsverfahren. Weiters braucht es eine Bildungskampagne für die Fachkräfte der Zukunft, wodurch die optimale Nutzung der erzeugten Energie mit der Schaffung zukunftssicherer Arbeitsplätze kombiniert wird. Generell soll die PV-Industrie Österreichs gestärkt werden. Damit kann die Energiesouveränität erhöht und gleichzeitig die Abhängigkeit von Drittstaaten verringert werden. Ermöglichen soll dies die Umsetzung des EU Net Zero Industry Act (NZIA), des „Made in Europe“ Bonus und die Förderung heimischer Leuchtturmprojekte. Anschließend daran ergibt sich das zehnte Aktionsfeld: Ein Innovations-Boost durch die gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung.

Public Affairs Expertin