World Energy Outlook 2025

Michael Schnur

Im WEO 2025 liegt der Fokus ganz klar darauf zu zeigen: Ohne tatsächlicher Umsetzung regulatorischer Vorhaben im Bereich der Energiewende kommt es zum Stillstand. Der Hebel der Politik scheint sehr groß.

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World Energy Outlook 2025

Der WEO 2025 zeigt ein breites Spektrum an möglichen Kursen, die die globale Energiewelt in den nächsten 25 Jahren einschlagen könnte. Der neue WEO unterscheidet nun zwischen zwei „bescheidenen“ Szenarien. Wohl den allgemeinen Unsicherheiten am globalen Energiemarkt sowie der politischen Abzweigung von Umweltschutz Richtung Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit geschuldet, gibt es nun neben dem altbekannten STEPS auch das neue CPS (Current Policies Scenario). Das STEPS selbst erfuhr dabei aber starke Veränderungen. So gehen die Ausbaupfade für Erneuerbare Energie aufgrund geänderter Regulatorik stark zurück. Alleine in den USA werden 2035 im Vergleich zum WEO 2024 STEPS 30% weniger EE-Kapazitätszubau und 60% weniger EV auf den Straßen erwartet. Gleichzeitig wächst der Energiebedarf in den USA und China weiter enorm. Gedeckt werden soll dieser Anstieg mit einer steigenden Erdgasnachfrage, aber auch Kohle wird zumindest in der Kurz- bis Mittelfrist, insbesondere in den Emerging Markets, stark nachgefragt.

Während im STEPS Szenario die Abkehr von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas dennoch weitergeht, zeigt das CPS Szenario einen stetig steilen Trend nach oben, zumindest bei Öl und Erdgas. Grund dafür ist der schleppend angenommene Anstieg der Erneuerbaren Energien und der E-Mobilität, bei gleichzeitig steigendem Energiebedarf. Das CPS nimmt generell an, dass die Umstellung des Energiesystem global schleppender vorankommt, als im STEPS und sieht daher fossile Energieträger in einer stärkeren Rolle.

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Nachfrage, Preise und Rohstoffe fordern die Stabilität der Märkte

Im CPS absorbiert die höhere Nachfrage überschüssiges Öl- und LNG-Angebot schneller und erzeugt dadurch mehr Investitionsdruck sowie langfristig höhere Preise, während im STEPS ein Peak der Ölnachfrage und ein Gas-Plateau diese Effekte abmildern. Der Großteil der benötigten Investitionen dient vor allem dem Ersatz rückläufiger Förderung. Entsprechend liegen Ölpreise 2035 im CPS rund 10 %, Gaspreise sogar 30–40 % über denen im STEPS. Während Kupfer und Lithium in beiden Szenarien knapp bleiben, führt ein deutlicher Kapazitätsüberschuss bei Solar-PV, Batterien und E-Autos zu starkem Wettbewerb. Gleichzeitig steigt die Spitzenlast im Stromsystem bis 2035 in beiden Szenarien um etwa 40 %, was den Ausbau von Flexibilität und die Systemresilienz zunehmend an ihre Grenzen bringt.

Auswirkungen haben diese Entwicklungen auch auf die CO2-Emissionen: Die Schere zwischen CPS und STEPS geht hier auf und zeigt, wie groß der Einfluss von politischen und regulatorischen Maßnahmen ist. 2035 liegen bei den energiebezogenen Emissionen zwischen CPS und STEP mehr als die jährlichen Emissionen Europas. Haupttreiber ist hierfür abermals der weiterhin hohe Kohleverbrauch in den Emerging Markets.

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1,5°C Ziel außer Reichweite – noch nicht Alles ist verloren

Der Temperaturanstieg sieht, entsprechend den Szenarien, sehr unterschiedlich aus. Während in CPS 2050 die 2°C Marke geknackt wird, hält sich der Anstieg in STEPS noch knapp darunter. Die Ausfahrt Richtung 1,65°C 2050, gemäß „Net Zero Emission“-Szenario (NZE) wurde wohl schon verpasst. Nur ein unvorhersehbar großer Anstieg im Bereich der Carbon Removals könnte das so wichtige 1,5°C Ziel langfristig noch am Leben halten. Alle drei Szenarien vereint, dass das 1,5 Grad Ziel 2030 außer Reichweite liegt!

Nur im NZE ist die 1,5 Grad Schwelle noch als theoretisch mögliches Ziel abgebildet, das aber erst um das Jahr 2100 wieder erreicht werden kann. Der Weg dorthin führt laut NZE über den starken Ausbau der Erneuerbaren Energien von 5 TW auf 20 TW, der Nuklearenergie von 400 auf 800 GW, der nachhaltigen Kraftstoffen von 5 Exajoule auf über 30 EJ und bei Methan Emissionen über eine Reduktion von knapp über 150 Megatonnen auf ca. 30 mt

Ist Energie noch leistbar?

Der anhaltende Anstieg der Stromnachfrage macht weltweit erhebliche Investitionen in Erzeugungskapazitäten, Stromnetze und Speicher notwendig. Wie stark sich diese Investitionen auf die Kosten auswirken, hängt von der jeweiligen Marktstruktur, den Finanzierungsmöglichkeiten und den CO₂-Preisen ab. Gleichzeitig können sinkende Gaspreise, eine vielfältigere Energieversorgung und innovative Lösungen wie Speichertechnologien, Demand-Side-Response und leistungsfähigere Netze dazu beitragen, die Märkte zu stabilisieren. Dennoch bleiben Klimarisiken und potenzielle Engpässe im Netz eine Herausforderung, die zu schwer vorhersehbaren Preisschwankungen führen können.

Für Privathaushalte zeigen sich in vielen Regionen steigende Stromkosten – in Industrieländern meist moderat, in Schwellenländern ausgeprägter. Ob die Ausgaben für Energie letztlich steigen oder sinken, hängt vom jeweiligen Szenario ab: In STEPS und CPS können höhere Stromkosten nur teilweise durch geringere Ausgaben für Gas und Öl ausgeglichen werden. Das NZE-Szenario hingegen setzt auf Effizienzsteigerungen und den raschen Umstieg auf Wärmepumpen und Elektromobilität, wodurch sich – trotz anfänglich höherer Investitionen – die gesamten Energiekosten stabilisieren oder sogar zurückgehen können.

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LNG und KI bleiben hoch im Kurs

Im CPS steigt die weltweite LNG-Nachfrage bis 2030 um 260 bcm, nimmt den Großteil neuer Kapazitäten auf und hält die Preise nahe den langfristigen Grenzkosten. China, Europa und Japan absorbieren rund die Hälfte, während ärmere Länder wegen hoher Preise gebremst werden. Im STEPS wächst die Nachfrage nur um 200 bcm, bleibt hinter dem Kapazitätsausbau zurück und drückt die Preise Richtung kurzfristiger Grenzkosten. 2030 entsteht ein Überschuss von 65 bcm, der sich bis 2035 allmählich abbaut. Im NZE hingegen fällt die Nachfrage so stark, dass die Auslastung der Anlagen 2030 nur 75 % und 2035 50 % beträgt, was Schließungen oder Umrüstungen auf Wasserstoffträger wie Ammoniak oder Methanol wahrscheinlich macht.

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Auch das Thema Künstliche Intelligenz wird in Zukunft einer der wichtigsten Faktoren in der Energiewirtschaft spielen. Technologieunternehmen investieren massiv in neue Rechenzentren: 2025 fließen rund 580 Mrd. USD in deren Ausbau – mehr als die weltweiten Investitionen in die Ölversorgung (540 Mrd. USD). Der Stromverbrauch von KI-optimierten Servern steigt bis 2030 um das Fünffache, wodurch sich der gesamte Strombedarf von Rechenzentren verdoppelt. Die Kapazitäten konzentrieren sich stark auf die USA, China und Europa (82 % der globalen Kapazität, 85 % der Zuwächse). In den USA machen Rechenzentren bis 2030 etwa die Hälfte des Stromnachfragewachstums aus, in China und der EU nur 6–10 %.

Versorgungssicherheit als oberste Prämisse

Da Strom in allen IEA-Szenarien an Bedeutung gewinnt, rückt die Widerstandsfähigkeit der Stromsysteme ganz nach oben auf die energiepolitische Agenda – auch weil Ausfälle wirtschaftlich immer teurer werden. Jüngste Blackouts in Chile und auf der Iberischen Halbinsel zeigen, wie schnell Störungen in stark vernetzten Systemen Haushalte und Unternehmen treffen können. Gleichzeitig wächst die Stromnachfrage nicht nur stark, sondern wird durch Elektrifizierung, Klimawandel und neue Verbrauchsmuster auch deutlich variabler/ev. volatiler?. In der STEPS-Prognose steigt die weltweite Spitzenlast bis 2035 um rund 40 %, im NZE-Szenario sogar noch stärker. Der rapide Ausbau wetterabhängiger Erneuerbarer bringt zusätzliche Herausforderungen, etwa wenn wenig Wind und Sonne auf hohe Nachfrage treffen. Deshalb wird Flexibilität zum zentralen Pfeiler der Versorgungssicherheit im Stromsektor. Konventionelle Kraftwerke bleiben wichtig, übernehmen aber zunehmend die Rolle der gesicherten Kapazität anstatt der Grundlast. Gleichzeitig gewinnen Batterien und Demand Response massiv an Bedeutung: Bereits 2024

Bestandsaufnahme: Europäische Union

Der WEO hat sich auch diesmal die großen Regionen der Welt zum Einzelverhör gebeten. Die EU strebt bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 55 %, den Ausbau von 600 GW Solar-PV und eine Senkung des Endenergieverbrauchs um 11,7 % gegenüber dem Referenzszenario 2020 an, um Klimaziele, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Energiekrise nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen verdeutlichte die Risiken fossiler Abhängigkeit. Trotz leichter Entspannung liegen Haushaltsstrompreise noch über 20 % über dem Vorkrisenniveau. Im STEPS sinkt die Kohlenachfrage bis 2035 auf ein Neuntel, Gas um 40 bcm, Öl um 2 mbd/Jahr, während die Stromerzeugung um 40 % steigt und der Anteil erneuerbarer Energien zunimmt. Für die Klimapfade bis 2050 sind zusätzlich 25 % weniger fossile Brennstoffe gegenüber dem STEPS nötig sowie Investitionen in Netze, Speicher und Marktmechanismen, die sich bis 2035 fast verdoppeln. Die EU mobilisiert zudem 100 Mrd. EUR für die Industrie-Dekarbonisierung, ergänzt durch nationale Programme wie 4 Mrd. EUR für Carbon Contracts for Difference in Deutschland.