Der neue Stadtentwicklungsplan 2035 (Wien-Plan) setzt zentrale Leitplanken für eine klima- und ressourcenschonende Weiterentwicklung der Bundeshauptstadt. Im Fokus stehen Dekarbonisierung, Mobilitätswende, Flächensparen und soziale Durchmischung.

Mit dem Wien-Plan verfolgt die Stadt eine grundlegende Neuausrichtung ihrer Stadtentwicklungsstrategie. Angesichts des zu erwartenden Bevölkerungswachstums auf rund 2,2 Mio. Einwohner*innen bis 2040, der fortschreitenden Klimakrise und dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 setzt der Plan auf integrierte, sektorenübergreifende Maßnahmen. Grundlage sind bestehende Strategien wie der Wiener Klimafahrplan und die Smart Klima City Strategie Wien. Die Umsetzung erfolgt über einen breit angelegten, interdisziplinären Prozess, an dem über 100 Fachleute beteiligt waren.
Der Energiebedarf der Stadt Wien verändert sich dynamisch. Einerseits steigt der Stromverbrauch, etwa durch den wachsenden Einsatz von Wärmepumpen und Elektromobilität. Andererseits sinkt der Endenergieverbrauch pro Kopf, insbesondere durch Gebäudesanierungen und Effizienzsteigerungen.
Das derzeit noch dominierende Gas soll in der Raumwärme bis 2040 vollständig durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden, wie auch der Wiener Wärmeplan zeigt. Ein zentrales Ziel des Wien-Plans ist die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Die Umstellung auf Fernwärme, Wärmepumpen und andere klimafreundliche Heizsysteme soll bis 2040 abgeschlossen sein. Besonders im Fokus stehen die thermische Sanierung des Gebäudebestands sowie die Nutzung lokaler Erdwärmepotenziale. Konkrete Themenfelder beinhalten dabei:
Die Sonnenstrom-Offensive sieht den Ausbau auf 800 MWp Photovoltaikleistung bis 2030 vor, u.a. auf Dachflächen und geeigneten Freiflächen – auch in Kooperation mit städtischen Unternehmen.
Der motorisierte Individualverkehr (MIV) ist trotz rückläufiger Trends nach wie vor der größte Emittent von Treibhausgasen in Wien. Mit rund 42 % der lokalen CO₂-Emissionen entfällt ein erheblicher Anteil auf den Verkehrsbereich. Gleichzeitig hat Wien im Vergleich der Bundesländer den niedrigsten PKW-Bestand pro Kopf und einen hohen Anteil von Wegen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden – aktuell rund 74 %. Diese Stärke gilt es auszubauen, insbesondere mit Blick auf neue Stadtteile, den Pendelverkehr aus dem Umland und die Logistik.
Mit dem Konzept der Wiener Mobilitätsgarantie soll die Stadt auch ohne privaten PKW bequem, günstig und schnell nutzbar bleiben. Der Modal Split soll bis 2030 zu 85 % aus Öffentlichem Verkehr, Rad- und Fußverkehr bestehen. Geplante Maßnahmen im Bereich Mobilität umfassen:
Infrastrukturprojekte im Verkehrsbereich werden eng mit Klimaanpassungsmaßnahmen (z. B. Begrünung, Entsiegelung) verknüpft. Das betrifft auch die Oberflächengestaltung nach Leitungsarbeiten – eine direkte Schnittstelle zur Arbeit der Wiener Linien und Wiener Netze.
Der Plan verfolgt das Prinzip „Umbau vor Neubau“ und gibt der Nachverdichtung in der Bestandsstadt klaren Vorrang. Für Neubauprojekte gilt:
Als zentraler städtischer Infrastrukturdienstleister sind die Wiener Stadtwerke maßgeblich an der Stadtentwicklung beteiligt. Aufgaben reichen von der Sicherstellung einer dekarbonisierten Energieversorgung über die Umsetzung der Mobilitätswende, nachhaltiger Logistik bis zur Mitgestaltung klimafitter Stadträume. Die systematische Verzahnung von Leitungsbau, Verkehrsplanung und Stadtgestaltung schafft Synergien – etwa durch die gleichzeitige Realisierung von Fernwärmeleitungen, Oberflächengestaltung und Begrünung („Verbesserungsgebot“ bei Baumaßnahmen im öffentlichen Raum) oder der Gleisbauoffensive.
Mit dem Wien-Plan 2035 wird ein verbindlicher Orientierungsrahmen geschaffen, der die Stadtentwicklung Wiens langfristig im Sinne des Klimaschutzes, der sozialen Inklusion und der Ressourcenschonung steuert. Für die Wiener Stadtwerke ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Infrastruktur vorausschauend planen, klimafit gestalten und sozial gerecht bereitstellen. Die nächsten Schritte umfassen unter anderem die Projektentwicklung in prioritären Stadterweiterungsgebieten sowie die Umsetzung konkreter Maßnahmen in den Bereichen Energieinfrastruktur, Verkehr und öffentlicher Raumgestaltung.