Österreich steht wirtschaftspolitisch an einem Wendepunkt: Infrastrukturinvestitionen und Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg werden zum Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit und Energiewende. Der Doppelgipfel 2026 von Wien Energie bringt dafür zentrale Akteure aus Wien und der Steiermark an einen Tisch. Wie kann gemeinsame Infrastrukturpolitik Österreichs Zukunft sichern?
© Wien EnergieÖsterreich steht an einem wirtschaftspolitischen Wendepunkt. Nach Jahren der Unsicherheit, hoher Energiepreise und geopolitischer Turbulenzen wird klar: Nur konsequente Infrastrukturinvestitionen sichern Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und den Weg in ein klimaneutrales Energiesystem. Mit dem Doppelgipfel 2026 hat Wien Energie ein hochrangiges Dialog- und Arbeitsformat geschaffen, das Politik, Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft aus Wien und der Steiermark in vertraulichem Rahmen zusammenführt. Der Anspruch: zentrale Weichenstellungen für Standort-, Energie- und Investitionspolitik gemeinsam analysieren – und vor allem in konkrete Zukunftsperspektiven überführen. Die Botschaft des zweitägigen Events Ende Februar ist eindeutig: Infrastruktur ist kein Kostenfaktor, sondern ein strategisches Zukunftsinstrument – sektor- und länderübergreifend. Denn die Energiewende endet nicht an Landesgrenzen. Stromerzeugung, Netze, Speicher und industrielle Nachfrage bilden ein integriertes System. Erfolgreiche Standortpolitik braucht daher länderübergreifende Kooperation, abgestimmte Verfahren und gemeinsame Zielbilder. Der Doppelgipfel versteht sich als Plattform, die genau das ermöglicht.
Leistungsfähige Energie- und Netzinfrastrukturen sind die Basis industrieller Wertschöpfung und wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit. Sie ermöglichen Investitionen, sichern Arbeitsplätze und schaffen Raum für Innovation – regional wie national. Für Wien Energie ist das gelebte Praxis: Seit Jahrzehnten investieren wir in erneuerbare Erzeugung, moderne Netze und Versorgungssicherheit – in Wien und weit darüber hinaus. Gerade die Steiermark ist für Wien Energie ein zentraler Partnerraum für die Energiezukunft, was auch die von WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr präsentierte Studie zur Wien Energie Wertschöpfung in der Steiermark an Tag eins des Doppelgipfels unterstrich: Von 2015 bis 2035 investiert Wien Energie rund 750 Millionen Euro in den Erneuerbaren-Ausbau in der Steiermark. Dadurch entsteht bis 2035 ein Kraftwerkspark von 530 MW. Fast zwei Drittel der Investitionen bleiben als Wertschöpfung in der Steiermark erhalten, rund 605 zusätzliche Beschäftigte pro Jahr werden dadurch ausgelastet.
Den zweiten Tag eröffnete Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl mit einer Keynote. Sie betonte, dass die Energiewende stärker im Gesamtsystem gedacht werden müsse und verwies auf die Notwendigkeit effizienterer Finanzierungs- und Fördermodelle für Energieinfrastrukturprojekte, die derzeit auf politischer Ebene verhandelt werden. Anschließend plädierte Landesrat Willibald Ehrenhöfer für mehr Mut und Gemeinsamkeit in der (überregionalen) Energiepolitik und unterstrich die Bedeutung der Energiewende als Standortfaktor. Es folgten intensive, moderierte Diskussionen an vier Thementischen begleitet von Gabriel Felbermayr (WIFO), Peter Weinelt (Wiener Stadtwerke), Martin Schaller (Raiffeisen-Landesbank Steiermark) und Edgar Weinzettl (ORF Wien) zu den Themen Standortpolitik, Energieinfrastruktur & Wettbewerbsfähigkeit, Finanzierung der Transformation sowie Kommunikation, Kooperation & Akzeptanz.
Die Transformation des Energiesystems erfordert Investitionen mit jahrzehntelanger Wirkung. Umso entscheidender sind verlässliche Rahmenbedingungen, Rechtssicherheit und politische Klarheit. Die Teilnehmer*innen des Doppelgipfels waren sich einig: Österreich braucht eine radikale Entbürokratisierung, steuerliche Entlastungen für Zukunftsinvestitionen und eine Standortpolitik, die Mut zur aktiven Gestaltung zeigt. Genehmigungsverfahren müssen deutlich verkürzt, systemische Ansätze – etwa im Umgang mit Netzen, Speichern und Marktdesign – konsequent umgesetzt werden. Systemische Flexibilität müsse auch künftig abgesichert werden. Überfällig sei auch eine Reform der Merit-Order: Die faktische Entkopplung Österreichs vom europäischen Strommarkt über 7.700 Stunden im Jahr 2025 verdeutlicht den akuten Handlungsbedarf. Gelingen die Dekarbonisierung und der intelligente Netzausbau nicht planvoll, drohen hohe Strafzahlungen und steigende Systemkosten. Das würde die Kaufkraft der Haushalte zusätzlich belasten und gesellschaftliche Akzeptanz gefährden.
Gleichzeitig gilt: Die Transformation gelingt nur, wenn öffentliche Mittel gezielt als Hebel für private Investitionen eingesetzt werden – nicht als Ersatz, sondern als Beschleuniger. Eine partielle Risikoübernahme durch die öffentliche Hand bei standortrelevanten Großprojekten senke Kapitalkosten und Förderbedarf erheblich. Neue Finanzierungsmodelle wie grüne Anleihen, Impact-Fonds oder staatlich teilgarantierte ETFs könnten die Kapitalbasis verbreitern und eine breitere gesellschaftliche Beteiligung ermöglichen.
Erfolgreiche Infrastrukturprojekte brauchen jedoch mehr als Technik und Finanzierung: Sie brauchen Vertrauen. Entscheidend seien klare Kommunikation, ein konsistentes Narrativ und echte Mitgestaltung. Akzeptanz entstehe durch frühzeitige Beteiligung, transparente Prozesse und glaubwürdige Kommunikator*innen. Großprojekte benötigen eine neue Erzählung – weg vom „notwendigen Übel“, hin zu sichtbaren Vorteilen für Standort, Wohlstand und Versorgungssicherheit. Der unmittelbare Mehrwert für Bürger*innen sei herauszuarbeiten: stabile Preise, sichere Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und Zukunftsperspektiven für kommende Generationen.
Wien Energie steht für eine Standortpolitik, die Investitionen ermöglicht statt hemmt. Für eine Energie- und Infrastrukturpolitik, die Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke gemeinsam denkt. Und für einen kontinuierlichen Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, der über Analysen hinausgeht und Umsetzung in den Mittelpunkt stellt. Der Doppelgipfel ist Teil dieses Anspruchs: als strukturiertes Dialogformat und als Impulsgeber für eine Investitionsoffensive in Infrastruktur – als Fundament eines starken, resilienten und nachhaltigen Wirtschaftsstandorts Österreich.