Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet weltweit in rasantem Tempo voran, getragen von einem steigenden Energiebedarf und dem Wunsch die Abhängigkeit von fossilen Energien zu reduzieren. Trotzdem ist die kritische Frage nach dem Rohstoffbedarf für die ambitionierten Ausbaupläne unterbeleuchtet. Haben wir überhaupt genug Kupfer, Lithium oder Seltene Erden für eine globale Energiewende – und wem gehören die überhaupt?

Der globale Ausbau erneuerbarer Energien hat in den letzten Jahren deutlich Fahrt aufgenommen, getragen vor allem von einem PV-Boom. In nur drei Jahren zwischen 2021 und 2024 hat sich global installierte PV-Kapazität von knapp 1 Terrawatt (TW) auf ca. 2,2 TW mehr als verdoppelt. Aber auch Windenergie ist im selben Zeitraum von ca. 0,8 TW auf ca.1,2 TW und somit um etwa 50% gewachsen, während sich die installierte Kapazität bei Batteriespeichern auf etwa 160 GW verfünffacht hat. Während diese Zahlen schon beeindruckend sind, stehen wir hinsichtlich der internationalen Klimaziele und dem rasanten Wirtschaftswachstum in Asien und Afrika allerdings erst ganz am Anfang einer jahrzehntelangen Entwicklung. Laut IEA Net Zero by 2050 Roadmap, wären insgesamt zumindest 26 TW installierte erneuerbare Erzeugungskapazität notwendig, eine Zahl, welche allerdings hinsichtlich des regelrecht explodierenden Energiebedarfs für Rechenzentren mittlerweile wohl angehoben werden muss.
Was in diesen Prognosen und Plänen oft verloren geht, ist die kaum vorstellbare Quantität an Rohstoffen, welche abgebaut und verarbeitet werden müssen, um so viele Anlagen überhaupt zu bauen und installieren zu können. Schätzungen variieren aufgrund unterschiedlicher Annahmen bei Technologieentwicklung, Effizienzgewinnen oder genauer Ausbaupläne einigermaßen. Doch wenn man beispielsweise für Photovoltaik auf Basis der Szenarien von IEA, EMBER oder IRENA einen globalen Ausbau bis zu etwa 20 TW Kapazität bis zur Mitte des Jahrhunderts annimmt, ergeben sich nur für diese Technologien erforderliche Rohstoffmengen in schwindelerregenden Größenordnungen: 50-90 Millionen Tonnen Silikate, Hunderttausende Tonnen Silber, 20-80 Millionen Tonnen Kupfer, Hunderte Millionen Tonnen Glass oder Aluminium sowie Hunderttausende Tonnen seltener Erden und spärlich vorhandener, aber kritischer Elemente wie Cadmium, Tellurium, Indium usw. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Windkraft, Batterien oder bei der Elektromobilität, welche den geschätzten Bedarf dieser Rohstoffe – zusätzlich zur bestehenden Nutzung für Bautätigkeit, Industrieproduktion etc. – in gewaltige Höhen schraubt.
So ist es nicht überraschend, dass vermehrt drei entscheidende Schlüsselfragen gestellt werden: (1) Gibt es überhaupt derartige, zu wirtschaftlich sinnvollen Preisen abbaubare, Mengen dieser Rohstoffe, (2) Haben wir derzeit die Kapazitäten sie in ausreichenden Mengen abzubauen und zu verarbeiten und (3) Wo sind diese Kapazitäten und wer kontrolliert sie?
Um diese Fragen zu beantworten, ist es notwendig die weltweit verwobenen Wertschöpfungsketten bei einzelnen Rohstoffen im Detail zu betrachten. Wenn von Rohstoffreserven die Rede ist, handelt es sich um nachgewiesene Vorkommen im Boden, welche möglicherweise bereits abgebaut werden oder physisch vorhanden sind aber nicht angetastet werden (etwa aus mangelnder Wirtschaftlichkeit oder Gründen des Umweltschutzes). Die Erzeugung bzw. Produktion eines Rohstoffes entspricht wiederum dem eigentlichen Abbau des Rohstoffes, welcher dann entweder vor Ort weiterverarbeitet wird oder etwa als Erz oder Rohmaterial für weitere Behandlung, Aufbereitung oder Verfeinerung verschifft wird. All diese Schritte können innerhalb eines Staates liegen, häufig sind sie allerdings über mehre Staaten verteilt. Ein Land kann also reiche Vorkommen eines Elements haben, aber als Produzent am Weltmarkt keine Rolle spielen, gleichzeitig kann ein Staat einen großen Teil der globalen Erzeugung beinhalten, ohne Kapazitäten zur Verfeinerung oder Weiterverarbeitung zu haben. Folglich kann auch ein Staat ohne nennenswerte eigene Vorkommen als Endverarbeiter eines Elements den Weltmarkt dominieren.
Knappheit und die damit einhergehenden Preisanstiege können durch Engpässe bei all diesen Schritten der Wertschöpfungskette bestehen – auch durch Krisen in Erzeugerländern oder bewusste politische Maßnahmen wie Exportbeschränkungen oder Zölle. Analysen wie der jährliche Global Critical Minerals Outlook der Internationalen Energieagentur, der Transition Metals Outlook von Bloomberg oder der Minerals for Climate Action Report der Weltbank identifizieren eine Reihe von Schlüsselrohstoffen für die Energiewende, wo sich die Situation teilweise deutlich unterscheidet – es aber auch gemeinsame Nenner gibt.
Diese Elemente, wie auch die Situation bei den vorhin im Detail besprochenen Rohstoffen sind illustrativ für die Situation am Weltmarkt: China selbst besitzt meist nur einen Teil der globalen Reserven, ist aber beim Abbau deutlich überrepräsentiert und dominiert die Endverarbeitung. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil des Rohstoffabbaus außerhalb Chinas mittlerweile von chinesischen Bergbaugiganten wie Jiangxi Copper, Zijin Mining oder CMOC Group kontrolliert wird und so für einen konstanten Rohstoffstrom in Richtung China sorgen. Die weltweite Abhängigkeit von China bei der Energiewende betrifft dementsprechend die zunehmend gesamte Wertschöpfungskette, von Rohstoffabbau bis zum fertigen Solarmodul oder neuer Batterie. Die Elektrifizierung der Welt im 21. Jahrhundert ist immer fester in chinesischer Hand.
Bei einer Analyse der Rohstoffströme für die Energiewende scheint Europa vollkommen abwesend. Dies betrifft einerseits den Rohstoffabbau selbst: Es gibt es grundsätzlich keine international relevante europäische Montanindustrie mehr, kein einziges der größten 50 Bergbauunternehmen der Welt ist aus der EU. Es gibt zwar vereinzelt Vorkommen von internationaler Relevanz in Europa, diese werden allerdings in der Regel entweder von internationalen Konzernen abgebaut (um dann ohnehin in China weiterverarbeitet zu werden) oder aus Gründen des Umweltschutzes gar nicht erst angetastet. Andererseits ist Europa auch bei der Weiterverarbeitung bzw. Aufbereitung von für die Energiewende relevanten Rohstoffen und wenig mehr als ein Rundungsfehler – entsprechende Prozesse sind energieintensiv, schmutzig und brauchen teilweise erhebliche Mengen Wasser und sind dementsprechend abgewandert oder im Vorhinein woanders entstanden.
Dies hat zu einer bedauernswerten Situation geführt: Europa hat sich die zwar die Energiewende und die Reduktion von energiepolitischen Abhängigkeiten zur obersten Priorität gemacht, sich aber in den letzten Jahrzehnten aus der gesamten diesbezüglichen Wertschöpfungskette herausdrängen lassen und in die umfassende Abhängigkeit von China begeben, welche kaum rückgängig gemacht werden kann.
Die globale Energiewende wird gewaltige Mengen von Rohstoffen verschlingen, welche zumeist grundsätzlich ausreichend vorhanden sind, aber in einigen Fällen wie Kupfer, Silber oder Gallium ohne signifikante Investitionen in Exploration und neue Minen tatsächlich knapp werden könnten. Relevante Rohstoffvorkommen sind über den Erdball verteilt, allerdings hat es China geschafft, vor allem bei der Rohstoffverarbeitung eine fast umfassende Dominanz zu erreichen. Europa hat kaum relevante Vorkommen, keine international relevante Montanwirtschaft und keine nennenswerten Kapazitäten zur Verarbeitung und Verfeinerung von Rohstoffen. Dementsprechend sind sämtliche europäische energiepolitische Ziele nun völlig von einer chinesisch dominierten Rohstoffwirtschaft ausgeliefert.
