Raus aus Gas: Wiener Wärme Kälte 2040

"Raus aus Gas - Wiener Wärme und Kälte 2040" nimmt sich dem Gebäudesektor an und skizziert den Weg hin zu einer klimaneutralen Stadt im Gebäudebereich.

Blick über Donau und Donauinsel
Arno-Senoner-Wien-Usp
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Raus aus Gas

Raus aus Gas – Wiener Wärme und Kälte 2040 ist das Konzept im Gebäudebereich zur Umsetzung des Wiener Klimafahrplans, der alle Ziele der Stadt Wien im Klima- und Energiebereich festlegt. Bis 2040 wird Wien gänzlich aus der fossilen Wärmeversorgung aussteigen. Um zu zeigen, wie das Ziel im Gebäudesektor, der immerhin rund 30% der zielrelevanten Treibhausgasemissionen verursacht, erreicht werden soll wurde das Konzept entwickelt und veröffentlicht. Um die Ziele umsetzen zu können, werden die Maßnahmen von der gesamten Stadt inklusive der Stadtwerke getragen werden. Gerade der Gebäudebereich ist ein wesentlicher Eckpfeiler der Klimaneutralität der Stadt und wird intensiv an der Dekarbonisierung arbeiten müssen. Aufgrund der bereits gesetzten Maßnahmen in Wien und dem hohen Anteil an Mehrfamilien-Wohnhäusern ist der Endenergieverbrauch pro Kopf für Heizen, Kühlen und Warmwasser nur halb so hoch wie in den anderen Bundesländern.

Konzeptinhalte und technische Lösungen

In Wien hat heizen mit Gas eine lange Tradition und ist weit verbreitet. So sind ca. 600.000 Wohnungen mit Gas beheizt, und davon ca. 475.000 Wohnungen mit Gasetagenheizungen einzelbeheizt. Die Umstellung dieser Gasetagenheizungen wird so gut wie immer mit einer Zentralisierung der Wärmeverteilung innerhalb des Gebäudes verbunden sein. Das Konzept beleuchtet die Herausforderung, wie die Umstellung von gas- und in wesentlich geringerer Anzahl ölbeheizter Gebäude auf klimaneutrale Alternativen gestaltet werden kann.

Die Gebäude im Bestand wurden nach neun verschiedenen Dekarbonisierungstypen geclustert – also Gebäude mit ähnlichen Eigenschaften (bestehendes Heizsystem, Energiebedarf, Gebäudeart und -nutzung, …) zusammengefasst. Für diese Gebäude wurden dann verschiedene technische Lösungen erarbeitet.

Die wesentlichen Erkenntnisse:

  • Im dicht bebauten Gebiet soll die Fernwärme ausgebaut werden und Gebäude sollen sich an diese anschließen.
  • Die Fernwärme wird bis 2040 dekarbonisiert.
  • In Gebieten ohne Möglichkeiten auf zentrale Fernwärme sollen Niedertemperatur-Nahwärmenetze entstehen, die vor Ort verfügbare Erneuerbaren- oder Abwärmepotentiale integrieren.
  • In weniger dicht verbauten Gebieten sollen vorwiegend Einzellösungen wie Wärmepumpen oder Biomasse umgesetzt werden.
  • Insbesondere Wärmepumpen werden im Konzept in ihrem Einsatzgebiet skizziert, um eine effiziente Versorgung mit Wärme zu ermöglichen
  • Thermische Sanierung als umfassende oder Teilsanierung soll den Energiebedarf senken und die Gebäude fit für Niedertemperaturlösungen machen.
  • Um Gebäude mit Einzelheizungen je Nutzungseinheit umstellen zu können müssen zentrale Verteilungen von der zentralen Heizung (Fernwärmeanschluss, Wärmepumpe, ..) bis in die Wohnung errichtet werden und bei Bedarf Übergangslösungen geschaffen werden

Rechtlicher Rahmen

Die Energieraumplanung wird als zentrales Instrument der planerischen Gestaltung der Energiewende identifiziert. Es braucht neben der Anpassung der Wiener Bauordnung, in der die  Energieraumplanung geregelt wird, einen rechtlichen Rahmen um die Klimaneutralität erreichen zu können.

Grundlage ist das von der Bundesregierung zu beschließende Erneuerbaren Wärme Gesetz (EWG) in dem Rechte und Pflichten für die Heizungsumstellung österreichweit geregelt werden sollen und mit speziellen Landesgesetzen in jeweiligen Bundesland ergänzt werden. Zentrale Fragen sind dabei, wie die Anreize erhöht werden die Heizungsumstellung vorzunehmen und sich bei vorhandenen Wärmenetzen an diese anzuschließen. Eine Reihe von weiteren unterstützenden rechtlichen Regelungen auf Bundesebene wie das Gaswirtschaftsgesetz oder Wohnrechtsgesetze werden thematisiert.

Leistbares Wohnen, Förderung und Finanzierung

Investitionen in die Heizungsumstellung, die Infrastruktur und die Sanierung von Gebäuden werden benötigt, die mit Anreizen und Hilfestellungen unterstützt werden sollen, um die Klimaziele zu erreichen. Die notwendigen Investitionskosten werden anhand der Dekarbonisierungstypen abgeschätzt. Für die nächsten zwei Jahre geht die Stadt Wien von etwa 1,6 Milliarden Euro aus.

Die Weiterentwicklung der Förderungen müssen daher eine langfristige Budgetplanung zulassen, um die Infrastruktur vorfinanzieren können. Dabei soll auf gemeinschaftliche Initiativen (Baublöcke oder Straßenzüge gasfreimachen) Wert gelegt werden, sowie auf eine gute Abstimmung von Landes- und Bundesförderungen.

Kommunikation, Beratung und Begleitung

Eine breite Unterstützung ist notwendig, um die Aufgabe der Wärmewende zu stemmen. Dafür müssen alle an einem Strang ziehen und die zielgerichtete offene transparente Information und Kommunikation ist ein wichtiger Schlüssel dafür. Die Beratung durch die Hauskunft soll dafür auch ausgebaut und die Gebietsbetreuung für die Stadterneuerung etabliert werden.

Arbeitsmarkt und Fachkräfte

Um die anstehenden Aufgaben der Sanierung und Heizungsumstellung bedarf es in naher Zukunft ausreichend Arbeitskräfte die planen und ausführen. Zu dem Thema werden noch Studien durchgeführt und der waff soll ein Fachkräftezentrum einrichten.

Umsetzungsprogramm 2025

Dem Konzept Wiener Wärme und Kälte 2040 folgt das konkrete Umsetzungsprogramm in der ersten Phase bis 2025. Dort sollen die Grundlagen für eine Umsetzung geschafften werden. Der skizzierte rechtliche Rahmen muss tatsächlich geschaffen werden und die Förderschwerpunkte konkretisiert werden. Auch an konkreten Maßnahmen wird im Umsetzungsprogramm bereits gearbeitet.

Ganzheitliche Stadterneuerungen

Ganze Stadtgebiete – so genannte Grätzel – werden in Schwerpunktaktionen bearbeitet und sukzessive saniert und umgestellt. Diese Programme dienen nicht nur dem Energieträgerwechsel im Bestand sondern auch dem Informationsgewinn für die effiziente Bearbeitung weiterer Gebiete und sind aufgrund der Größe der Aufgaben über mehrere Jahre in verschiedenen Phasen angelegt.

Innovative Lösungen

Im Programm 100 Projekte raus aus Gas werden von der Stadt Wien Energieplanung Erkenntnisse aus bereits umgesetzten Projekten und neuen Projekten zur Umstellung von fossilen Energieträgern auf Innovative Lösungen abseits von Fernwärme gesammelt und für den Erkenntnisgewinn zur Verfügung gestellt. Bis 2025 sollen so 100 Projekte umgesetzt, dokumentiert worden sein.

Neubaubereich

Auch im Neubaubereich sind innovative Lösungen in Umsetzung – bestes Beispiel ist das Projekt Village im Dritten wo Wärmepumpen, Tiefensonden, Photovoltaik und Fernwärme optimal zu einer dekarbonisierten Wärmeversorgung kombiniert werden.