Das 14. Energiewirtschaftliche Kolloquium widmete sich den Fragen, wie sich die steigenden Energiesystemkosten effizient und gerecht verteilen lassen und welche Strategien es gibt, sie langfristig stabil zu halten.

Am 17. November lud die AAEE gemeinsam mit Wien Energie und der Vertretung der Europäischen Union in Österreich zum 14. Energiewirtschaftlichen Kolloquium mit dem Titel „Who to Charge – Wie lassen sich die Systemkosten gerecht verteilen?“. Mit der Transformation des Energiesystems bis 2040 ist eine deutliche Erhöhung der Stromnachfrage zu erwarten. Durch den zunehmenden Erneuerbaren-Ausbau steigt auch der Flexibilitätsbedarf stark an, während flexible Kraftwerke altersbedingt vom Netz gehen. Die parallel steigenden Systemkosten stellen uns vor eine aufgeheizte Verteilungsfrage, die in diesem Kolloquium besprochen wurde.
Georg Günsberg (Kontext - Institut für Klimafragen) eröffnete die Veranstaltung mit der Keynote „Investitionen und Kosten im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen“. Er argumentiert, dass die für die Energietransformation notwendigen massiven Investitionen in Netze, Erneuerbare und Flexibilitäten durch die langfristigen positiven Auswirkungen, wie der Unabhängigkeit von Fossilen, gerechtfertigt sind. Gerade auf systemischer Ebene können die langfristige Planung und Koordination Effizienzen entfesseln – zum Beispiel mit einer Kraftwerksstrategie. Wobei parallel dazu mit einem sozialen Ausgleich Akzeptanz geschaffen werden muss.
Im Anschluss diskutierten Christa Schlager (AK Wien), Karina Knaus (ACER), Franz Strempfl (Energienetze Steiermark) und Georg Günsberg wie Systemkosten in einem zunehmend erneuerbaren, elektrifizierten und vernetzten Energiesystem stabilisiert werden können:
Die Synchronizität des Netzausbaus, des Ausbaus erneuerbarer Energieanlagen und der Elektrifizierung stellt eine effiziente Transformation sicher und kann die Systemkosten stabilisieren. Eine Kraftwerkstrategie, die auch die Ziele des ÖNIP berücksichtigt, könnte dabei ein erster wichtiger Schritt sein.
Strom macht erst einen geringen Anteil am Energiesystem aus, der in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen wird. Durch die Elektrifizierung und Dekarbonisierung fossiler Sektoren können wir große Mengen an Energie und THG-Emissionen einsparen, insb. im Verkehr- und Gebäudesektor, und unsere Abhängigkeit von teuren Importen fossiler Energieträger und globalen Entwicklungen verringern.
Das heißt: Geringere geopolitische Preisrisiken, energieeffizientere Technologien, die Betriebskosten verringern, und vermiedene CO2-Kosten können die Kosten langfristig senken.
Die Integration erneuerbarer Energieanlagen erfordert eine ausreichende Verfügbarkeit von Flexibilität. Neben der wichtigen Sektorenkopplung könnte auch ein Kapazitätsmarkt eine wesentliche Rolle spielen, um in einem volatilen erneuerbaren Energiesystem Versorgungssicherheit zu garantieren. Dieses Vorhaben benötigt eine Finanzierung, sorgt aber langfristig für stabilere und weniger krisenanfällige Energiepreise.
Für die Energietransformation sind massive Investitionen notwendig. Es ist ein Umfeld zu schaffen, dass diese begünstigt. So kann durch regulatorische Planungssicherheit oder staatlichen Garantien dazu beigetragen werden, dass privates Kapital für Investitionen mobilisiert wird, die auch kurz- bis mittelfristig die angespannte Wirtschaft ankurbeln würden.
Die stärkere physikalische und institutionelle Integration des europäischen Energiesystems erlaubt in einem Transformationsszenario die Preise für Haushalts- und Industrieendkund*innen tatsächlich langfristig zu senken. Dies könnte mitunter durch eine Harmonisierung von Marktregeln oder mehr Trans-Europäischer Strominfrastruktur ermöglicht werden.
Die Leitfrage „Who to charge?“ lässt sich nur beantworten, wenn das Energiesystem als Ganzes betrachtet wird. Mehrere strategische Hebel werden dafür gebraucht: von einer ganzheitlichen Planung des Energiesystems über eine beschleunigte Dekarbonisierung und Elektrifizierung, bis hin zu marktlichen Mechanismen für Flexibilität, einem investitionsfreundlichen, planungssicheren Umfeld und einer stärkeren europäischen Integration. Die Stabilisierung der Systemkosten im zukünftigen Energiesystem gelingt nur, wenn technische, regulatorische und marktliche Maßnahmen konsequent zusammengedacht werden.

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