Mobilitätsdaten sind das Fundament eines modernen Verkehrssystems. Ihre Qualität entscheidet darüber, wie effizient, nachhaltig und sozial inklusiv unsere Mobilität ist. In Wien wurde mit dem Aufbau der GIP als digitaler Zwilling des Verkehrssystems früh ein wichtiger Schritt gesetzt. Doch warum sind Mobilitätsdaten so entscheidend – und wie sichern wir ihre Qualität und Souveränität?
© Kristine KozakaUnsere Mobilität wird immer komplexer: Schienen, Straßen, Rad- und Fußwege sowie digitale Dienste müssen reibungslos zusammenspielen. Fahrgäste erwarten störungsfreie, durchgängige Reisen in Echtzeit. Die Anforderungen steigen: Multimodale Verbindungen, Lösungen für die erste und letzte Meile, Barrierefreiheit und Krisenresilienz sind gefragt.
Verlässliche Daten sind die Grundlage für Routing, Prognosen und das Management von Ereignissen. Fehlen sie oder sind sie ungenau, entstehen ineffiziente Abläufe, höhere Kosten und ein Vertrauensverlust in das System.
Mit der Graphenintegrationsplattform (GIP) wurde eine gemeinsame Basis für statische Verkehrsdaten geschaffen. Sie bildet sowohl die Infrastruktur ab (z. B. Straßenverlauf, Breite, Belag, Elektrifizierung von Bahnstrecken) als auch die digitale Umsetzung der Straßenverkehrsordnung – etwa, wo welche Fahrzeuge wie schnell fahren dürfen oder wie hoch ein LKW für eine Unterführung sein darf.
Auf dieser Basis können weitere Datensätze wie Fahrpläne, Echtzeitdaten, Verkehrsregeln, Prognosen und Floating-Car-Daten (d.h. in Fahrzeugen generierte Daten z.B. über Position, Geschwindigkeit oder Ereignisse) verknüpft werden.
Zu den wichtigsten Systemen zählen:
Diese Systeme ermöglichen präzise und barrierefreie Routenberechnung und werden laufend erweitert – etwa um Echtzeitinformationen zu Aufzügen und Rolltreppen. Die Zusammenarbeit von ÖBB, Wiener Linien und den GIP-Betreibern hat die Qualität der Umsteigezeiten verbessert, indem auch komplexe Stationsbauwerke integriert wurden.
Auch für die Verwaltung und lokale Fachsysteme sind die Daten essenziell, etwa für die Verortung von Adressen, die Zufahrt für Einsatzfahrzeuge, Umgebungspläne an Bushaltestellen, die Routenplanung für Müllfahrzeuge oder Visualisierungen im Stadtplan Wien. Selbst Friedhofswege wurden für die „Verstorbenensuche“ in die GIP aufgenommen.
Im Erklärtext zu digitalen Mobilitätsplattformen in Österreich wird genauer darauf eingegangen, wie diese Systeme zusammenwirken und welche Rolle sie für Verkehrsplanung, Echtzeitinformationen und multimodale Routenplanung spielen.
Daten und Systeme werden kontinuierlich optimiert – nicht nur als Reaktion auf technologische und organisatorisch-rechtliche Veränderungen, sondern auch als Ausdruck für den Innovationswillen der beteiligten Organisationen.
Ein aktuelles Beispiel ist die Umstellung auf GIP 2.0:
Die Datenpflege erfolgt nun über einen modernen Webclient: das Datenmodell sowie Schnittstellen und Exporte werden an neue Anforderungen angepasst. Ein flexibles Attributsystem erleichtert die Nutzung für neue Themen wie automatisierte Shuttles.
Diese Prinzipien schaffen Vertrauen und ermöglichen Innovation – von lokalen Flexibilitätsmärkten bis hin zu KI-gestützter Verkehrssteuerung.
Die Hochwasser 2024 haben gezeigt, wie wichtig ein vernetztes, automatisiertes Mobilitätssystem ist. Nur durch die enge Zusammenarbeit von öffentlichem Verkehr, digitalen Plattformen und Einsatzkräften konnte die Mobilität aufrechterhalten werden.
Österreich hat eine starke Basis geschaffen – doch die Arbeit geht weiter.
Es gilt:
Nur so entsteht ein Mobilitätssystem, das resilient, inklusiv und zukunftsfähig ist. Zusammenarbeit ist dabei keine Kür, sondern Voraussetzung für den Erfolg.
Mobilitätsdaten sind das Rückgrat eines modernen Verkehrssystems. Ihre Qualität entscheidet über Effizienz, Nachhaltigkeit und soziale Teilhabe. Österreich hat gezeigt, wie durch Kooperation, technologische Innovation und open Data ein starkes Fundament geschaffen werden kann– jetzt gilt es, darauf aufzubauen

Bereichsleiterin ITS Vienna Region | VOR

GIP Betrieb | ITS Vienna Region | VOR