Gastbeitrag: Wasserstoff-Valley in Ost-Österreich H2REAL

Johannes Jungbauer

Einige Wasserstoff-Projekte sind bei Wien Energie bereits am Laufen. Dies war der Anstoß für eine weitere Wasserstoff-Kooperation mit mehreren Partner*innen, um in Ostösterreich eine Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen.

H2 Rohre, Wasserstoff© Adobe Stock

Wasserstoff Rollout: jetzt!

Wien Energie hat in Kooperation mit anderen Konzernunternehmen bereits einige Wasserstoffprojekte umgesetzt. Dazu zählen beispielsweise die H2-Tankstelle in Leopoldau zur Versorgung der Wasserstoffbusse der Wiener Linien und der richtungsweisende Feldversuch im Kraftwerk Donaustadt, bei welchem 15 Vol. % Wasserstoff zum üblicherweise verwendeten Erdgas beigemischt werden. Um zukünftig noch weitere Projekte dieser Art umzusetzen, wurde das Projekt H2REAL ins Leben gerufen. Dabei arbeiten die Wiener Stadtwerke Konzernunternehmen mit mehr als einem dutzend Partnerunternehmen und -organisationen zusammen, um die gesamte Wasserstoffkette zu fördern.

H2REAL ist ein Akronym und steht für „Hydrogen Region East Austria goes Live“. Dieses Projekt ist, wie man am Namen feststellen kann, für den Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur im Osten Österreichs ausgelegt. Im Westen Österreichs beziehungsweise in Mittelösterreich entstehen aktuell ähnliche Regionen. Gemeinsam mit Forschungsinstitutionen werden hier die Bereiche Erzeugung, Transport und Nutzung von Wasserstoff betrachtet und erforscht. Ermöglicht wird dies dadurch, dass Netzbetreiber*innen, Energieversorgungsunternehmen und regionale Wasserstoff-Player aus den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland und Steiermark gemeinsam kooperieren. Wien Energie ist Konsortialführer des Projekts und in den Bereichen erneuerbare Energieproduktion, grüne Wasserstoffproduktion, Energiesektor sowie Mobilität tätig.

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H2REAL
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Ziele

Das Ziel des Projekts ist es, ein sogenanntes Wasserstoff-Valley in Ostösterreich zu entwickeln. Solche Valleys haben den Zweck, Unternehmen und Organisationen zusammenzubringen und gemeinsame Investitionen in die Wasserstofftechnologie zu forcieren. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von innovativen H2-Projekten. Dabei sollen bestehende als auch neue Technologien in die Wasserstoff-Wertschöpfungskette integriert werden. Durch die Einbindung der verschiedenen regionalen Wasserstoff-Unternehmen sollen Synergieeffekte erkannt und die Umsetzung der Projekte beschleunigt werden. Dies soll in Folge auch zu einer Kostenreduktion von grünem Wasserstoff führen. Wasserstoff-Valleys gibt es europa- und auch weltweit bereits in unterschiedlichen Varianten und Größen.

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H2Real_Projektlandkarte
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Erstes Projektjahr erfolgreich abgeschlossen

Das erste Projektjahr ist bereits abgeschlossen. In diesem Jahr ist einiges passiert, es wurde eine 3 MW Elektrolyseanlage in Simmering in Betrieb genommen und der H2 Feldversuch mit der Beimischung von 15 % Wasserstoff zu Erdgas für das Kraftwerk Donaustadt ebnen den Weg für die Dekarbonisierung unserer Kraftwerke. Weiters wurde ein Event zum Erfahrungsaustausch der Branche organisiert, um Unternehmen zusammenzubringen und neue Kooperationen zu fördern. Die technologische Weiterentwicklung hat ebenfalls bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Erste Modelle für Entmischungs-Filter wurden durch die TU Wien entwickelt, um Wasserstoff aus einem Erdgaswasserstoffgemisch heraus zu trennen und eine neuartige Messtechnologie für das Ermitteln der Beschaffenheit einer Gasmischung wurde untersucht. Aktuell arbeitet das AIT daran, für den Ost-Raum Österreichs alle vorhandenen und geplanten Wasserstoffinfrastrukturvorhaben sowie Wasserstoffbedarfe in eine Karte zu packen. Jene Daten, kombiniert mit bereits bestehenden Daten anderer H2-Initiativen wie z.B. InGrid von der AGGM oder die H2 Roadmap sollen genutzt werden, um eine Simulation zu erstellen, welche aus dem heutigen Zustand eine optimierte Wasserstoffinfrastruktur entwickeln soll. Dies bildet sowohl optimierte Standorte für Erzeugungsanlagen, Entscheidungsoptimierungen für pipeline- oder trailerbasierten Wasserstofftransport, sowie eine dazugehörige Wasserstoff-Bedarfsschätzung ab. Ziel ist es, den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu unterstützen und gleichzeitig einen möglichst günstigen Wasserstoffpreis zu erreichen.

Das Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „Vorzeigeregion Energie“ gefördert. Zu den geförderten Demonstratoren zählen neben dem Elektrolyseur in Simmering auch die H2-Beimischung im Kraftwerk Donaustadt, die geplante Beimischstation in Simmering und die Brennstoffzellenbusse der Wiener Linien. Der Projektabschluss, welcher im Mai 2026 stattfinden soll, wird jedoch bereits der Startschuss für zukünftige Kooperationen sein, da dieses Valley die Grundlage hierfür bildet und die Dekarbonisierung der Industrie und Mobilität im Osten Österreichs vorantreiben wird.

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    Johannes Jungbauer

    Abteilungsleitung Wasserstoff