Die Anwendung von Wasserstoff im Stromsektor hat viel Potential in verschiedenen Anwendungsgebieten, steht aber laut dieser Studie von Oesterreichs Energie noch vor großen Herausforderungen welche bald gelöst werden müssen.

Mit dem H2 Roadmap von Oesterreichs Energie wurde aufbauend auf der Stromstrategie 2040 und der darin identifizierten Bedarfsstrukturen, die Rolle von Wasserstoff im zukünftigen österreichischen Stromsektor untersucht, ein Fahrplan für die nächsten zwei Jahrzehnte erstellt und mögliche Handlungsoptionen identifiziert. Diese sollen auch die Grundlage für gezieltes politisches Handeln bilden.
Die Studie listet zahlreiche bereits angelaufene oder sich in Planung befindliche Pilotprojekte im Bereich Wasserstoff, welche auch den Willen der Energiewirtschaft illustriert, hier vom Reden ins Handeln zu kommen. Bis 2030 sind zahlreiche Elektrolyseprojekte geplant, welche für industrielle Nachfrage, den Transportsektor oder die Sektorkoppelung gedacht sind und teilweise auch durch regulatorische Vorgaben des delegierten Rechtsaktes geprägt sind. Der Wasserstoff-Beimischungs Test der Wien Energie sticht hier besonders heraus, wie auch ein oberösterreichisches Projekt zur langfristigen Wasserstoffspeicherung. In der Skalierungsphase ab 2030 muss sich der Hochlauf zur Erreichung der Klima- und Energieziele allerdings drastisch erhöhen, nicht zuletzt auch, weil bis 2040 viele bestehende fossilbetriebene Anlagen ans Ende ihrer Lebensdauer gelangen. Laut österreichischer Wasserstoffstrategie werden bis 2040 67-75 TWh Wasserstoff benötigt, langfristig ist der Bedarf an gasförmigen Energieträgern allerdings weitaus höher.
Nicht nur die großen Mengen, die bald benötigt werden, sind eine Herausforderung, sondern auch die zahlreichen bestehenden Hürden. Die Studie identifiziert fünf grundsätzliche Problemfelder:
Die Studie identifiziert eine Matrix an möglichen Maßnahmen innerhalb der verschiedenen Problemfelder, welche in unterschiedlichem Maße von Marktmechanismen und Staatseingriffen geprägt sind. So sind für Elektrolyseure etwa Investförderungen für den Staat wenig aufwändig oder riskant, laut Einschätzung der Studie besteht allerdings das Risiko, dass bei größeren Zeiträumen der Finanzierungsbedarf nicht ausreichend gedeckt wäre. Im Kontrast dazu würde ein Doppelauktionsmodell durch einen erheblichen regulatorischen Eingriff eine Art staatlich gelenkten Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bedeuten. Hier würde der Staat langfristige Lieferverträge vergeben und so das Angebot sichern, und den bezogenen Wasserstoff kurzfristig vergeben und so den Aufbau Nachfrageseitig steuern und fördern. Dieses Modell würde einen großen Teil des Risikos von den Schultern der Wirtschaft nehmen, gleichzeitig allerdings hohe Kosten, administrativen Aufwand und Risiken für die Allgemeinheit bedeuten. Andere Maßnahmen wie etwa Marktprämien, Grüngasquoten oder CfDs stellen einen Mittelweg zwischen regulatorischen Eingriffen und unternehmerischem Risiko dar, mit unterschiedlichen Vorteilen und Risiken. Auch bei der Stromerzeugung ist das Spektrum an möglichen regulatorischen Handlungsoptionen breit, welche alle auf das ausreichende Vorhandensein H2-Stromerzeugungskapazitäten abzielen, aber unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich ziehen. Die Studie empfiehlt oder fordert für die verschiedenen Anwendungsbereiche nicht explizit einzelne regulatorische Lösungen, betont allerdings recht klar, dass der hohe Finanzierungsbedarf und die derzeitige Marktunsicherheit signifikante staatliche Unterstützung erfordern wird.
Die Anwendung von Wasserstoff im Stromsektor hat viel Potential in verschiedenen Anwendungsgebieten, steht aber laut dieser Studie von Oesterreichs Energie noch vor großen Herausforderungen welche bald gelöst werden müssen. Das Henne-Ei-Problem zwischen Nachfragemangel und fehlender Infrastruktur, regulatorische Mängel, technische Unsicherheiten sowie langfristige Investitionssicherheit müssen alle adressiert werden, wenn eine Wasserstoffwirtschaft in Österreich Realität werden soll. Es besteht außerdem noch kein ausreichender Förderrahmen für Pilotprojekte sowie nach wie vor kein kostendeckendes Finanzierungsmodell für die Skalierungsphase. Trotzdem zeigen bereits jetzt anlaufende Pilotprojekte, dass die technischen Grundlagen und der Wille der Energiewirtschaft gegeben sind und - sofern die richtigen Maßnahmen gesetzt werden - ein ambitionierter Start in die Wasserstoffwirtschaft möglich ist.
