Gastbeitrag: Die Wien Energie Systemvision im Rahmen von ZusammEn2040

Hamid Aghaie
Stefanie Schreiner-Fuß

Wien Energie, als einer der größten regionalen Energieversorger Österreichs, verfolgt ein klares Ziel: Eine sichere, klimaneutrale Energieversorgung für Wien bis zum Jahr 2040. Um dieses Ziel zu erreichen, wird auf ein ganzheitliches Versorgungskonzept für Strom, Wärme und Kälte gesetzt – basierend auf erneuerbaren Energiequellen.

Windrad & ein Strommast
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Die Zukunft der Strom- und Wärmeversorgung ist grün, effizient und sektorgekoppelt

Im Rahmen der APG-Initiative ZusammEn2040 wird Stakeholdern das ganzheitliche europäische Modellierungssystem der APG zur Verfügung gestellt, um, basierend auf ihren eigenen Inputparametern, Visionen für das zukünftige Energiesystem zu berechnen. Das verwendete Modell ermöglicht eine voll sektorengekoppelte, zeitlich hoch aufgelöste Analyse des Wiener Energiesystems, als integrierter Bestandteil des Österreichischen und Europäischen Verbundsystems. Im Zentrum der Zusammenarbeit zwischen Wien Energie und APG stand das produktive wechselseitige Lernen und die gegenseitige Erhöhung der Datenqualität. (Disclaimer: Die im Folgenden dargestellte Systemvision beruht ausschließlich auf den Einschätzungen und Visionen von Wien Energie – eine Position der APG lässt sich aus den Ausführungen nicht ableiten.)

Die Systemvision im Überblick

Die Energiesystemvision von Wien Energie macht deutlich: Auch in einem klimaneutralen Energiesystem werden hochflexible, grüngasbasierte thermische Kraftwerke eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit spielen – sowohl im Strom- als auch im Wärmesektor. Derzeit fehlen die Rahmenbedingungen für notwendige Investitionen in den Bau neuer hochflexibler Kraftwerke. Über thermische Kraftwerke hinaus tragen Großwärmepumpen sowie E-Heizer zur Flexibilitätsbereitstellung im Strommarkt und in der Wärme- und Kälteerzeugung bei. Eine gesamthafte Kraftwerksstrategie, welche alle Technologien berücksichtigt, ist daher unerlässlich für den Erfolg eines zukünftigen, dekarbonisierten Energiesystems. Nur so können die volkswirtschaftlichen Kosten beim Umbau des Energiesystems effektiv minimiert werden, während der hohe Versorgungssicherheitsstandard in Österreich gewährleistet bleibt.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

Erneuerbarer Ausbau als Fundament der Klimaziele

Der Strombedarf in Österreich verdoppelt sich bis 2040 beinahe. Ein massiver Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung ist essenziell, um die ambitionierten Klima- und Energieziele zu erreichen. Besonders Wien trägt durch die verstärkte Installation von Photovoltaikanlagen auf Dachflächen erheblich zur Dekarbonisierung bei.​ Während im Sommer die Photovoltaik einen großen Teil des Strombedarfs Wiens abdeckt, sichern im Winter flexible thermische Kraftwerke und Stromimporte die Versorgung.

Großbatteriespeicher sichern Netzstabilität

Großbatteriespeicher spielen eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit und erhöhen die Netzstabilität. Sie ermöglichen die Integration erneuerbarer Energieträger durch systemdienliche Lastverschiebung und können dazu beitragen das Stromnetz der Zukunft zu entlasten.​ Großbatteriespeicher in Österreich nehmen bis 2040 auf 3,2 GW deutlich zu.

Erzeugungsportfolio für die Fernwärme wird diversifizierter, flexibler und klimafreundlicher

Die Fernwärmeversorgung der Zukunft erfordert ein vielseitiges Erzeugungsportfolio, das Großwärmepumpen, TiefengeothermieMüllverbrennungsanlagen mit CO2-Abscheidung, E-Heizer und hochflexible grüngasbasierte thermische Kraftwerke sowie Wärmespeicher umfasst.

Das Diagramm zeigt ein detailliertes Bild der Fernwärmebereitstellung in Österreich im Jahr 2040 und macht deutlich, dass sich die verschiedenen Technologien gut ergänzen. Geothermie und thermische Abfallverwertung sichern als konstante Quellen die Grundlastversorgung. Wärmepumpen leisten mit 11 TWh den größten Beitrag zur Fernwärmeversorgung und dominieren den Fernwärmemix. Sie sind flexibel einsetzbar und spielen eine zentrale Rolle bei der Elektrifizierung des Wärmesektors. In den Wintermonaten übernehmen vor allem Grüngas-Heizwerke und -KWK-Anlagen sowie Biomassekraftwerke die Deckung des Wärmebedarfs. Diese flexiblen Technologien – ergänzt durch Tagesspeicher – sind essenziell, um Spitzenlasten zuverlässig abzudecken.

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Thermische Kraftwerke bleiben unverzichtbar

Für ein klimaneutrales Österreich sind Investitionen in thermische Kapazitäten, die vor allem mit Grüngas betrieben werden, essenziell, um Spitzenlasten im Wärme- und Stromsektor während der kalten Dunkelflaute abzudecken und die Versorgungssicherheit im Strom- und Wärmesektor zu gewährleisten. Aktuell fehlen jedoch die notwendigen regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Investitionen in neue Anlagen. Ein intensiver Diskurs über geeignete Fördermechanismen für neue flexible Kraftwerkskapazitäten – beispielsweise über die Einführung eines Kapazitätsmechanismus – ist daher erforderlich.

Fazit

Die Energiesystemvision von Wien Energie zeigt einen klaren Weg in eine nachhaltige, klimaneutrale Zukunft. Sie verbindet den Ausbau erneuerbarer Energien mit innovativen Technologien und flexiblen Systemlösungen. Damit leistet Wien Energie einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der nationalen und europäischen Energie- und Klimaziele – und sichert gleichzeitig eine stabile Versorgung für kommende Generationen. Die vollständige Vision inklusive interaktiver Grafiken ist hier zu finden: Energiesystemvision Wien Energie - Österreich braucht Strom.