Gastbeitrag: Wien tankt Sonne für morgen

David Tudiwer

Im Regierungsprogramm 2020 hat sich die rot-pinke Wiener Stadtregierung das Ziel gesetzt, bis 2030 800 MWp Leistung an Photovoltaik im Stadtgebiet zu erreichen. Als Zwischenziel galt es, bereits 2025 schon 250 MWp PV-Leistung zu installieren. Dieser Meilenstein konnte vergangenen März erreicht werden. Werfen wir einen Blick auf die Wiener Sonnenstrom-Offensive der letzten 5 Jahre.

Solarkraftwerk Montage auf den Dächern Wiens
BuergerInnen_Solarkraftwerk_Wien_Mitte_WienerStadtwerke
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Wien auf dem Weg zur Klimaneutralität

Wien hat sich das Ziel gesetzt, die Stadt bis 2040 zu dekarbonisieren und Klimaneutralität zu erreichen. Als Leitfaden dafür gilt der Wiener Klimafahrplan. In diesem werden unter anderem Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung im Stadtgebiet festgelegt. So soll die erneuerbare bzw. dekarbonisierte Energieerzeugung in Wien bis 2030 auf das Dreifache und bis 2040 auf das Sechsfache gegenüber 2005 steigen. Ein wesentliches Handlungsfeld ist hier die Energieerzeugung aus Photovoltaik im Stadtgebiet. Rund die Hälfte der Dachflächen in Wien ist laut dem Wiener Solarpotenzialkataster für die Gewinnung von Solarenergie geeignet. Um möglichst viele der Gebäudeflächen sowie der versiegelten Flächen für die Energieerzeugung zu nutzen, hat die Stadt Wien 2021 die Wiener Sonnenstrom-Offensive gestartet.

Wiener Sonnenstrom-Offensive

Im Rahmen der Wiener Sonnenstrom-Offensive möchte die Stadt mit gutem Vorbild vorangehen und bis 2025 auf stadteigenen Flächen überall dort, wo es möglich und sinnvoll ist, PV-Anlagen installieren. Damit ist es jedoch nicht getan. Um die im Klimafahrplan festgelegten Ziele zu erreichen, wurden zahlreiche Handlungsfelder identifiziert. Dazu gehört neben dem Ausbau von PV-Anlagen auf stadteigenen Flächen auch die Ausarbeitung von Entwürfen für Gesetzesnovellen und die Vereinfachung behördlicher Verfahren.

Gesetzesnovellen im Zuge der Wiener Sonnenstrom-Offensive

Zu den für den Photovoltaik-Ausbau in Wien entscheidenden Landesgesetzen gehören primär die Bauordnung für Wien (WBO) und das Wiener Elektrizitätswirtschaftsgesetz 2005 (WElWG). Diese beschreiben behördliche Verfahren, die notwendig sind, um PV-Anlagen in Wien zu errichten. Außerdem werden in diesen Gesetzen Regeln aufgezeigt, die bei der Errichtung und dem Betrieb von PV-Anlagen zu berücksichtigen sind.

Novellierung der Bauordnung für Wien:

Die Wiener Bauordnung wurde im Jahr 2023 novelliert. Sie sieht eine Verdoppelung der PV-Verpflichtung für die Neuerrichtung von Wohngebäuden vor und erweitert die Möglichkeit für PV-Überdachung von Parkplätzen. Außerdem wurden die Verfahren umfassend vereinfacht. Vor der Novellierung mussten alle PV-Anlagen, die auf Gebäuden mit einer Fluchthöhe von mehr als 11 Meter Höhe installiert wurden, bewilligt werden. Nach der Novellierung ist die Errichtung von PV-Anlagen meistens bewilligungsfrei. Davon ausgenommen sind weiterhin PV-Anlagen im Grünland-Schutzgebiet, in Gebieten mit Bausperre sowie Schutzzonen, um sicherzustellen, dass andere Ziele der Stadt nicht konterkariert werden.

Novellierung des Wiener Elektrizitätswirtschaftsgesetz 2005:

Das WElWG wurde dahingehende novelliert, dass nunmehr keine Bewilligungs- oder Anzeigepflicht für Errichtung, Betrieb und Änderung von Photovoltaikanlagen mit einer Engpassleistung (maximale Anlagenleistung unter Berücksichtigung des schwächsten Anlagenteils) von maximal 15 kW besteht. Davon sind auch PV-Anlagen mit Stromspeicher oder vertikale PV-Anlagen nicht ausgenommen. Das vereinfachte Verfahren nach WElWG ist aufgrund der Novellierung bis zu einer Engpassleistung von 250 kW möglich. Davor war die Engpassleistung von 100 kW die Leistungsgrenze dafür.

Vereinfachung bestehender Verfahren

Auf Basis der neuen Landesgesetze konnten die behördlichen Verfahren für PV-Projekte in Wien deutlich vereinfacht werden. Informationen rund um das Thema PV-Ausbau, Bewilligung und Betrieb werden zusätzlich in übersichtlicher Form und leicht zugänglich auf den Kommunikationskanälen der Stadt, in dem Fall der MA37, veröffentlicht.

Außerdem hat die Stadt Wien bei der Urban Innovation Vienna ein Beratungsservice eingerichtet, das gratis zu Förderungen und behördlichen Verfahren informiert. Dieses stellt auch Verfahrenshandbücher bereit, die niederschwellig einen Überblick zu den behördlichen Verfahren bieten.

PV-Ausbau auf stadteigenen Flächen

Zentrales Ziel der Stadt Wien ist es, im Rahmen der Sonnenstrom-Offensive selbst mit anzupacken. Dafür wird gemeinsam mit der Wien Energie daran gearbeitet, stadteigene Flächen bestmöglich mit PV-Anlagen auszurüsten. Das Ziel, bis Ende 2025 eine PV-Leistung von 50 MWp auf stadteigenen Flächen zu betreiben, wurde ebenfalls bereits im März erreicht. Das bedeutet, dass ca. 20% der PV-Leistung innerhalb des Wiener Stadtgebietes auf stadteigenen Flächen installiert ist.

Leuchtturmprojekte in Wien

Die Stadt Wien nutzt Ihre Flächen auch, um innovative PV-Projekte umzusetzen. Ein Ziel ist es, neues Wissen über PV-Anlagen und deren Auswirkungen auf das Umfeld zu generieren und Erfahrungen zu sammeln. Beispielsweise gibt es im 22. Bezirk eine PV-Anlage auf einer Fläche des Magistrats, die mit PV-Anlagen ausgestattet ist. Zwischen den Modulreihen wird eine Ackerfläche bewirtschaftet (Abbildung 1) oder es werden Schafe gehalten (Abbildung 2). Aufgrund dieser Versuchsflächen können Erfahrungswerte gesammelt werden, wie Flächen mehrfach genutzt werden können.

Große Hallen haben häufig wenig statische Reserven. Das kann bei der Errichtung einer PV-Anlage problematisch sein. Um auch diese Flächen mit PV ausrüsten zu können, setzt die Stadt auf Leichtmodule. Beispielsweise wurde die Sporthalle in Kagran mit derartigen Modulen ausgerüstet (Abbildung 3).

Auch Infrastrukturflächen der Stadt Wien eignen sich hervorragend für PV-Anlagen. Beispiele dafür sind die Dächer von U-Bahnstationen, Friedhofsflächen, Dächer von Krankenhäusern (Abbildung 4), dem Hafen Freudenau oder das Dach des Wasserspeichers in Unterlaa (Abbildung 5).

  • © Foto David Tudiwer

    David Tudiwer

    Co-Programmleiter der Wiener Sonnenstrom-Offensive, Magistratsdirektion Geschäftsbereich Bauten und Technik, Stadt Wien