Entwicklung des Biomethanmarktes in Österreich und Europa

Michael Schnur

Die vom Beratungsunternehmen Guidehouse durchgeführte Studie untersucht die Entwicklung des Biomethanmarkts in Europa bis 2050. Ziel der Studie ist es, Chancen, Risiken und wirtschaftliche Potenziale zu bewerten und eine Grundlage für nationale Überlegungen zu schaffen.

Biogas Anlage neben einem Feld, blauer Himmel© Adobe Stock

Das Wichtigste in Kürze

  • Biomethan kann in Europa einen deutlich größeren Beitrag zur Dekarbonisierung leisten, doch der Markt bleibt stark von Regulierung, Förderung und Zertifizierung abhängig.
  • Das technische Potenzial in Europa steigt laut Studie von 450 TWh im Jahr 2030 auf 1.700 TWh im Jahr 2050. In Österreich wächst es im selben Zeitraum von 6 auf 40 TWh, jedoch stark abhängig von der technischen Entwicklung – besonders bei der thermischen Vergasung – und der Beseitigung wirtschaftlicher Hemmnisse.
  • Biomethan entwickelt sich laut Studie nicht zu einem billigen Massenprodukt, sondern zu einer strategischen Ressource für jene Bereiche, die schwer zu dekarbonisieren sind.

Biomethan rückt in den Fokus

Biomethan gewinnt in Europa an Bedeutung, weil es fossiles Erdgas ersetzen, die Energieversorgung absichern und zur Erreichung der Klimaziele beitragen kann. Die Studie zeigt zugleich, dass der Markthochlauf nicht automatisch erfolgt. Entscheidend sind regulatorische Vorgaben, Fördermodelle, Zertifizierungssysteme und die Entwicklung der Nachfrage in den einzelnen Sektoren.

Europa setzt ambitionierte Ziele

Auf europäischer Ebene setzt RePowerEU ein ambitioniertes Ziel von 35 Milliarden Kubikmetern Biomethan bis 2030. Die RED III hebt zugleich die Ziele für erneuerbare Energie an und sieht für den Verkehrssektor entweder 29 Prozent erneuerbare Energie oder eine Treibhausgasminderung von 14,5 Prozent bis 2030 vor. Auch FuelEU Maritime und ReFuelEU Aviation schaffen zusätzliche Nachfrage nach erneuerbaren gasförmigen und biogenen Energieträgern. Biomethan, ein europäisch verfügbares und über bestehende Infrastruktur verteilbares erneuerbares Gas, kann hier zumindest als Brückentechnologie eine entscheidende Rolle in der Dekarbonisierung der EU spielen.

Österreich weiterhin stark von Regulierungen abhängig

In Österreich ist Biomethan im EU-Emissionshandel grundsätzlich anrechenbar, wenn Herkunftsnachweis und Nachhaltigkeitsnachweis korrekt gekoppelt sind und Doppelzählungen ausgeschlossen werden. Gleichzeitig zeigt die Studie die Problematik der Komplexität und Unreife der Register- und Nachweissystemlandschaft in Europa und in Österreich auf. Der grenzüberschreitende Handel ist dadurch stark eingeschränkt, was zu großen regionalen Unterschieden im Hinblick auf Preise und Mengen führt. Hier soll die Einführung der Union Database im Rahmen der Neufassung der RED II Abhilfe verschaffen, welche die Nachhaltigkeitskriterien im EU-Handel sicherstellen und den Handel generell vereinfachen soll.

Auch auf der Förderseite besteht Unsicherheit: 2024 standen über die EAG-Investitionszuschussverordnung-Gas 40 Millionen Euro zur Verfügung, für 2025 war jedoch kein neues Budget vorgesehen. Das Erneuerbare-Gase-Gesetz, von der Branche als notwendiger Startschuss für die Biomethan-Ära herbeigesehnt, befindet sich weiterhin in politischer Abstimmung.

Großes Potential und sinkende Kosten

Die Studie beziffert das nachhaltige Biomethanpotenzial in Europa für 2030 mit 448,9 TWh. Bis 2050 steigt es auf 1.731,4 TWh. In Österreich liegt das technische Potenzial 2030 bei 6,2 TWh und 2050 bei 39,4 TWh. Besonders stark wächst dabei das Potenzial aus der thermischen Vergasung, sofern es hier zu entsprechenden technologischen Entwicklungen kommt. 2050 könnten in Österreich bereits 75 Prozent des Biomethanpotenzials mithilfe dieser Technologie erzeugt werden, Forstabfälle allein sollen 15 TWh beisteuern.

Hinsichtlich der Gestehungskosten prognostiziert die Studie bei entsprechenden Rahmenbedingungen eine klare Bewegung nach unten. Für anaerobe Vergärung werden europäisch 2030 rund 100 Euro pro MWh angenommen, bis 2050 können die Kosten auf bis zu 50 Euro pro MWh sinken. Bei thermischer Vergasung geht die Analyse von 105 Euro pro MWh im Jahr 2030 aus, 2050 sollen es nur noch bis zu 45 Euro pro MWh sein. Entscheidend hierfür ist die Skalierung der Projekte und entsprechende technologische Entwicklung, für die es jedoch verstärkte Marktanreize braucht. Nur dann kann die thermische Vergasung langfristig zu einem zentralen Hebel für zusätzliche Mengen und geringere Kosten werden.

Österreich startet mit Nachteilen

Für Österreich zeigt die Studie allerdings auch strukturelle Nachteile. Die Anlagen sind im Durchschnitt kleiner als im europäischen Markt, was zu negativen Skaleneffekten führt. Dadurch dürften die Biomethanpreise in Österreich 2030 spürbar über dem europäischen Durchschnitt liegen. Die Studie sieht hier im Jahr 2030 Mehrkosten in der Höhe von rund 20%. Solange der grenzüberschreitende Handel eingeschränkt bleibt, wirkt sich das direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.

 

Verkehr und ETS als mögliche Absatzmärkte

Für 2030 kommt die Studie zu einem klaren Ergebnis: In allen drei Szenarien ist Biomethan hauptsächlich im Verkehrssektor wirtschaftlich abbildbar. Ausschlaggebend sind vor allem die Pönalen im Rahmen der Kraftstoffquoten. Durch starke nationale Unterschiede in der regulatorischen Umsetzung kann damit aber keine europäische Preishomogenität abgebildet werden.

Ab 2040 werden laut Guidehouse Studie auch vom ETS abgedeckte Sektoren interessant. Im Basisszenario entsteht durch den Verkehrssektor und ETS II ein wirtschaftliches Potenzial von 819 TWh in Europa. Erst Richtung 2050 wird Biomethan dann auch in ETS I Sektoren wirtschaftlich relevant. Gleichzeitig bleibt der Markt knapp, weil Biomasse und Biogas auch in Konkurrenz zu anderen Nutzungen stehen. Biomethan entwickelt sich damit laut Studie nicht zu einem billigen Massenprodukt, sondern zu einer strategischen Ressource für jene Bereiche, die schwer zu dekarbonisieren sind.

Die größten Hürden bleiben bestehen

Als zentrale Risiken nennt die Studie die unsichere Verfügbarkeit großer Mengen, die komplizierte Zertifizierung, offene Fragen bei der Anrechenbarkeit im Emissionshandel und den noch ausstehenden Hochlauf der thermischen Vergasung. Ohne passende Förderinstrumente und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen dürfte das vorhandene Potenzial nur teilweise gehoben werden.

Fazit

Die Marktanalyse zeigt ein klares Spannungsfeld: Biomethan verfügt in Europa und in Österreich über erhebliches Potenzial, bleibt aber auf absehbare Zeit ein knappes und politisch geprägtes Produkt. Kurzfristig bietet vor allem der Verkehrssektor wirtschaftliche Einsatzmöglichkeiten. Langfristig wird entscheidend sein, ob regulatorische Hürden sinken, der grenzüberschreitende Handel funktioniert und die thermische Vergasung in den Markt kommt.