Gastbeitrag: Wasserstoff Marsch – Wasserstoff kommt aus der Leitung!

Peter Jurik

Die von AGGM in Kooperation mit den Gas-Netzbetreibern erstellte „H2-Roadmap für Österreich“ liefert einen Ausblick auf die Entwicklung der Gasinfrastruktur und des Energiebedarfs bis 2050.

Wasserstoff H2 Molekül auf blauem Hintergrund
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Die H2-Roadmap für Österreich

Der Auftrag ist klar: Wir alle wollen einen lebenswerten Planeten erhalten und weitergeben. Daher muss der Klimawandel gebremst und der Temperaturanstieg auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Österreich, als reiches Hochtechnologie-Land, kann hierbei eine Vorreiterrolle einnehmen. Das ist unser Antrieb, unsere Motivation. Grüner Wasserstoff wird bei der Dekarbonisierung des Energiesystems eine zentrale Rolle spielen.
Die Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) sorgt als Markt- und Verteilergebietsmanager dafür, dass das von den Marktteilnehmern in das österreichische Gasnetz eingespeiste Gas verlässlich bei den Netzkunden ankommt. Als unabhängiger Systembetreiber planen wir das österreichische Gasnetz der Zukunft und zeigen Lösungen für die klimaneutrale Zukunft auf. Mit unseren Partnern erarbeiten wir Lösungen, wie erneuerbare Gase eingespeist und verteilt werden können, um die Energiesystemwende bis 2040 zu erreichen.

Die von AGGM in Kooperation mit den Gas-Netzbetreibern erstellte H2-Roadmap für Österreich“ liefert einen Ausblick auf die Entwicklung der Gasinfrastruktur und des Energiebedarfs bis 2050. Die Conclusio gleich zu Beginn:

Die Infrastruktur für den künftigen Wasserstofftransport ist bereits da!

Die Basis für diese Arbeit bildete die Studie „ONE100- Österreichs nachhaltiges Energiesystem – 100% dekarbonisiert“. Sie hat deutlich gezeigt, dass für ein dekarbonisiertes Energiesystem eine dezidierte Transportinfrastruktur für Wasserstoff erforderlich ist. Darauf aufbauend haben wir im Frühjahr 2022 eine umfassende Bedarfserhebung für Methan und Wasserstoff bei Industrieunternehmen durchgeführt.

Das Ergebnis der Bedarfserhebung zeigt: beginnend mit 2025 steigt der Bedarf für Wasserstoff ab 2030 rasant. Im Jahr 2050 ergibt sich ein Wasserstoffbedarf von über 60 TWh, kombiniert mit einem Methanbedarf von etwa 50 TWh – der künftig zu einem großen Teil mit regional produziertem Biomethan gedeckt werden kann. Die Ergebnisse der Bedarfserhebung finden Sie hier.

Die Summe des Bedarfs für gasförmige Energieträger deckt sich mit den Erwartungen des Bundesministeriums für Klimaschutz und wurde der H2-Roadmap zugrunde gelegt. Die Studie „Erneuerbares Gas in Österreich 2040“ der Energieagentur – erstellt im Auftrag des BMK – kommt zu dem Schluss, dass 2040 ein Energiebedarf für gasförmige Energieträger von 89-138 TWh vorliegen wird. Der – im Vergleich zur aktuellen Nachfrage – künftig niedrigere Bedarf für Methan schafft die Möglichkeit, bestehende Gasleitungen für den Transport von erneuerbarem Wasserstoff umzuwidmen.  Damit werden deutliche Kostenvorteile im Vergleich zu einem Neubau von Gasleitungen für den Wasserstofftransport erzielt. Die technische Möglichkeit dieser Umwidmungen hat sich im Projekt H2-Roadmap für Österreich bestätigt.

Bestehende Leitungen liefern bestechende Leistungen

Das aktuelle Gasnetz weist eine enorm hohe Transportkapazität auf. Um auch den künftigen Transportbedarf für Methan und Wasserstoff abzudecken und zwei getrennte Gasleitungssysteme zu schaffen, müssen lediglich 300 Kilometer neue Gasleitungen als Lückenschlüsse errichtet werden. Der Rest kann über die Umwidmung von rund 1.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen geschafft werden. Das haben unsere aktuellen hydraulischen Berechnungen des bestehenden Gasnetzes ergeben. Die Basis für ein schnell verfügbares, ausschließliches Wasserstoffnetz.

Diese vorrangige Verwendung von bestehenden Gasleitungen – speziell von vorhandener Parallelinfrastruktur – garantiert den schnellen und kostengünstigen Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur, die die Nachfrage in ganz Österreich befriedigen kann und auch Kapazitäten für den Transit zur Verfügung stellt. Der Wasserstoff, den die Unternehmen für ihre Dekarbonisierungsprojekte brauchen werden, kann daher bedarfsgerecht über das Gasnetz geliefert werden.

Details zur H2-Roadmap für Österreich, der möglichen Wasserstoffaufbringung, den Wasserstoffspeicheroptionen und aussichtsreichen Elektrolysestandorten finden Sie im Kapitel 2.3.2 der Langfristigen und integrierten Planung 2022!

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Wasserstoff Marsch – erste konkrete Projekte

Wesentliche Bausteine der H2-Roadmap für Österreich sind die Umwidmung jeweils eines Leitungsstranges der West-Austria-Gasleitung (WAG) sowie der Trans Austria Gasleitung (TAG) bis 2030. Die beiden Fernleitungen stellen das Herzstück der Ost-West- und Nord-Süd-Verbindung im europäischen Gas-Transitnetz dar. So kann zukünftig Wasserstoff beispielsweise aus Nordafrika über Italien nach Österreich (TAG) und auch weiter nach Deutschland (WAG) geliefert werden. Genauso gut kann dann aber auch aus Deutschland Wasserstoff nach Österreich fließen.

Die entsprechenden Planungsprojekte der Fernleitungsnetzbetreiber Gas Connect Austria und der Trans Austria Gasleitung GmbH liegen bereits bei E-Control zur Genehmigung. Auf europäischer Ebene sind die Projekte im Rennen um die Anerkennung als „Projects of Common Interest – PCI“.

Details zu den Projekten, die sich in ein europäisches Wasserstoffnetz als Teil des European Hydrogen Backbone perfekt einfügen, gibt’s im Koordinierten Netzentwicklungsplan 2022 für das Fernleitungsnetz (KNEPzum Nachlesen.

Ab 2026: Erneuerbarer Wasserstoff aus dem Burgenland

Über das Leitungsprojekt H2Collector Ost soll ab 2026 erneuerbarer Wasserstoff aus dem nördlichen Burgenland Richtung Wien transportiert werden. Ökostrom wird vor Ort in Wasserstoff umgewandelt und effizient in einer Gasleitung zu den Abnehmern transportiert. So gelingt die rasche Integration von zusätzlich produziertem grünem Strom in das Energiesystem.

Woher kommt der grüne Wasserstoff? Pannonian Green Hydrogen – PanHy ist ein Projekt des VERBUND und Burgenland Energie. Es handelt sich dabei um die derzeit größte österreichische Elektrolyseanlage – mit 60 MW in der ersten Ausbaustufe und 300 MW im Endausbau. Entlang der zukünftigen Trasse des H2Collector Ost finden sich noch weitere aussichtsreiche Standorte für zusätzliche Elektrolyseanlangen. Die Umsetzung des H2Collector Ost ermöglicht daher die Ernte von einer signifikanten Menge an zusätzlicher von Wind- und Sonnenenergie.

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Die Genehmigung der Planungsschritte der Energienetze Burgenland, Netz Niederösterreich, Wiener Netze und Gas Connect Austria für den Bau des H2Collector Ost wird derzeit von E-Control geprüft. Um den herausfordernden Zeitplan einhalten zu können, sind von allen Seiten schnelle Entscheidungen erforderlich – das Potential die Energiewende voranzutreiben ist jedenfalls da! Die Projektbeschreibung zum H2Collector Ost gibt’s übrigens im Kapitel 2.3.2.1 der LFiP zum Nachlesen!

Wasserstoff-Wissen zum Mitnehmen:

Sie wollen mehr über die H2-Roadmap und den H2Collector Ost erfahren? Dann melden Sie sich einfach zum Webinar „Facilitating the development of a market for hydrogen - CEGH GreenHydrogen Index and AGGM H2-Roadmap for Austria“ an! Gemeinsam mit dem Central European Gas Hub organisieren wir das Webinar am 19.4.2023, 10.00 bis 11.00 Uhr. Hier geht’s zur Anmeldung!

  • Peter Jurik

    Regulatorische Angelegenheiten und Kommunikation, AGGM Austrian Gas Grid Management AG