Österreich hat sich eine 100 % erneuerbare Stromerzeugung bis 2030 zum Ziel gesetzt. Um die Stromwende zu realisieren, sind massive Investitionen in die Transformation des Energiesystems erforderlich. Unsere aktuelle WIFO-Studie zeigt nun am Beispiel des Erneuerbaren-Ausbaus von Wien Energie in der Steiermark, dass dieser nicht nur in den Klimaschutz einzahlt, sondern auch Wertschöpfung in der Region schafft und zur Versorgungssicherheit beiträgt.
© Wien EnergieFür die Analyse wurden die Investitionen von Wien Energie in erneuerbare Energieanlagen in der Steiermark in den Jahren 2018-2035 betrachtet und welche regionalökonomischen und außenwirtschaftlichen Effekte diese auslösen.
Von 2018 bis 2035 investiert Wien Energie rund 750 Millionen Euro in den Erneuerbaren-Ausbau in der Steiermark. 615 Millionen Euro davon fließen in den kommenden zehn Jahren. Dadurch entsteht bis 2035 ein Kraftwerkspark von 530 MW. Unsere regionalökonomischen Modelle (also Rechenmodelle zur Bewertung wirtschaftlicher Effekte in den österreichischen Bundesländern) zeigen, dass fast zwei Drittel der Investitionen als Wertschöpfung in der Steiermark erhalten bleiben. Gemeinsam mit den Betriebsausgaben werden durch die Investitionen rund 605 zusätzliche Beschäftigte pro Jahr ausgelastet.
Rund 13,4 Milliarden Euro flossen im Jahr 2024 aus Österreich für den Import fossiler Energieträger ins Ausland ab. Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien verdrängt fossiles Erdgas aus dem Strommix. Dies verringert unsere Vulnerabilität gegenüber globalen Märkten und geopolitischen Krisen. Im Jahr 2035 werden die betrachteten Wien Energie Anlagen 1 TWh lokalen erneuerbaren Strom erzeugen und dadurch die Handelsbilanz für ganz Österreich um 54 Millionen Euro verbessern. Gleichzeitig sollten durch den frühzeitigen Aufbau neuer Lieferketten, den Ausbau von Stromnetzen und Speichern sowie die Förderung von F&E beim Recycling und dem Design von erneuerbaren Energieanlagen neue Abhängigkeiten verringert werden.
Die Studie erwähnt auch einen Mechanismus, der als „Renewables Pull“-Effekt bezeichnet wird: Regionen mit hoher Verfügbarkeit kostengünstiger, erneuerbarer Energie werden für energieintensive Industrien attraktiver. Denn Unternehmen reagieren zunehmend auf geopolitische und marktbedingte Unsicherheiten. Lokale erneuerbare Energiequellen können diese Unsicherheiten reduzieren und tragen zu einem resilienteren Standort bei. Die Steiermark könnte damit einen strukturellen Standortvorteil aufbauen.
Die Investitionen wirken auch auf das verfügbare Einkommen, den Konsum und Steuereinnahmen. Insgesamt generieren Investitionen und Betriebsausgaben von Wien Energie jährlich rund 20 Millionen Euro an fiskalischen Einnahmen. Davon fließen jeweils die Hälfte in Sozialversicherung und auf die Konten von Bund, Länder und Gemeinden. Gemeinden profitieren damit auch durch induzierte Einnahmen aus der zusätzlichen regionalen Wertschöpfung durch den Ausbau erneuerbarer Energien.

Direktor des Österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO)