Auch zehn Jahre nach Fukushima sind das Sicherheitsproblem von AKWs und die Atommüll-Frage weiterhin ungelöst. Mittlerweile ist die Atomkraft aber bereits weit teurer als erneuerbare Erzeugungstechnologien, wie Reinhard Uhrig von GLOBAL 2000 in einem Gastbeitrag vorstellt.

Atomkraft ist eine gescheiterte Technologie des vergangenen Jahrhunderts, die ohne massive öffentliche Subventionen noch nie gebaut wurde und marktwirtschaftlich nicht wettbewerbsfähig ist, ganz zu schweigen von ihren ungelösten Sicherheitsproblemen und der auch weiterhin ungelösten Atommüll-Frage. Die Zahl der Atom-Reaktoren weltweit stagniert seit langem – derzeit laufen 443 Reaktoren, die mangels substantiellen neuen Inbetriebnahmen im Durchschnitt immer älter werden, derzeit schon über 30 Jahre. In den letzten Jahren wird daher von der Atom-Lobby vermehrt das Argument der angeblichen „Klimafreundlichkeit“ von Atomkraft ins Rennen gebracht, um diesen Niedergang mittels weiterer öffentlicher Subventionen doch noch umzukehren.
Die Unwirtschaftlichkeit von Atomkraft wurde schon oft belegt, nun einige Zahlen von Quellen, die sicher nicht als „atomkritisch“ verdächtig sind:
Die US Investmentbank Lazard veröffentlicht jährlich ihre Levelized Cost of Electriticy-Berichte zu den Gestehungskosten verschiedener Stromerzeugungs-Technologien – aus einer Investoren-Perspektive, die schlicht den größten Return on Investment sehen wollen. Lazard kommt zum Schluss, dass Atomkraft – mit derzeit zwischen 129 und 198 US-Dollar pro Megawattstunde – weit über den Kosten für Erneuerbare wie Gemeinschafts-Solarkraftwerke (63–94 $) geschweige denn großer Solarkraftwerke (29–38 $) oder Windkraft (26–54 $) liegt.

Die Internationale Energie Agentur (IEA World Energy Outlook 2020) ergänzt diesen Gestehungskosten-Vergleich noch um den Faktor der System-Dienlichkeit: Flexibilität, verschiedene Betriebscharakteristika, Grundlastfähigkeit versus Volatilität werden ebenfalls mit einbezogen. Auch das Ergebnis dieses „Value-adjusted Levelized Cost of Electricity“ (VALCOE) ist vernichtend für Atomkraft: Für die EU im Jahr 2019 berechnet die Agentur Kosten für Atom in Höhe von 145 US-Dollar pro Megawattstunde – für Solar 85 $, für Windkraft auf Land 80 $ und selbst für Offshore-Windkraft 115 $.

Weltweit ist das Bild nicht anders. Tatsache ist also, dass der Neubau von Atomkraftwerken nicht wettbewerbsfähig ist – und dies in den Projektionien der Internationalen Energie-Agentur, trotz angenommener (aber nicht belegter) technologischer Fortschritte, auch im Jahr 2040 nicht sein wird.
Zunehmend werden selbst bestehende, eigentlich wirtschaftlich bereits abgeschriebene Reaktoren aus finanziellen Gründen vor Ablauf ihrer Betriebsgenehmigung stillgelegt, weil auch sie nicht mehr auf einem Markt mit immer günstiger werdenden Erneuerbaren konkurrenzieren können – besonders in den USA ist dies der Fall.
Einige (wenige) Länder versuchen, dem wirtschaftlichen Trend mit großen Mengen Steuergeld entgegenzuwirken und ihre gescheiterte nationale Atom-Industrie künstlich am Leben zu halten – auf Basis eines völlig veralteten Gründungsvertrags der EU, des EURATOM-Vertrags, ist diese Wettbewerbsverzerrung laut Europäischem Gerichtshof zulässig.
Nur tatsächliche Kostenwahrheit und eine soziale und ökologische Reform des Steuer- und Abgabensystems kann hier Bremsblöcke lösen, die durch veraltetes Denken und veraltete Verträge den immer günstiger werdenden Alternativen wie Energieeinsparung (deren Potenziale hoch sind) und einer naturverträglichen und demokratischen Energiewende in den Weg gelegt werden:
Wenn Förderungen für fossile und nukleare Stromerzeugung abgeschafft und alle Folgekosten dieser schmutzigen Energien eingerechnet werden, schaffen wir rasch den Fossil- und Atom-Ausstieg und den Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energie.

Leitung Politik und Presse, Global 2000 / WWF