Gastbeitrag: Die echte Strompreisbremse heißt Erneuerbare ausbauen

Florian Maringer

Angesichts des enorm hohen Anteils der Wasserkraft in Österreich erscheint der Anteil anderer Energieerzeugung oftmals klein. Wir unterschätzen leicht, den Anteil an Versorgungssicherheit aus den "neuen" Erneuerbaren wie Windkraft und Photovoltaik. Die Effekte sind aber bereits heute sehr hoch.

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Erneuerbare senken den Strompreis

IG Windkraft, PV Austria und Kleinwasserkraft Österreich haben die Profis von enervis beauftragt, auszurechen, wie hoch der Beitrag für die günstige und sichere Versorgung durch die erneuerbaren Technologien war und sein wird. Besonders spannend: Wie hoch war der Beitrag im Gaskrisenjahr und wie hoch wird er sein, wenn die politischen Weichen endlich in Richtung Ausbau gestellt werden - wenn sich das Potential entfalten kann.

Das Ergebnis: Bereits 2022 hat der volkswirtschaftliche Nutzen dieser Technologien Österreich mehr als 2,5 Milliarden Euro gespart. Einerseits durch niedrigere Gasimporte, andererseits durch günstigere Strompreise, den preisdämpfenden Effekt auf die Merit Order durch Erneuerbare. Ein durchschnittlicher Haushalt hat so 75 Euro gespart, ein mittlerer Industriebetrieb 200.000 Euro.

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Was der Erneuerbare-Ausbau künftig bringt

Ohne Gaskrise nimmt dieser Effekt natürlich etwas ab - die Strompreise sinken ja wieder und sind teilweise wieder auf Vorkrisenniveau. Zwischen 2021 und 2024 lag der strompreissenkende Effekt zwischen 3,5 und sieben Prozent. Bauen wir Wind, Sonne und Kleinwasserkraft auf das im ÖNIP angestrebte Niveau aus, steigen natürlich auch die positiven Effekte. Und die sind überraschend hoch: Mehr politische Ambition rechnet sich - der Ausbau senkt die Preise um 20% gegenüber einem Szenario ohne Ausbau. Noch wesentlicher allerdings der volkswirtschaftliche Effekt. Der geringere Strompreis und niedrigere Importe bringen einen direkten Nutzen von 3,1 Milliarden Euro jährlich. Ein Haushalt spart sich 73 Euro, ein mittlerer Industriebetrieb 182.000 Euro. Durch den dann größeren Beitrag zur Erzeugung ist die Wirkung auf den Preis massiv zum Vorteil für die Volkswirtschaft, Unternehmen und Haushalte. Beachtlich ist auch eines: Natürlich muss auch Österreich weniger Gas verwenden, wenn Wind, Sonne und Kleinwasserkraft mehr liefern. Mit 1,8 Milliarden Kubikmeter weniger Gasverbrauch kann mehr Gas eingespart werden, als Österreichs Haushalte jährlich verbrauchen. Und natürlich mehr, als Wien jährlich verbraucht. Oder eine andere Größenordnung: Das entspricht 20-25% des Volumens der Gasspeicher in Österreich, die damit länger voll bleiben für den Notfall.

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Preisdämpfung trotz Saisonalität

Die Analyse zeigt aber noch mehr: Durch den saisonalen Effekt, PV und Wasser produzieren vor allem im Sommer aber Windenergie erzeugt 2/3 der Energie im Winter zeigt sich ein besonders vorteilhafter Effekt. Sowohl im Sommer als auch im Winter können die Technologien einen preisdämpfenden Effekt über das ganze Jahr gewährleisten. Dort wo PV und Wasser sinken, übernimmt die Windenergie. Dieses "Schulterprofil" der kalten Monate hilft genau dann, wenn Energie besonders teuer und knapp ist.

Die Potentiale dafür sind da, denn die ÖNIP-Potentiale liegen weit unter dem was technisch und ökonomisch machbar ist. Die Erwartung auf die nötigen politischen Weichenstellungen um diese Effekte Realität werden zu lassen steigt dementsprechend. Das Bild für Österreich 2030 sieht, was die Strompreise angeht, wesentlich besser aus, als wir glauben. Die Umsetzung und das Ermöglichen dessen, was Energieunternehmen leisten können, wird umso wichtiger.

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