Gastbeitrag: 2026 – Vorrang für E-Mobilität

Andreas Reinhardt

E-Mobilität ist in Österreich aus der Nische herausgewachsen. Damit dieser Vorsprung hält, müssen Ladeinfrastruktur, rechtliche Rahmenbedingungen und Digitalisierung konsequent auf E-Mobilität ausgerichtet werden.

E-Auto Parkplatzmarkierung, weißes Symbol E-Auto Symbol auf grünem Hintergrund© Ralph Hutter

Meilenstein 2025

Das Jahr 2025 markiert einen Meilenstein: In der EU wurden erstmals mehr batterieelektrische Fahrzeuge neu zugelassen als klassische Benziner. Dieser strukturelle Wandel zeigt, dass E-Mobilität nicht mehr Zukunftsversprechen, sondern Realität ist, auch in Österreich, wo Förderprogramme wie eMove Austria und der Ausbau der Ladeinfrastruktur sichtbar Wirkung zeigen.

Rund 260.000 rein elektrisch betriebene Pkw sind hierzulande unterwegs, knapp 36.000 öffentliche Ladepunkte machen emissionsfreie Mobilität im Alltag möglich. Die Unternehmen im BEÖ haben in den vergangenen Jahren massiv in das größte zusammenhängende Ladenetz Österreichs investiert und treiben den Ausbau von Schnellladeinfrastruktur weiter voran.

Ladeinfrastruktur dort, wo Fahrzeuge stehen

Kern einer erfolgreichen Verkehrswende ist eine alltagstaugliche Ladeinfrastruktur. Rund 80 Prozent der Ladevorgänge finden dort statt, wo das E-Auto länger steht, in Garagen, bei Supermärkten oder betrieblichen Parkgaragen. Dort muss Laden einfach möglich sein. Damit mehr Menschen privat laden können, braucht es moderne rechtliche Rahmenbedingungen. Im Mehrgeschosswohnbau sollten Bauträger verpflichtet werden, ausreichend dimensionierte Hausanschlüsse, Kabelwege und Platz für Verteilschränke von Beginn an mitzudenken. Im Wohnungseigentumsrecht müssen gemeinschaftliche Ladeanlagen als bevorzugte Maßnahme verankert werden, damit Genehmigungen einfacher werden. Wer heute baut, muss die E-Mobilität von morgen im Blick haben, sonst schaffen wir neue Bremsklötze statt Lösungen.

 

Ladeinfrastruktur für Schwerverkehr und Busse

Der Schwerverkehr ist der nächste große Baustein für das Gelingen der Verkehrswende, insbesondere, weil ein großer Teil des Güterverkehrs über Österreich als Transitland abgewickelt wird. Eine leistungsfähige, flächendeckende Ladeinfrastruktur kann E-Mobilität auch in diesem Sektor zum Durchbruch verhelfen. Die AFIR-Verordnung der EU schreibt bis 2030 entlang des TEN-T-Kernnetzes alle 60 Kilometer Ladehubs für E-Lkw vor. In Österreich liegt die Umsetzung maßgeblich bei der ASFINAG. Bereits vorhandene Pkw-Ladestellen an Raststationen werden um Lkw-spezifische Ladeinfrastruktur erweitert. Pilotprojekte wie der Rastplatz Roggendorf zeigen, wie künftig Ladehubs mit hohen Anschlussleistungen aussehen werden. Programme wie eMove Austria, ENIN für emissionsfreie Nutzfahrzeuge und EBIN für E-Busse setzen gezielte Impulse.

Digitalisierung als Hebel

Die nächste Ausbaustufe der E-Mobilität wird durch Digitalisierung entschieden. Smart Charging passt den Ladevorgang an die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien und die Netzauslastung an, reduziert Lastspitzen und senkt Kosten. Dynamic Pricing setzt Preissignale, damit dann geladen wird, wenn viel Wind- oder Sonnenstrom im Netz ist. Noch mehr Potenzial bietet bidirektionales Laden: Fahrzeuge werden zu mobilen Speichern, die Strom ins Haus oder ins Netz zurückspeisen und damit die Energiewende unterstützen. Damit diese Anwendungen ihren vollen Nutzen entfalten, sind klare Marktregeln notwendig. Die bestehenden Regelwerke reichen dafür nicht aus, hier braucht es einen zeitnah angepassten Rahmen.

Plug & Charge als neuer Standard

Ein weiterer Baustein für den Markthochlauf ist ein anbieter‑offenes Plug & Charge-System. Es ermöglicht, dass sich E-Fahrzeuge beim Einstecken automatisch authentifizieren, ohne App, Karte oder QR‑Code. Für die Nutzer:innen bedeutet das mehr Komfort, für den Markt mehr Interoperabilität und Transparenz. Für echten Mehrwert muss diese Lösung hersteller- und anbieterübergreifend funktionieren und regulatorisch abgesichert werden.

E-Mobilität für alle: flächendeckend, leistbar, zukunftssicher

2026 wird zum Prüfstein dafür, ob Österreich seinen Vorsprung bei der Ladeinfrastruktur behaupten und ausbauen kann. Wenn E-Mobilität in allen Programmen der Industrie-, Energie- und Verkehrspolitik Vorrang erhält, schaffen wir nicht nur ein klimafreundliches Verkehrssystem, sondern stärken auch die Wertschöpfung im eigenen Land. Die Zukunft fährt elektrisch! Jetzt liegt es an uns, sie mit mutigen Investitionen und einem verlässlichen Rechtsrahmen schneller Realität werden zu lassen.

Der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) hat im Oktober 2025 sein 5-Punkte-Programm „E-Mobilität für alle: flächendeckend, leistbar, zukunftssicher“ vorgelegt. Hier zum Download: www.beoe.at 

  • Andreas Reinhardt

    Vorsitzender des Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) & Leiter des Bereichs Energiedienstleistungen bei LINZ AG